Posts Tagged ‘Taufe’

Was ein Jahr verändert… Gedanken

24. März 2012

Ich überlege gerade immer wieder, was heute vor einem Jahr war. Wir waren noch total geschockt und versuchten irgendwie zu verstehen, irgendetwas zu organisieren und so etwas wie eine Marschrichtung zu finden.

Einen Tag vor der Diagnose hatten wir die Einladungen zur Taufe verschickt, nun galt es einen neuen, einen früheren Termin zu finden. Die Taufe mußte vorgezogen werden. Von der Narkose für die Lumbalpunkt hatte sich der kleine Löwe nie mehr richtig erholt und die Luminaletten sorgten dafür, dass er ordentlich abgeschossen war und man ihm kaum zutraute, die nächste Woche zu überstehen.

Am 21.03.2011 war unser Dekan da und wir fanden einen neuen Termin für die Löwen-Taufe und änderten die Wahl der Lieder, den Taufspruch. Im Anschluß an das Gespräch erhielt der Löwe die Nottaufe. Das war wirklich sehr bewegend. Aber auch sehr wichtig für uns. Ich spürte noch diese tiefe Beruhigung. Damals glaubte ich noch.

Wir hatten ernste Sorgen, dass er die Taufe am 03.04.2011 nicht mehr erlebt. Er hatte immer wieder Atemaussetzer, baute insgesamt weiter ab. Es gab Probleme mit der Ernährung, die Schutzreflexe waren schon eingeschränkt, was immer öfter zu Problemen führte. Er hat nach der letzten Narkose nie mehr gelächelt und er bekam immer mehr Probleme mit der Mundmotorik. Bald sollte auch das Absetzen des Stuhls Probleme bereiten und der Löwe nichts mehr sehen.

Das Beste, was wir damals machen konnten war, uns beim Hospiz zu melden. Das machten  wir direkt am nächsten Werktag nach der Diagnose. Wir haben dort unheimlich viel Wertschätzung erfahren und aktive Hilfe erhalten. Am wertvollsten war jedoch die Inanspruchnahme des Dienstes der ambulanten Kinderhospizbegleitung. Eine ganz Liebe schenkte uns so wertvoll ihre Zeit, viele Stunden, Woche für Woche. Das war stark. Sehr stark. Aber das besonderste – wir mußten sie nach der Begleitung nicht wieder hergeben. Ich finde es herrlich, dass wir uns weiter sehen. Zu lieb gewonnen einfach. Allesamt.

Jetzt gerade ist diese Zeit, wo sich alles zum ersten Mal jährt. Wo sich alles so neu und ungewohnt anfühlt. Wo nichts mehr ist, wie es war. Wo man ausprobieren muß, wie es jetzt richtig sein könnte, wo das alte nicht mehr paßt. Wo man auch mal wehmütig zurückblickt und nicht verstehen, warum jetzt alles anders ist.

Ich glaube, der Löwe hätte Marienkäfer gerne gehabt… der hier begrüßt uns täglich beim Löwen. Schon von Weitem sieht man ihn leuchten.

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Herzliche Grüße

die Löwenmama

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tickst Du noch richtig oder schnappst Du schon über

5. April 2011

Thema Glaube: ich bin da grad irgendwie sehr durcheinander. Ich habe schon öfter mit Gott gehadert und gerade jetzt hadere ich am meisten. Ich hab schon öfter ans Konvertieren gedacht, es aber immer verworfen. Gestern dachte ich mir, was bringt konvertieren? Wahrscheinlich nichts. Es ist immer eine andere Art zu glauben. Selbst wenn ich konvertiere, hätte dieser Gott, dieses an das man glaubt, was auch immer es ist, es nicht verhindern können, das mein Löwenbaby diesen scheiß Morbus Krabbe hat. 😦

Die Frage ist, ob Gott es gemacht hat, es hätte verhindern können oder es gar gewollt hat und ja, ich frage warum.

Anderes Thema.

Woher weiß man, ob man psychologische Unterstützung braucht? Braucht man sie überhaupt in meiner Situation? Kann man es ohne schaffen? Woran merkt man, dass man überschnappt? Merkt man das überhaupt oder ist es zu spät, wenn man es merkt, weil man dann schon übergeschnappt ist? Ist es schlimm, wenn man überschnappt oder gehört es dann dazu?

