Posts Tagged ‘Licht’

Worldwide Candlelighting – Ein Licht geht um die Welt 2013

8. Dezember 2013

Wie jeden zweiten Sonntag im Dezember beteiligen wir uns auch dieses Jahr am Worldwide Candlelighting – Ein Licht geht um die Welt.

Eltern, Großeltern, Onkels und Tanten, Freunde, Bekannte, … stellen heute Abend – egal wo auf der Welt – für alle zu früh gestorbenen Kinder eine Kerze ins Fenster. Einmal rund um den Erdball wechselt sich das Licht ab und brennt ununterbrochen für unsere Sternenkinder.

Wir sind sehr traurig. Wir hatten noch einmal allen Mut zusammen genommen und waren guter Hoffnung. Wir hatten alles auf eine Karte gesetzt. Leider hatte das Kleine auch Mb Krabbe und wir haben uns schweren Herzens dazu entschieden, die Schwangerschaft nicht fortzusetzen.

Unsere kleine Tochter Elisa wurde am 18.11.2013 in der 16. Schwangerschaftswoche still geboren.

Die Sehnsucht nach so einem kleinen Wunder war so groß. Unsere Hoffnung auch. Wir hatten schon angefangen zu träumen. Seit der Diagnose und der stillen Geburt fühle ich mich bodenlos. Irgendwo zwischen meinen Kindern hier unten und da oben. Auf der Suche nach neuen Wegen. Mal wieder an einer Lebenskreuzung.

Hier brennen heute zwei Kerzen. Eine für unseren Löwen Johannes und eine für unsere kleine Elisa.

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Viel mehr Worte habe ich zur Zeit nicht.

Eure Löwenmama

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Eine Lanze für Trauernde brechen

6. Januar 2013

Ich hatte es im alten Jahr angekündigt ein wenig darüber zu schreiben, was ich letztens in einem Seminar über „sterben, Tod, Trauer“ regelrecht aufgesaugt habe. Der Referent hat absolut eine Lanze für Trauernde gebrochen und das tat mir so unsagbar gut. Ein wenig davon möchte ich zusammenschreiben – für mich, um es mir immer wieder mal durchzulesen und auch für euch, die ihr da draußen seid und auch trauert, in Trauer lebt, mit der Trauer lebt, überlebt oder wie auch immer. Und für diejenigen, die mit Trauernden umgehen. Und vielleicht auch unsicher sind, wie sie am besten mit Trauernden umgehen.

Ich schreibe völlig wertfrei. Wenn sich jemand Nichttrauernder angesprochen fühlt, meine ich das nicht persönlich. Das ist mir ganz wichtig, das zu sagen.

In der Trauer ist alles erlaubt. Von außen wird oft erwartet, das man auch sichtbar trauert, sichtbar traurig ist. Je nachdem, wo man lebt, erwartet man vielleicht sogar, das man in schwarz geht. Manche haben immer noch gedanklich ein Trauerjahr im Kopf. Und wenn dann das erste Jahr rum ist, dann könnte man ja mal wieder normal funktionieren. Trauert man dann aber immer noch oder sogar sehr stark, wird vermutet, dass man depressiv ist, dass man professionelle Hilfe braucht, besteht großes Unverständnis darüber, das man die Trauer noch nicht abgelegt hat. Das man noch nicht darüber hinweggekommen ist.

Ich weiß nicht, wie andere trauern, aber ich glaube, Trauer ist etwas sehr individuelles. Vielleicht ist es auch ein Unterschied, was man betrauert, wen man betrauert und wie alt man dabei ist. Vielleicht auch nicht. Wer weiß das schon?

Das erste Jahr: das erste Jahr war sehr komisch. Ich schreibe jetzt nur von mir. Zuerst war ich sehr betäubt. Und ich konnte das gar nicht glauben, das es wirklich passiert ist. Ich brauchte wirklich viele Wochen, bis ich das realisieren konnte. Ja, Johannes ist wirklich gestorben. Und dann kam eine Phase, wo ich das so unglaublich fand, was uns passierte und ich saß da und fragte mich: „ist uns das _wirklich_ alles passiert“ und „gab es Johannes wirklich?“. Ich ging nach oben und sah nach, ob da tatsächlich seine Sachen sind, fühlte die Kette mit seinem Fingerabdruck an meinem Hals. Und ja, es gab ihn wirklich und ja, es ist uns wirklich passiert. Es ist ihm tatsächlich passiert. Ich mußte das für mich wirklich erst realisieren.

Erst kam eine erste Nacht ohne ihn, ein erster Tag ohne ihn, dann ein erstes Sonntagsfrühstück ohne ihn. Es folgte eine erste Woche ohne ihn, der erste Monat ohne Johannes. Das erste Weihnachten – ohne ihn. Kurz darauf ein erstes Silvester ohne den kleinen Stinker. Sieht er uns von dort oben? Nochmal richtig laut knallen? „Hey, da unten sind wir!!“

Die ersten Geburtstage ohne Jo, ein Ostern ohne Osternest für unser Baby. Ein Geburtstag ohne Geburtstagskind und dann ein Todestag. Ein ganzes Jahr ohne den kleinen Schnuckmuck.

Und dann war es rum. Das erste Trauerjahr. Das berühmtberüchtigte Trauerjahr. Und jetzt sollte ich darüber hinweg sein? Nein, ich war glaub noch nicht mal mittendrin.

In gängiger Trauerliteratur liest man, dass das zweite und dritte Jahr am schlimmsten sind.

