Ganz große Scheiße

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Eiseskälte hat es zur Zeit. Tags – 12 °C und mehr, die Nächte noch viel kälter.

So ähnlich fühle ich mich zur Zeit. Ich kann mich schon mitreissen lassen – z.B. wenn wir jeden Tag Schlitten fahren gehen hab ich Spaß – aber sonst macht sich gern Lethargie breit. Ich fühle mich teilweise wie gelähmt. So lang hat diese Lethargie noch nie angehalten. Meistens war sie nach zwei, drei Tagen wieder weg.

Ich versuche mich nicht hängen zu lassen, habe aber oft das Gefühl mich am liebsten ins Bett zu legen und mir die Decke über den Kopf zu ziehen. (das bin nicht ich!) Trash-TV zu kucken (ich verachte Trash-TV) und einfach wirklich nichts zu tun. Stundenlang stupide und völlig sinnfreie Computerspiele (das bin ich eigentlich auch nicht) zu zocken. Aber das geht natürlich nicht.

Ich schau an manchen Tagen in den Spiegel und denke mir: „Ich wußte gar nicht, das man Scheiße so hoch stapeln kann!“ und mach trotzdem irgendwie weiter.

Es gibt so lähmende Tage wo man einfach nur drauf wartet, das er so schnell aufhört wie er angefangen hat. Man ist kaum dazu in der Lage, die Zeit sinnvoll zu nutzen. Eine ganz liebe Mitleserin hat mir etwas geschickt, ein wirklich gutes Lebensmotto für solche Tage: „Things to do today: 1. to get up, 2. survive, 3. go back to bed“. Das trifft es wirklich sehr gut!

Das Wetter, ja das Wetter. Ich würde mir wünschen, auch wenn grad viel die Sonne scheint, das schnell Frühling wird. Ich hätt so gern wärmende Sonne, Blumen, Schmetterlinge, sprießendes Gras. Der Duft von Frühling oder frischem Regen an einem lauen Sommertag. Diese Kälte – brr. Das ist grad nix für mich.

Das ist alles grad wirklich blöd, blöd, blöd.

Für mich ist gestern wieder ein ganz persönliches Wunder geschehen. Johannes starb am Geburtstag von S., sie ist das Mädchen meiner ehem. Hospizbegleitung (in der ich nun übrigens einen sehr lieben Menschen gefunden und behalten 😉 habe *ich schick Dir einen ganz lieben Gruß*). S. ist schon vor einiger Zeit ins Sternenland gereist. Irgendeinen Sinn hatte es wohl, das Johannes ausgerechnet an ihrem Geburtstag starb. Es gibt so viele Tage im Jahr, warum ausgerechnet an diesem? So viel Zufall kann es gar nicht geben. Ich mag es zumindest nicht glauben.

Gestern war nun ihr Sternenreisetag und wir haben ihr ein Licht und ein Schneckenhaus gebracht. Mein Großer gab es mir und ich legte es zur Kerze und er sagte: „Mama, hier, die kleine Schnecke auch, die gehört dazu!“. Tatsächlich war in dem großen Schneckenhaus nochmal ein ganz kleines mit drin. Ich konnte es kaum glauben. Für mich war das wie „nicht alleine, zusammen, die Große und der Kleine! Das war der Wahnsinn. Ganz, ganz stark.

Mein Baby fehlt mir so sehr. Ich vermisse ihn so. Tränenmeer. Gefühlstsunami. Finde das alles so gemein. So ungerecht. Alle Lebenspläne über den Haufen geworfen. Alles anders. Alles blöd. So viel kaputt. So viele Chancen genommen. Finde mich nicht. Habe das Gefühl auf der Stelle zu treten. Manchmal wie gelähmt. Nicht die Perspektiven, die ich mir gewünscht habe. Mein verträumter Blick in die Zukunft war so ganz anders, aber das Leben kann verdammt gemein und eklig zu einem sein. Träume und Wünsche, die nicht einfach so zu verwirklichen sind. Gleich nochmal bestraft. (Stichwort Kinderwunsch, Genschrott, autosomal rezessiv) Und wenn man Mut hat, vielleicht gleich nochmal auf die Fresse. Davor Angst. Und dann heult man wieder seinen Träumen und Wünschen hinterher und fühlt sich so hilflos dem Ganzen Genschrottthema gegenüber. Warum nicht nur ein gestorbenes Kind, sondern das Folgerisiko nochmal hinterher?

Meinen Löwen kann man nicht ersetzen, aber meine Familie fühlt sich so zerrissen und nicht komplett an. Ein Loch, eine große Wunde. Einfach nicht komplett.