Ich glaube, alle finden mich gerade merkwürdig. Ich finde mich auch merkwürdig. Ich erzähle über den Löwen, als ginge es um ein Spaghetti-Rezept. Ich bin grad sowas von emotionslos, das es schon wieder weh tut. Das fühlt sich sehr seltsam an. Gestern hatte unser Dekan angerufen und wollte wissen, wie es uns nach der Taufe noch ging und jetzt geht. Der Löwenpapa ist ja wieder weg und jetzt im Moment schreibt er eine wichtige Prüfung, auf die er nicht wirklich vorbereitet ist. Ein Stoßgebet spar ich mir jetzt mal, bringt ja eh nix.

Ich dankte dem Dekan nochmal für den schönen Gottesdienst, habe aber nicht gesagt, dass es mir zuviel darum ging, dass der Löwe bald wieder gehen muß. Muß ja nicht. Es war schön, wie es war und eine so besondere Situation, dass es dafür kein Patentrezept gibt. Ich habe ihm auch erklärt, dass ich die Taufe bewußt als Tauffest und nicht als vorgezogene Trauerfeier für mich sehen wollte und das ich deswegen alle Tränen runtergeschluckt habe und mit dem Löwenbaby am Nachmittag die Sonne genossen habe. Er entschuldigte sich prompt dafür, dass er mehrmals weinen mußte und bedankte sich, als ich das als rein menschlich sah und mir zeigte, dass er ein richtig großes Herz haben muß, wenn ihn unsere Geschichte so sehr zu Tränen rührt. Das fand er groß von mir.

Er fragte, ob ich jetzt alleine sei, bzw. wer mir beistehen würde, ob ich Freunde hätte, die mich nicht allein lassen. Ich erzählte, dass manche enge Freunde sich nicht mehr melden, ich es ihnen aber nicht übel nehme, weil sie wahrscheinlich mit der Situation überfordert sind und nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen, sich selbst schützen müssen oder Angst haben, sich falsch zu verhalten. Das müsse man so hinnehmen und respektieren. Das fand er auch sehr groß von mir und fand, dass ich sehr stark sei und unheimlich viel Kraft hätte. Als ich ihm dann sagte, dass das gar nicht so sei, wußte er auch nichts mehr zu sagen und ich glaube, er dachte, ich schnappe über. Und seitdem denk ich drüber nach, ob ich vielleicht wirklich überschnappe. Irgendwas stimmt vielleicht nicht mit mir, aber hier in meinem Leben stimmt ja gar nichts mehr. Wie soll dann mit mir alles stimmen?

Ich habe mehrere Nummern bekommen. Jeder meinte es gut, und dachte mir jemanden benennen zu müssen, der mir evtl. gut helfen könne aber immer mit dem Hinweis, ich solle dazu sagen, von wem ich die Nummer habe, weil sie das nur nebenbei machen würden oder nur zur Trauerbegleitung oder oder oder. Eine Nummer ist von einer systemischen Familientherapeutin. Hm. Weiß auch nicht, was ich davon halten soll, zumal die Nummer von der Dame im Hospiz ist, die hat sie nur ergoogelt, wollte mich etwas unterstützen – sie kennt sie aber nicht. Im Klinikum ruf ich garantiert nicht mehr an, da hätte ich die Nummer von ner Therapeutin, aber die hatte bis jetzt keine Zeit für mich, also werd ich sie nicht belästigen.

Ich bin mir total unschlüssig, ob ich Hilfe brauche, ob ich sie jetzt brauche. Mir gehts grad nicht schlecht, auch wenn ich so stumpf fühle. Ich bin mir nicht sicher, ob die Diagnose das große Erdbeben war, einen Tsunami an Gefühlen haben wir ja schon hinter uns. Ich weiß aber nicht, ob des Löwenbabies Tod und die Beisetzung das noch größere Erdbeben sind oder ein sehr großes Nachbeben und ich weiß, da kommt dann noch ein Tsunami, ich weiß aber nicht, wie groß der ist. Ich hab mords schiß vor dieser Welle. Gestern lag ich mit dem kleinen hübschen Löwen, mit dieser total ultrazarten Haut, den feinen Gesichtszügen, diesen tollen blauen Augen, die er von meinem Papa hat und diesen schnuckelig kaffeebraunen Haaren auf der Decke und auch wenn er sonst inzwischen meist durch einen durchschaut hatte ich den Eindruck, wir kommunizieren mit den Augen miteinander. Das war ein so intensiver Moment und ich hab ihn gestreichelt, jeden seiner Gesichtszüge nachgefahren, versucht dieses wunderschöne Gefühl einzufangen, wie sich seine Haut unter meinen Fingern anfühlt und doch zu wissen, es ist vergänglich.