Was ich erst ganz schlimm fand: zuerst war es „dieses Jahr ist unser Baby gestorben“, dann „letztes Jahr ist …“ und jetzt seit dem Jahreswechsel „vorletztes Jahr ist …“. So lang ist das schon her? Aber ich glaube, es war doch erst gestern.

Wie soll ich jemandem erklären, das ich so schrecklich traurig bin, das ich gelegentlich die ganze Welt vor Schmerz am liebsten zusammenschreien möchte, das ich am liebsten an seinem Grab stehen möchte und „Johaaannnnneeeees“ so laut schreien möchte, das es bis ans Ende der Welt zu hören ist?

Das ist verdammt nochmal nicht schon so lange her, das es vorletztes Jahr war?

„Langsam sollte sie doch jetzt drüber hinweg kommen“… munkelt man dann vielleicht?

Vielleicht komme ich nie darüber hinweg.

Kann man über so etwas hinweg kommen?

Muß man über so etwas hinweg kommen?

Nein, man muß nicht. Vielleicht kann man. Aber man muß es nicht. Und es ist normal, wenn man es nicht tut. Und es ist ein verdammtes Recht, nicht darüber hinweg zu kommen.

Und man ist nicht unnormal, wenn man nie über den Verlust eines geliebten Menschens, des gliebten Partners, des Kindes, … hinweg kommt.

Und ein Leben lang traurig ist.

Und ich wünsche allen Trauernden von Herzen, so lang traurig sein zu dürfen, wie sie es brauchen – vielleicht ein Leben lang. Aber dennoch leben und lachen und lieben. Um am Ende unterm Strich ein glückliches Leben gelebt zu haben.

Bei Angehörigen entsteht Hilflosigkeit, wenn Trauernde vermeintlich nicht über ihre Trauer hinweg kommen. Man möchte helfen und erwartet aber gleichzeitig, dass es besser wird. Das derjenige die Trauer hinter sich läßt. Aber er muß die Trauer nicht hinter sich lassen. Er darf sie weiter leben. Und auch mal nicht leben. Angehörige sind herzlich eingeladen, Trauer mit auszuhalten, anstatt sie auszumerzen, auch wenn es noch so schwer ist.

Es gilt nicht, Trauernde aus „Löchern“ zu holen. Es gilt Trauernden zuzuhören. Sich neben das Loch zu setzen. Dem Trauernden zu sagen „ich bin da, wenn ich was tun kann für Dich“, ihm Zeit zu geben. Bis er bereit ist da wieder auszukommen. Vielleicht mal zu sagen: „Hey, vergiß nicht, da draußen ist das Leben. Ich lade Dich ein, mal wieder teilzunehmen“ und irgendwann wird der Trauernde entweder einfach rauskommen oder sich raushelfen lassen.

Es tat mir so gut zu hören, das es kein richtig oder falsch trauern gibt. Das Trauer auch nach Jahren!!! nicht unnormal oder gar krankhaft ist. Das Trauer einfach ganz individuell ist.

Es ist nochmal etwas ganz anderes, wenn man seine Trauer als Recht in Worte fasst. Ich habe spontan für den Moment meine Gedanken hierzu mal zusammengetragen:

Du hast das Recht zu trauern, wie Du willst und es Dir gut tut.
Du hast das Recht zu weinen, so lange und wo Du willst ohne Dich Deiner Tränen schämen zu müssen.
Du hast das Recht auch nach Jahren traurig zu sein, als wäre es gerade eben passiert ohne Dich dafür rechtfertigen zu müssen, weil Du eigentlich schon darüber hinweg sein müßtest.
Du hast das Recht, Rücksicht zu erfahren, wenn Du nicht einfach funktionierst, nicht leisten kannst was man von Dir erwartet, weil die Trauer Dich blockiert.
Du hast das Recht, Dich für Deine Trauer nicht rechtfertigen zu müssen.
Du hast das Recht, dass man Rücksicht auf Dich und Deine Trauer nimmt.
Du hast das Recht zu leben. Dich am Leben zu erfreuen. Zu lachen. Oder auch vermeintlich nicht sichtbar zu trauern. Auch wenn Du ganz frisch Trauernder bist.
Du hast das Recht, glücklich sein zu dürfen.
Du hast das Recht Deine Trauer zu leben, wie es Dir gut tut. Du bist Du und es ist Dein Weg.
Du hast das Recht, Dir in der Trauer eine Auszeit zu nehmen, wenn Du Zeit für Dich und Deine Trauer brauchst oder die Trauer Dich lähmt.

Wenn man Probleme damit hat sich das zuzugestehen, ist das sehr wertvoll es in eigene Gedanken zu fassen.

Noch be-greif-barer wird es, wenn man es mit „Ich“ formuliert. Dann ist es nochmal viel, viel näher.

Es gibt zig Beispiele hierzu, von allen möglichen Verfassern. Im Buch, im Web, …

Hier kopiere ich etwas von einem „Unbekannten Verfasser“ rein, das ich im Netz gefunden habe. Es hat mich sehr angesprochen:

Du hast ein Recht auf deine Trauer

Du darfst dich deinen Verlusten widmen,
musst nicht verdrängen, was dich beschwert.
Du hast ein Recht, das abzutrauern,
was dich so tief enttäuscht hat
und was du nicht ändern kannst.