Das ist alles eine ganz große Scheiße!

Es grüßt euch

die Löwenmama

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10 Antworten to “Ganz große Scheiße”

  1. tigerundbaer Says:

    Liebe Löwenmama,
    es gibt keine Zufälle … zumindest kann auch ich nicht mehr daran glauben. Die zwei Schneckenhäuser sind wunderwunderschön …

    Ich frag mich auch, wo ich selbst bin. Erkenne mich manchmal gar nicht wieder. Genau wie Du. Kein Antrieb. Das (Über-)Lebensmotto für solche Tage habe ich mir gleich aufgeschrieben. Ich möchte auch Sonnenschein, und Blumen und Wärme.

    Die Angst vor dem ‚Nochmal‘ kenne ich gut. Auch ohne Genschrott. Aber ich finde, wir beide (und noch viele andere auch) haben ihre ‚Pflicht‘ erfüllt, niemand muss noch testen, ob wir das aushalten können. Und wir können es. Nicht leicht, sondern schmerzhaft. Aber wir werden es schaffen.

    Ich drück‘ Dich.
    Mareike

  2. Kerstin Says:

    Ach liebe Löwenmama,
    die Schneckenhaus-Geschichte ist toll. Ich wünsche Dir, das es ganz schnell warm wird und die ersten Blumen sprießen.

    lg. Kerstin

  3. Astarte Says:

    Liebe Löwenmama,

    wir hier sind in Gedanken immer noch häufig bei euch.

    Ich wünsch mir auch so langsam Wärme und So.nnenschein.

    Fühl dich gedrückt.

  4. palü Says:

    ich stelle mir ja vor, dass es jetzt einfach so gründlich kalt ist, damit die wärme, die mit dem frühling kommen wird, umso stärker und befreiender sein wird – auch und gerade für euch.

  5. kama Says:

    Meine liebe Löwenmama,
    du hast so recht, es ist wirklich einfach nur eine große Sch…… –
    ich denke so oft an euch, an den kleinen Löwen.
    Das Bild von Jo steht hier bei mir am Schreibtisch, ich lese deine
    Zeilen und bin einfach nur am Heulen. Ich wünsch´dir so sehr die
    Wärme und den Sonnenschein, ich wünch´dir so sehr, dass die Wärme auch deine „Seele“ wärmt.
    Ich drück´dich ganz, ganz fest
    kama

  6. K. Says:

    Heute besuch ich dich mal wieder in deinem Blog und ich will dir sagen, dass ich auch sehnlichst auf Schmetterlinge, Blumen, Sonnenstrahlen und Wärme warte. Das hat irgendwie was hoffnungsvolles.
    Das mit der Schnecke ist ein schönes Zeichen!

  7. Silke Says:

    Vielleicht ist das Zeichen, das Jo Dir schickt, auch anders zu bewerten…..und Jo ist die große Schnecke.
    Vielleicht weiß er, dass sich Dein Herz bereits entschieden hat…..
    Vielleicht will er Dir so Mut machen, für einen Weg, der schwieriger werden könnte…..der aber zu schaffen ist……
    Vielleicht…….

    Ganz liebe Grüße
    Silke

  8. impatient Says:

    liebe löwenmama,
    auch ich finde die geschichte mit dem schneckenhaus toll und sie ist bestimmt ein zeichen. aber vielleicht hat silke recht? und jo ist der große? wer weiß…
    ich wünsche dir, dass du deine gedanken sammeln kannst, dass bald die ersten sonnenstrahlen wieder in dein leben strahlen und wärme sich breit macht.
    impatient

  9. Maren Says:

    Mir ist auch nach Frühling. Man saugt echt jeden Sonnenstahl ein bei dieser Kälte, wie ein Schwamm Wasser. Bin auch so gar nicht mehr auf Winter eingestellt. Einigeln kann man sich ja aus div. Gründen nicht. *seufz* Insofern, Frühling bitte.

    Dein Schneebild gefällt mir sehr gut. :o)

    Ich hoffe, es geht Dir bald wieder ein wenig besser und bis dahin sende ich ganz viel liebe Gedanken.

  10. die grüne K. Says:

    Liebe Löwenmama, ich lese immer mit – hab aber oft keine Worte mehr. Mich macht das alles manchmal so sprachlos…du hast Recht: es ist alles eine Riesenscheiße! Ich sehe immer meinen Sohn und denke dann an deinen und frag mich, wie ich nur einen Tag ohne ihn leben könnte…
    Ich hoffe, dass bald wieder ein besserer Tag kommt und du deiner knappen To Do- Liste dann auch wieder ein Lachen hinzufügen kannst.

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