Es ist, wie wenn man meinen Kopf unter Wasser taucht, bis die Lungen schmerzen, bis alles brennt, alles schreit und ich hab still geweint, bis mein Gesicht und seines ganz naß waren. Ich wollte schreien, aber ich konnte nicht. Ich will nicht, dass er geht. Aber ich war tapfer und hab ihm gut zugeredet, hab ihm wieder von seinem Schutzengel erzählt, der ihn bald abholen kommt, ihn an der Hand nimmt und ihn in den Himmel bringt, dass er sich freuen darf, weil seine Uroma dort auf ihn wartet und sein Uropa auch und sie auf ihn aufpassen werden, bis wir nachkommen. Das wir aber noch eine ganze Weile hier sein werden. Das er jetzt nur einen anderen Weg geht, als wir, wir uns ganz, ganz sicher wieder sehen werden und ich ihn in meinem Herzen tragen werde, bis wir uns wiedersehen. Das seine Uroma ihm immer „Weil ich Jesu Schäflein bin“ vorsingen wird, so wie wir es bei seiner Taufe gesungen haben, so wie sie es mir und meiner Mama schon immer vorgesungen hat. Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn so schrecklich lieb habe, er so gewünscht war, wir uns so über ihn freuen, wir ihn aber gehen lassen, weil wir nicht wollen, dass er sich so arg quälen muß und er einfach gehen darf, wenn sein Moment gekommen ist, wenn sein Schutzengel ihm die Hand hinhält.

In solchen Momenten spüre ich dieses Erdbeben, spüre ich diesen Tsunami und ich hab Angst, dass er mich einfach mit wegspült.

Wie hält man das aus, wenn der Muck nicht mehr da ist? Wenn ich so beschissen abgeklärt wie gerade eben bin denk ich mir, wir begraben ihn einfach, ich nehm die Flöte und hab Zeit zu spielen, ich geh raus und schneid endlich die Rosen fertig, ich putz das ganze Haus mal wieder ordentlich sauber. Aber ich befürchte, das wird ganz anders. Davor hab ich Angst, Angst, Angst.

Einerseits kann ich diesen täglichen Horror kaum mehr aushalten, andererseits heißt das den kleinen Löwen nicht mehr zu haben. Aber es ist ja nicht so, dass es ihm gut gehen würde, das er hier rumkrabbeln, brabbeln würde. Er liegt wie ein Schluck Wasser in meinem Arm und es geht ihm nicht gut. An was klammere ich?

Ach ist das alles scheiße. Scheiße. SCHEIßE. Darf man ja mal sagen, oder?

Ich möchte mich von einem Psychiater oder wie die alle heißen beraten lassen, mich jetzt darum kümmern, wo ich die Zeit, Gelegenheit und Ressource dazu habe. Es wäre idiotisch zu warten, bis ich wirklich wen brauche und dann noch keinen Kontakt hab. Ich hab heute auch schon bei einer versucht anzurufen, die einen so imposanten Namen hatte, dass ich mir schon versucht hab vorzustellen, was das wohl für eine Frau ist hinter dem Namen. Am Anrufbeantworter war aber ein Name von einem ganz anderen Psychiater, auch ganz anderer Name. Vielleicht macht sie es nicht mehr. Jetzt muß ich morgen nochmal schauen, vielleicht auch beim Bunten Kreis anrufen, ob die wen speziell für so einen Fall wissen.

Unser Kinderarzt hatte ja schon angekündigt, dass es passieren kann, bzw. nicht unwahrscheinlich ist, dass der Löwe sich so arg verschluckt, das er mangels Kraft nicht mehr abhusten kann. Erst kürzlich hat er sich furchtbar verschluckt, vorhin aber beim Essen so arg, dass er fast erstickt wäre. Ich bin so erschrocken, hab die Kinder ins Wohnzimmer geschickt. Mir sitzt der Schreck immer noch in den Gliedern. 😦 Seitdem schläft er, er war völlig am Ende danach.