Du hast ein Recht auf deine Tränen,
auf dein Schweigen,
auf deine Ratlosigkeit,
auf deine innere und äußere Abwesenheit,
Du musst nicht den Glücklichen spielen,
nicht über den Dingen stehen.

Du hast ein Recht, die wegzuschicken,
die dich mit Gewalt aus deiner Trauer
herausholen wollen, weil deine Trauer
sie selbst bedroht.
Du hast ein Recht auf deine Trauerzeit.

Du hast ein Recht,
mit denen nicht reden zu wollen,
die dir ein schlechtes Gewissen machen
für deine Dunkelheit und Trauer.
Die mit Sprüchen kommen
und dich mit diesen Sprüchen
unter Druck zu setzen versuchen.
Du hast ein Recht auf deine Trauerstille.

Du hast ein Recht, dich zu wehren
gegen die, die dir sagen
was du fühlen darfst und was nicht,
die dich nicht als einzelnen,
sondern als Fall behandeln
und sich innerlich nicht wirklich
mit dir einlassen.

Vielleicht macht dich nichts so menschlich
wie deine Trauer.
Über sie kann ein Trauernder sich dir nähern
und auf Verständnis hoffen.
Trauern zu können ist eine Gabe.
Lass dir das Recht auf deine Trauer nicht nehmen
(Verfasser unbekannt)

    ***

Der Umzugsstreß ist noch nicht ganz abgefallen von uns und so ganz zu Hause fühlen wir uns hier im neuen Heim auch noch nicht. Eigentlich wollten wir nun ein wenig zur Ruhe kommen, aber das sollte nicht so sein. Der Löwenpapa hatte arge Rückenschmerzen, Arztbesuche und ein paar Untersuchungen die uns sehr an den Diagnostik-Weg mit Johannes erinnerten, was mich nervlich irgendwie ziemlich in alte Zeiten zurückgeworfen hat. Nächste Woche muß der Löwenpapa nun ins Krankenhaus und einen Eingriff über sich ergehen lassen. Das belastet mich schon sehr. Wo wir uns doch so sehr auf die Ruhe nach der Bauphase, nach dem Umzug gefreut hatten.

Ich weiß, wir haben einen ganz besonderen Schutzengel im Himmel. Und er hat ein Auge auf seinen Papa.

Hier brennt abends im Regelfall ein besonders drolliges Licht für ihn und zeigt unseren Besuchern schon von Weitem, dass hier ein Löwe wacht.

Es grüßt euch herzlich

die Löwenmama

Johannes 2. Geburtstag – der erste ohne ihn

14. August 2012

Heute ist Johannes 2. Geburtstag.

Happy Birthday, kleiner Löwe!

Ich muß sagen, ich hab Tag für Tag mehr Muffensausen bekommen. Schon vor längerer Zeit haben wir uns darüber Gedanken gemacht, wie wir diesen Tag gestalten wollen. Arbeiten gehen kam nicht in Frage. Freizeitpark oder irgendetwas lustiges, lebendiges war die erste Idee. Wir verwarfen aber diesen Gedanken wieder und wollten in die Berge – wie nach Johannes Tod. Das lag uns am nähesten.

Mein Bestreben war es aber inzwischen nur noch, den Tag zu überleben. Ich wollte, das es ein schöner Tag wird und es war mir wichtig, das ich für Johannes etwas mache. Aber ich wollte auch, dass er einfach nur vorbei geht.

Trotz allem, ganz wichtig war mir, das es ein Geschenk gibt, das der Löwenpapa und ich schon vor einer ganzen Weile gekauft hatten. Vorgestern packte ich es ein und es war ein wirklich dummes Gefühl, ein Geschenk für ein Sternenkind einzupacken.

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Und dann sollte es einen Geburtstagskuchen geben. Ich habe mir ein paar Tage davor schon Gedanken gemacht, was ich für einen Kuchen backen könnte. Geburtstagskuchen für ein Kind sind immer etwas sehr besonderes. Sie dienen ja nicht nur dazu die Feiernden satt zu machen, sondern sollen Kinderaugen zum Strahlen bringen. Dieser Kuchen sollte keine Kinderaugen zum Strahlen bringen… Was für ein scheiß Gefühl. Tränenmeer.

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Ich hatte die Tage davor meinem Mädchen eine Geschichte von „Frederick und seinen Mäusefreunden“ vorgelesen. In der ersten Geschichte geht es darum, dass Frederick und seine Mäusefreunde sich auf den kalten Winter vorbereiten und Getreide, Nüsse und Stroh sammeln und alles in ihren Unterschlupf in der Steinmauer bringen. Alle arbeiten, mühen sich ab und plagen sich um für den Winter vorzuarbeiten, nur Frederick scheinbar nicht. Die anderen Mäuse sind irgendwann recht vorwurfsvoll, denn wenn sie Frederick fragen was er macht weil er nur rumliegt, antwortet er, dass er sammelt. Worte, Sonnenstrahlen, Farben, … Die Mäuse konnten damit nichts anfangen und ärgerten sich über die vermeintliche Faulheit von Frederick. Der Winter kam, die Mäuse hatten sich gut versorgt und es war eigentlich recht gemütlich in der Steinmauer. Die Mäuse hatten es kuschlig und genug zu essen. Das sollte aber nicht immer so sein und als irgendwann eine ganz karge Zeit eintrat, wo es nicht mehr kuschlig war, das letzte Korn geknabbert war und es nichts mehr zu reden gab fiel den Mäusen ein, dass sie ja noch Fredericks „Vorräte“ hatten. Sie fragten ihn also, was mit seinen Vorräten sei und Frederick forderte sie auf, die Augen zu schließen. Er erzählte den Mäusen von den roten Mohnblumen, den blauen Kornblumen, erzählte ihnen von der wärmenden Sonne und dichtete. Die Mäuse lobten Frederick kräftig, diese „Vorräte“ hatten sie gerne.

Diese Geschichte erinnerte mich daran, dass wir in der Trauer wortlos sind, die Sonne nicht immer gut spüren können und die Welt seit Johannes Tod weniger bunt ist. Ich wollte heute das „bunt“ sammeln und ganz bewußt beachten, die Sonne tanken und Worte sammeln. Hier sind unsere bunten Schätze:

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Frederick sollte uns begleiten, den hatte ich für Johannes gebastelt:

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Die Wanderung war sehr schön, auch wenn etwas ungeplant chaotisch. Wir hatten die Route als leichte, familienfreundliche Tour herausgesucht, Anforderungsprofil wenig Kondition. Und wir liefen über Stock und Stein, rauf und runter und mußten am Ende umkehren, da wir den Weg mit unserer Kleinen nicht bewältigen konnten. Aber es war irgendwie wie im richtigen Leben. Man hat eine Vorstellung, plant etwas und am Ende läuft es ganz anders. Es war egal. Die Strecke sah auf dem Rückweg von der anderen Seite gleich nochmal ganz anders aus und war trotzdem sehr schön. Eine schöne Wanderung. Gut überlebt. Wir hatten wirklich schon andere Probleme als eine ungeplant verlaufende Wanderung und eine Kehrtwende zu machen.

Ein paar Momente versuchte ich einzufangen…

Licht und Schatten…

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Glockenblumen…

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Dem Himmel so nah…

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Diese Puschel waren so weich – sie hätten ihm sicher gut gefallen…

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Die Farbe erinnerte mich an die Farbe seiner Löwenmähne…

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Ganz weit oben – nochmal dem Himmel so nah…

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Diese Zartheit. Diese Frische. Diese Reinheit, dieses schützenden Frauenmantels! Wow.

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Nach der Wanderung stärkten wir uns zu Hause erstmal beim Löwen-Kuchen.

Abends führte uns unser Weg zum Friedhof. Es lag hier immer noch ein Geschenk. Ein Korb voller Kerzen. Unsere bunten Schätze, die wir von der Wanderung mitgebracht hatten. Und wir wollten ein paar Seifenblasen pusten, bei Johannes sein. Ihm einen ganz persönlichen Besuch abstatten. Wir waren nicht die einzigen, die Johannes besuchten. Wir sahen es an den kleinen Besonderheiten, die von seinen Besuchern mitgebracht wurden…

Ein Affe vom Bruder gebastelt:

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Windspiel…

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Ein „Bob der Baumeister“ für kleine Kerle:

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Und ein sehr stolzer Löwe.

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Eine süße kleine Holzpfeife ist links auf dem Geschenke-Bild oben im Beitrag zu sehen. Und eine schöne Rose fanden wir am Grab.

Wir sind froh, das dieser lange Tag zu Ende ist. Wir haben sicher das beste draus gemacht, was man draus machen konnte. Und wir danken allen, die uns begleitet haben, die Johannes etwas gebracht haben, die uns nahestanden. Die den Tag zu dem gemacht haben, was er war. Danke an alle, die uns -wie auch immer- nahe waren.

Es grüßt herzlich

die Löwenmama

Es wird schon irgendwann wieder. Aber nie mehr gut.

24. Juni 2012

Ich habe schon lange nicht mehr gebloggt. Unser Leben ist zur Zeit voller Leben. Ein bißchen zu viel davon. Ich habe zu wenig Zeit für mich. Der Bau unseres Hauses beansprucht uns sehr, auch wenn wir selbst keinen Stein in die Hand nehmen. Das Drumherum ist ein mords Gerenne. Selbst der Umzug erfordert jetzt schon Vorarbeit und wenn es nur das Entrümpeln des Dachbodens und Kellers ist, um einen Makler ins Haus zu holen, ohne sich schämen zu müssen.

Obwohl alles so voll ist, die Zeit zu wenig, ist Johannes immer mit dabei. Es ist wenig Zeit für Schmerz, aber wenn dann intensiv. Er fehlt. Egal wann. Egal wo. Überall.

Immer öfter kommen Gedanken durch wie es wäre wenn er gesund wäre. Wie alt er wäre, man fängt an zu rechnen und ich ärgere mich dann darüber, dass ich es nicht präsent, sofort auf dem Schirm habe. Was er wohl tun würde. Was er mögen würde. Was sein Lieblingsspielzeug wäre. Was er für einen Spitznamen hätte. Was er am liebsten essen würde. Was er für Marotten hätte… Wer wäre er? Wie würde sich seine Stimme anhören? Wie würde sich „Mama“ oder „Papa“ aus seinem Mund anhören?

Beim Dachboden räumen falle ich immer wieder über Spielsachen, über die er sich jetzt sicher riesig freuen würde. Auch über die Stoffwindeln, die wir erstmal behalten wollen. Soll da nochmal ein Baby rein? Will ich das? Schaffe ich das? Kann ich mir das überhaupt vorstellen? Was wäre, wenn ich nicht wollen würde, ich es bereue, es aber zu spät ist? Was ist, wenn ich will und es klappt nicht? Was gebe ich auf? Was würde ich gewinnen? Ich finde Babies immer noch ziemlich komisch. Nicht böse gemeint, aber vielleicht wie kleine Aliens? Wie zum Teufel schaffen sie es, ihren Kopf zu halten? Diese Zappelei ist normal und schaut für mich so unnormal aus. Ich habe kein normales Verhältnis mehr dazu. Hätte vermutlich ständig Sorge, ob alles normal ist. Total verschroben.