Ich habe mir immer wieder vorgestellt, wie es sein könnte, wenn… ich weiß nicht, ob ich das aushalten kann.

Die Taufe bei Kaiserwetter nur für den Löwen

3. April 2011

So, jetzt möchte ich mich noch rasch melden.

Das Wetter war toll und die Taufe schön, aber auch etwas hart. Ich hatte bewußt meine Jeans, die lila Chucks und bunte Sachen an. Ich wollte keine vorgezogene Trauerfeier, sondern ein Tauffest feiern und mir für mich ist das gelungen. Ich hatte mir auch vorgenommen, nicht zu weinen und wenn die Tränen kamen, hab ich sie runtergeschluckt.

Ich war allerdings die einzige, die keine Taschentücher gebraucht hat. Unser Dekan hat schon beim Begrüßen und Einzug geweint, als er kurz davor noch ein Gebet sprach und auch während des Gottesdienstes kamen ihm immer wieder die Tränen. Nicht einfach.

Der Gottesdienst war sehr schön, aber wenn ich ehrlich bin, hat er mir zu oft darüber geredet, dass der Löwe nur kurz bei uns ist. Ich hätte mir gewünscht, dass er mehr darauf eingeht, dass er jetzt da ist. Für den Rest ist wann anders Zeit. Der Mann war sehr ergriffen, da gibt es kein richtig oder falsch, deswegen war es gut, so wie es war. Aber wie gesagt, die Taufe war sehr schön. Das Löwenbaby hat alles verpennt.

Ich glaub mit meiner Tuch-Händeabdruck-Idee hab ich heute einige meiner Verwandtschaft kurzfristig überfordert, das tut mir leid, aber alle haben mitgemacht. Nur mein Mädchen fehlt mir noch, die wollte nicht. Die bestech ich mir noch, dann kann ich das Tuch fertig zurecht schneiden und säumen.

Ich hab euch ein Bild von der Kerze auf dem Tuch gemacht:

Ich bin merkwürdig froh, dass er getauft ist, aber ich gestehe, ich hadere gerade sehr mit meinem Glauben. Ich kann einfach nicht blind unser Schicksal annehmen. Ich frag mich oft, was ich schlimmes verbrochen habe, dass wenn es Gott gibt, er uns damit straft, bzw. auch das Löwenbaby damit straft, aber ich finde keine Antwort. Ich weiß nicht, ob es ihn gibt. Ich fühle zur Zeit auch nicht, dass er mich besonders mit Kraft ausstatten würde, diese Hölle auszuhalten. Ich weiß nicht, der kleine Muck hatte gestern Nachmittag immer wieder lange Atempausen und einmal dachte ich schon, er atmet nicht mehr. Das halten die besten Nerven der Welt nicht auf Dauer durch. Warum also?  😦

Der Löwe kriegt übrigens keinen Mumi-Brei mehr runter. Scheinbar ist ihm die Konsistenz zu schleimig. Er mag auch lieber herzhaft, hab ich den Eindruck. Er bekommt jetzt morgens, mittags, abends Lasagne, Spaghetti, Schinkennudeln … aus dem Glas, aufgepeppt mit Streichkäse und vormittags und nachmittags Obstmus mit und ohne Joghurt oder Quark. Wers mag… für mich wär das nix.

der Kreis schließt sich – ein Leinentuch

28. März 2011

Heute morgen blieb uns schon fast das Herz stehen. Der kleine Löwe  verschluckte sich arg und hatte eine sehr lange Atempause. Unser Kinderarzt hat uns aber darauf vorbereitet, dass das passieren kann und er u.U. nicht genug Kraft hat, abzuhusten. Wir haben schon gemerkt, dass er sich extrem leicht verschluckt und nicht kräftig abhustet. Wir haben auch den Eindruck, dass er leiser weint. Gestern hatte ich das Gefühl, er kann nicht mehr sehen. Er hat durch mich durch geschaut. Als ich schnelle Bewegungen vor seinen Augen machte, zwinkerte er nicht. Dem Klapperring schaute er nicht mehr nach. Mein Baby sieht mich nicht mehr, glaube ich. Das tut so weh. 😦