Warum ist der Mensch so? Ich könnte auch sagen, meine Familie ist komplett und fertig. Warum machen Kopf und Herz da ihr eigenes Ding? Alle Denkerei ist sinnlos, so lange wir nichtmal wissen, ob wir über die Humangenetik erfolgreich sind. Ob die genetische Untersuchung bei uns überhaupt bezahlt werden wird von den Versicherungen und ob wir mit den Ergebnissen was anfangen könnten. Aber wo ist die Stopp-Taste?

Mir ist völlig abhanden gekommen, in die Zukunft zu denken. Vor Johannes hatte ich schon immer irgendwie so nen Plan von meinem Leben. Das ist jetzt ganz anders. Ich muß oft genug zum Wochenende hin ganz bewußt schauen, was nächsten Montag ist. Nächste Woche Freitag ist gefühlte Jahrhunderte weit weg. Unstrukturiert hoch 10. Inzwischen glaube ich, es wird schon irgendwann wieder werden – aber es wird nie mehr gut.

Arbeiten macht immer noch wahnsinnig viel Spaß und erfüllt mich sehr. Ich bin dort zwar immer noch nicht ich, aber egal. Das, was ich da bin, ist lustig. Zwar nicht ich und nicht authentisch, aber lustig.

Ich bin gerade warum auch immer sehr auf Krawall gebürstet und in einer fetten Anti-Stimmung. Lust auf extrem, anders sein, nicht gewöhnlich. Äußert sich in Haare immer kürzer, krasse Farben gehen leider nicht wegen meines Berufes. Und ich hab Bock auf Totenkopf-T-Shirts in fiesen Farben. Mein armer Mann. Ich glaube, das streßt ihn etwas. Aber es fällt mir so schwer, angepasst zu sein.

Hier im Garten blüht inzwischen Johannes Rose. Wir haben sie letztes Jahr von einer ganz lieben (Tuscany *wink*) geschenkt bekommen. Ich hatte ihr überlassen, welche Rose sie uns schickt. Wunderschön von ihr assoziiert. So klein und zart wie Jo war. Die Farben so dezent wie sein Teint. So leicht duftig wie kleine Babies. Sie bereitet uns große Freude. Die einzelne Blüte duftet eigentlich gar nicht wirklich. Wenn ich auf die Terasse komme, ist er aber da, der Duft der ganzen Rose. Eben wie ein kleines Baby, so lieblich. Die Farben erst ganz zart apricot, wechseln bis ins Weiß. Wunderschön!

Kleine Wildbienen die schon länger in unserem Garten wohnen mögen sie sehr. 🙂

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Vor kurzem freute ich mich mal wieder über ein richtiges Löwen-Geschenk für den Löwen. Danke, liebe Dani! Die Idee war wundervoll. Sehr, sehr lieb!

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Danke für`s immer wieder bei uns Reinschauen!

Viele Grüße aus dem irgendwo und nirgendwo

die Löwenmama

„Mama, was ist gestorben?“ …

30. April 2012

„Mama, was ist gestorben?“ ‚“Gestorben ist, wenn man der Mami Marienkäferchen vom Himmel schickt um ihr ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, statt Quatsch zu machen.“

Dieser Satz fiel mir letztens spontan ein, als ich draußen den Rasen mähte. Ich machte mir Gedanken darüber, was man wohl im Himmel so macht. Denn auch wenn ich nicht mehr an Gott glaube, denke ich immer noch, dass es sowas wie den Himmel gibt. Vielleicht so eine Art Ort wo man sich eine Weile aufhält und einfach ist, bevor man eine neue Aufgabe bekommt und die Seele ihre Flügel wieder weit aufspannt und in ein neues Zuhause, ein neues Leben fliegt.

Dann sitzt man im Himmel und hat so furchtbar viel zu tun. So furchtbar viel Spaß. Und Johannes hat viel nachzuholen, war doch sein letztes Leben ziemlich spaßfrei und anstrengend. Ab und zu schaut er mal zu mir runter oder manchmal bitte ich ihn darum, auf mich oder den Papi oder die Geschwister besonders gut aufzupassen. Manchmal klingle ich nach ihm mit meinem Engelrufer, aber nur wenn es ganz, ganz dringend ist. Und dann sieht er mich vielleicht weinen, spürt meine Verzweiflung. Und dann schickt er sie, die Marienkäferchen. So stell ich mir das vor.

Die letzte Zeit war ich so quirlig. Kaum zu Hause. Wirklich ständig auf Achse. Habe Überstunden noch und nöcher gemacht. Lauter Projekte begonnen. An allen Fronten gekämpft. Wenn ich Johannes besuchte, war er oft so weit weg. Ich konnte nicht gut zu ihm hinfühlen. Ich ließ mich vom Leben mitnehmen, ich lachte, hatte Spaß. Aber irgendwie war ich das nicht. Die Maske lacht. Die Maske scherzt, macht zu lustige, zu blöde Witze. Und unter der Maske ist es dunkel. So eine tiefe Traurigkeit hatte mich erfasst. Unterschwellig. Nicht greifbar. Aber dennoch da.

Gestern ist er dann geplatzt. Der Knoten. Wie eine Wunde, die schon länger vor sich hin laboriert und dann bricht alles auf und es eitert. Und mir war wieder einmal klar, dass diese Narbe vielleicht irgendwann einmal schon zuheilen wird. Aber sie wird weder schön, noch unsichtbar und sie wird immer irgendwie weh tun.

Gestern abend brach mal wieder alles aus mir heraus. Ich hab so geweint. Ich konnte schon lange nicht mehr so weinen. Vor kurzem mal bei Johannes am Grab. Da kam ich und noch ehe ich die Kerzen anzünden konnte, lief plötzlich ein ganzer Sturzbach an Tränen los. Aber es war mir peinlich. Ich wollte weder so verheult in den Kindergarten mein Mädchen abholen, noch so zum Arbeiten. Also drängte ich die Tränen zurück, schluckte sie hinunter.

Das Weinen gestern tat irgendwie gut. Der kleine Muck fehlt mir so sehr. Ich bin schon wieder so wütend, fühle mich vom Leben so ungerecht behandelt. Und ich fühle mich so hilflos, weil ich nichts, nicht, nichts an der Situation ändern kann. Trauer ist wie ein langer Tunnel und ich hab keine Ahnung, wann da Licht kommt.

Hier ein Bild aus London, das gut zu meinem Empfinden paßt. Dunkel, trist, nackt. Kalt und karg und tief unten.

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Kürzlich bin ich Streife gefahren. Die Sonne hat so herrlich gescheint. Wir fuhren durch die Innenstadt und all die Mamis mit ihren Kindern in den Buggies rumlaufen zu sehen… wenn dann noch eine um die Ecke fuhr mit nem Kinderwagen und nem Geschwisterboard dran, wars vorbei. Ich könnte grad nicht mit meinen Kindern zum Bummeln gehen. Genau aus diesem Grund. Das geht (noch) nicht.

Ich habe angefangen, die Geschichte des Löwenbabies aufzuschreiben. In allen Facetten. ich hoffe, ich bekomme es fertig. Wünscht mir Glück und einen lange Atem. Geduld ist nicht meine Stärke. Aber ich hab das Gefühl, ich bin es mir und vor allem Jo schuldig.

Johannes Apfelbaum blüht. Er sieht richtig hübsch aus. Aber es tut mir in der Seele weh, das er ihn nicht mehr sieht. Wir nicht mehr drunter liegen können. Heute möchte ich noch mein Versprechen einlösen, das ich ihm letztes Jahr gegeben habe. Ich bring ihm ein paar blühende Zweige mit.

Es grüßt euch herzlich

die Löwenmama

Ganz große Scheiße

6. Februar 2012

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Eiseskälte hat es zur Zeit. Tags – 12 °C und mehr, die Nächte noch viel kälter.

So ähnlich fühle ich mich zur Zeit. Ich kann mich schon mitreissen lassen – z.B. wenn wir jeden Tag Schlitten fahren gehen hab ich Spaß – aber sonst macht sich gern Lethargie breit. Ich fühle mich teilweise wie gelähmt. So lang hat diese Lethargie noch nie angehalten. Meistens war sie nach zwei, drei Tagen wieder weg.

Ich versuche mich nicht hängen zu lassen, habe aber oft das Gefühl mich am liebsten ins Bett zu legen und mir die Decke über den Kopf zu ziehen. (das bin nicht ich!) Trash-TV zu kucken (ich verachte Trash-TV) und einfach wirklich nichts zu tun. Stundenlang stupide und völlig sinnfreie Computerspiele (das bin ich eigentlich auch nicht) zu zocken. Aber das geht natürlich nicht.

Ich schau an manchen Tagen in den Spiegel und denke mir: „Ich wußte gar nicht, das man Scheiße so hoch stapeln kann!“ und mach trotzdem irgendwie weiter.

Es gibt so lähmende Tage wo man einfach nur drauf wartet, das er so schnell aufhört wie er angefangen hat. Man ist kaum dazu in der Lage, die Zeit sinnvoll zu nutzen. Eine ganz liebe Mitleserin hat mir etwas geschickt, ein wirklich gutes Lebensmotto für solche Tage: „Things to do today: 1. to get up, 2. survive, 3. go back to bed“. Das trifft es wirklich sehr gut!

Das Wetter, ja das Wetter. Ich würde mir wünschen, auch wenn grad viel die Sonne scheint, das schnell Frühling wird. Ich hätt so gern wärmende Sonne, Blumen, Schmetterlinge, sprießendes Gras. Der Duft von Frühling oder frischem Regen an einem lauen Sommertag. Diese Kälte – brr. Das ist grad nix für mich.

Das ist alles grad wirklich blöd, blöd, blöd.

Für mich ist gestern wieder ein ganz persönliches Wunder geschehen. Johannes starb am Geburtstag von S., sie ist das Mädchen meiner ehem. Hospizbegleitung (in der ich nun übrigens einen sehr lieben Menschen gefunden und behalten 😉 habe *ich schick Dir einen ganz lieben Gruß*). S. ist schon vor einiger Zeit ins Sternenland gereist. Irgendeinen Sinn hatte es wohl, das Johannes ausgerechnet an ihrem Geburtstag starb. Es gibt so viele Tage im Jahr, warum ausgerechnet an diesem? So viel Zufall kann es gar nicht geben. Ich mag es zumindest nicht glauben.

Gestern war nun ihr Sternenreisetag und wir haben ihr ein Licht und ein Schneckenhaus gebracht. Mein Großer gab es mir und ich legte es zur Kerze und er sagte: „Mama, hier, die kleine Schnecke auch, die gehört dazu!“. Tatsächlich war in dem großen Schneckenhaus nochmal ein ganz kleines mit drin. Ich konnte es kaum glauben. Für mich war das wie „nicht alleine, zusammen, die Große und der Kleine! Das war der Wahnsinn. Ganz, ganz stark.

Mein Baby fehlt mir so sehr. Ich vermisse ihn so. Tränenmeer. Gefühlstsunami. Finde das alles so gemein. So ungerecht. Alle Lebenspläne über den Haufen geworfen. Alles anders. Alles blöd. So viel kaputt. So viele Chancen genommen. Finde mich nicht. Habe das Gefühl auf der Stelle zu treten. Manchmal wie gelähmt. Nicht die Perspektiven, die ich mir gewünscht habe. Mein verträumter Blick in die Zukunft war so ganz anders, aber das Leben kann verdammt gemein und eklig zu einem sein. Träume und Wünsche, die nicht einfach so zu verwirklichen sind. Gleich nochmal bestraft. (Stichwort Kinderwunsch, Genschrott, autosomal rezessiv) Und wenn man Mut hat, vielleicht gleich nochmal auf die Fresse. Davor Angst. Und dann heult man wieder seinen Träumen und Wünschen hinterher und fühlt sich so hilflos dem Ganzen Genschrottthema gegenüber. Warum nicht nur ein gestorbenes Kind, sondern das Folgerisiko nochmal hinterher?

Meinen Löwen kann man nicht ersetzen, aber meine Familie fühlt sich so zerrissen und nicht komplett an. Ein Loch, eine große Wunde. Einfach nicht komplett.

Das ist alles eine ganz große Scheiße!

Es grüßt euch

die Löwenmama

11.12.2011, 19 Uhr – ein Licht für Sternenkinder geht um die Welt

11. Dezember 2011

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Heute ist der „worldwide candlelighting-day“. Dieser findet jedes Jahr am zweiten Sonntag im Dezember statt und soll eine Lichtwelle um die Welt darstellen. 

Als wunderschöne Geste des Andenkens an alle verstorbenen Kinder zündet man um 19 Uhr eine Kerze an und stellt sie sichtbar ans Fenster. In einigen Bundesländern werden auch Gottesdienste veranstaltet, eine Liste findet man hier: http://www.die-muschel.de/veranstaltungen.html

Unser Licht wird brennen. Wie jeden Abend. Aber heute am Fenster.

Es grüßt euch

die Löwenmama

…vermisse Dich…

23. Oktober 2011

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In unserer Sanduhr fällt das letzte Korn.
Ich hab gewonnen und hab ebenso verlor’n.
Jedoch missen möcht ich nichts,
alles bleibt unser gedanklicher Besitz.
Und eine bleibende Erinnerung.
Zwischen Tag und Nacht legt sich die Dämmerung.

„Und wenn ein Lied“ von den Söhnen Mannheims

 

Gestern waren es vier Wochen, morgen ist es einen Monat her, dass der kleine Löwe gestorben ist. Die Zeit ist so verdammt schnell vergangen. Regelrecht verflogen. Wo ist sie hin?

Ich hab so viel zu sagen, soviel im Kopf und krieg es nicht raus. Ich fühl so viel und fühl mich gleichzeitig so taub. Die Welt ist weniger bunt, seit der kleine Muck nicht mehr da ist. Gerade die letzten Tage sind schwieriger als die davor. Wie eine Hand, die mein Herz quetscht. So fühlt es sich immer wieder an. Tränen bei der Gartenarbeit. Tränen beim Spazierengehen. Viele Tränen am Grab. Ich möchte dort am liebsten ganz laut seinen Namen schreien. Ich vermisse ihn so so so sehr.

So viele Dinge möchte man oft erledigen und zu nichts, nichts ist man in der Lage. Mein Kopf ist voller Kleinigkeiten, die zu tun sind. Es türmt sich, ich verliere den Überblick. Dafür kommen wir im Haus voran. Neues Schlafzimmer steht, das Zimmer meines Mädchens glich einem Schlachtfeld und nun lichtet es sich. Ich kann freudig vermelden: bis auf Staub und Boden wischen und nett einräumen ist es fertig. Ja und des Löwen Bollerwagen muß noch raus und hoch. Sein Bettchen, das meinem beigestellt war bleibt ja im Schlafzimmer, aber der Bollerwagen kommt hoch.

Das hier im Haus ist wichtig. Es ändert sich hier gerade einiges und das ist gut. Umbruch auch hier. Etwas Neues machen. Raus aus dem alten Grau. Wenn nur nicht immer diese Lethargie wäre…Aber wenn man mal dran ist tut es unheimlich gut, es zu tun.

Wir sind zum Teil auch so viel unterwegs. Würde man mich fragen, was ich alles gemacht habe, wüßte ich es nicht mal. Nicht jede Fahrt ist sinnvoll. Mir fällt es nur auf, weil unser Anrufbeantworter ständig blinkt.

Vorgestern sind wir auf dem Friedhof einmal ein paar Reihen durchgelaufen. Mir war es schon lange ein Bedürfnis, das zu tun. Ich wollte wissen, wer dort alles liegt, ob dort auch andere Kinder sind. Mir sind die Tränen runtergelaufen. So viele Kinder. So viele Gräber, wo Mama, Papa und ein Kind liegen. Kleine Kinder, Babies, größere Kinder. Es ist so traurig. Warum spricht niemand darüber, warum hört man nie davon? ES SIND SO VIELE KINDER!!!

Der Löwenpapa hatte eine geniale Idee! Wir haben letzte Woche spontan gebucht und fliegen nächsten April für vier Tage nach London. Wir flüchten einfach mal ein bißchen als Paar und lassen die Kinder bei Oma und Opa. Wir freuen uns wie blöd, das Abenteuer ruft und ich habe eine Mission. Ich werde am Speakers Corner sprechen. Ich hab schon einiges im Kopf. Vielleicht geht es nicht viel um Morbus Krabbe. Aber es geht um meinen kleinen Stinker und um viele andere gestorbene Kinder. Sie haben ein Recht darauf, dass man über sie spricht. Und danach zünde ich für den kleinen Muck eine Kerze an…

Ich wollte noch vieles schreiben, aber wie zur Zeit so oft ist mein Hirn durcheinandergewürfelt. Unstrukturiert. Wie ätzend. Deswegen belass ich es einfach mal dabei.

Das Licht, die Kugel. Ihr erinnert euch? Mein Frauenforum. Ach, sie sieht so schön aus…

Es grüßt euch

die Löwenmama

 

Der Weg

8. August 2011

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Ich bin gestern im Regen spazieren gegangen. Als ich loslief, regnete es noch nicht. Wie im echten Leben. Es schlägt sehr plötzlich um. Zuerst ist es ganz ok, dann wird es auf einmal kalt und ungemütlich. Aber ich ließ es zu, es fühlte sich lebendig an.

Beim Laufen dachte ich darüber nach, wie erwachsen ich gerade gemacht werde. Vielleicht erwachsener als ich je werden wollte. Ich schmecke den Tod.

Vor einer Weile hat mir eine ganz liebe ein paar mich sehr beeindruckende Zeilen geschrieben:

„Die Welt stürzt in Scherben und es ist nie mehr, wie es vorher war,
aber anders kann es auch gut werden. Vielleicht kannst du bald das kleine Licht am Horizont sehen.

In solchen Zeiten sind wir im Niemandsland, es gibt keine Wege, vieles scheint öd und unbewachsen unbewohnt.
Wir sind so schrecklich alleine dort, so nackt und verwundbar.
Wir werden vom Leben abgeschliffen, es fühlt sich an, wie bis aufs Skelett.“

Das trifft es ins Mark. Exakt so fühle ich mich schon lange.

Ich lief also diesen Weg oben auf dem Bild hinunter. Zuerst war es sehr naß und schmierig. Dann wurde er sehr steinig. Dann blieb eine Fahrrinne steinig und etwas unwegsam, die andere wurde sandiger und gut begehbar. Ich war schon drauf und dran die Fahrrinne zu wechseln und entschied mich doch noch, weiter die steinige zu laufen. Mein Weg ist gerade steinig. Den Lebensweg kann ich auch nicht einfach verlassen. Warum sollte er dann nicht sinnbildlich auch steinig bleiben?

Ich lief und lief und paßte gut auf, dass ich nicht strauchelte, stolperte. Manchmal war es doch etwas schwierig nicht umzuknicken. Aber ich stellte fest, da ich gemütlich lief und auch die sandige Rinne nicht schneller bestritten hätte, dass ich kaum langsamer vorankomme. Nur bedächtiger. Und als ich unten war, kam mir etwas in den Sinn. Ich ging jetzt diesen steinigen Weg, ich sah kaum nach rechts und links, denn ich mußte mich darauf konzentrieren, nicht zu stolpern und ich kam unten an und es war auch schön. Das heißt, wenn ich diesen Lebensweg bestritten habe, diesen Weg hinter mir liegen habe, kann es dort angekommen auch schön sein.

Es muß nicht schöner oder schlechter sein, als wenn der Weg leicht ist, das Ziel bekannt, das Ziel unbekannt. Es ist egal. Es kann auch schön sein, egal wie man es erreicht, wie man dort hinkommt, egal was hinter einem liegt. Es muß einem aber gelingen, wenn man angekommen ist, nach rechts und links zu blicken, sich Zeit nehmen, vielleicht dort angekommen rasten. Das möchte ich auch tun.

Diesen Stein fand ich gestern, ehe ich diesen Weg lief. Ich nahm ihn mit.
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Ich hab am Samstag eine Bleistiftzeichnung bekommen. Dieses Bild begleitet mich gedanklich auch gerade sehr. Es stellt einen Baum dar, der mit seiner Rinde in einen Maschendrahtzaun gewachsen ist. Ich habe hier ganz in der Nähe solche Bäume schon gesehen. Ich weiß aber nicht, ob sie noch stehen. Wenn ja, möchte ich ein Bild davon machen. Es ist so treffend. Über lange Zeit muß diese Verwachsung stattgefunden haben. Keine offene Verletzung, aber viele Narben, Spuren in der Rinde hat es dennoch hinterlassen. Ich fühle mich sehr ähnlich.

Danke fürs Zulesen. Danke auch für eure Kommentare, für E-Mails. Für Kerzen. Es beeindruckt mich sehr, wieviele Menschen an uns und unseren Löwen denken. Vielen Dank dafür.

Eure Löwenmama