Für die Handabdrücke für die Taufe brauch ich gar kein Leinen kaufen, mir ist was viel besseres eingefallen. Als das Löwenbaby geboren wurde, hatte ich einen alten Bettbezug als Unterlage, weißer Damast mit dezentem Rosenmotiv, also so im Stoff mit eingewebt. Ich werde das aus dem Dachboden holen, in die richtige Größe schneiden und umsäumen. Darauf wurde er geboren und darauf will ich ihn mit unseren Handabdrücken betten.

das große Loch frißt einen auf

27. März 2011

Die letzten Tage sind sehr durchwachsen. Die erste Schockphase nach der Diagnose ist gewichen, aber nun müssen wir uns mit vielen anderen Dingen befassen, die neue Schockstarre nach sich zieht. Uns beschäftigt viel das Thema „Tag X“ und das, was danach kommt. Zwischendrin planen wir noch die Taufe, die heute in einer Woche stattfindet. Wie pervers ist das eigentlich?

Wir durchleben gerade so ein auf und ab. Einmal fühlt man sich so verdammt abgeklärt und kann gar nicht weinen, ist kaum dazu in der Lage, Gefühle zu empfinden und fühlt sich so neben sich. Im anderen Moment kommt das große Loch und frißt einen auf.

Ich habe gerade sehr große Angst vor dem Moment, wo ich ohne ihn bin. Ich weiß gar nicht, was ich dann mit meinen Armen machen soll. Mir graut davor, ich kann den Gedanken kaum ertragen. 😦

Am Freitag waren wir ja beim Kinderarzt, einfach ein wenig zu besprechen, wie es weitergeht, wie wir was angehen. Wir kamen auch aufs Thema Urlaub zu sprechen. Wir wollen nicht unbedingt nach Dänemark, weil wir so nen geilen Urlaub gebucht haben, sondern wir wollen den kleinen Löwen mal in den Sand und das Meerwasser stellen. Unser Arzt fragte, wann wir denn vorhaben zu fahren und Anfang August schien ihm etwas weit weg, ob wir die Reise nicht vorziehen können. Letztlich bestätigte er, was wir sehen. Der Löwe wird immer ruhiger, schläft immer mehr und wir haben den Eindruck, er baut zusehends immer mehr ab und ist schon weit weg. Er meinte, vielleicht fahren wir aber auch im August zum Auftanken in den Urlaub, es sei auch wichtig daran zu stricken, wie unser Leben danach weiter geht, wir sollten nicht nur bis zum Tag X denken, sondern auch darüber hinaus. Ja, er hat recht, das gibt Halt.

Ich möchte nächste Woche ein feines, dünnes Leinentuch kaufen. Ich hab schon Fingerfarben gekauft und möchte, dass jeder der mag, an der Taufe seine Handabdrücke drauf macht. In die Mitte möchte ich „Wir tragen Dich…“ schreiben. Darauf möchte ich ihn betten, wenn wir ihn zurückgeben müssen. So wird er von seiner ganzen Familie getragen und ist nicht allein.

Wir wollen nächste Woche auch zu einem Bestatter. Wir wollen uns Menschen aussuchen, die uns liegen und die gut mit uns umgehen. Wir wollen uns in diesen Stunden nicht mit Menschen auseinandersetzen müssen, die unsere Gefühle mit Füßen treten. Wir wollen uns in diesen Momenten verstanden fühlen. Wir wollen für uns abklären, wie alles ablaufen wird, um Sicherheit zu gewinnen. Ich brauche diese Sicherheit, ich brauche das fertige Paket in der Schublade, um wieder ruhiger schlafen zu können. Mich belastet das alles sehr und ich muß mich zwanghaft darum kümmern, mich damit beschäftigen um sowas wie inneren Frieden zu erlangen. Wir wollen das Löwenbaby dann erstmal noch bei uns zu Hause haben, Hand- und Fußabdrücke zur Erinnerung machen. Er hat seine Hände ja immer so fest zu und ist so verspannt, dass das kaum möglich ist. 😦

Wir wollen unserer Familie auch die Möglichkeit geben, sich hier zu Hause in Ruhe von ihm zu verabschieden. Wir wollen dann auch den Sarg mit unseren Handabdrücken verzieren. Dann ist er schön bunt und wir tragen ihn mit so vielen liebenden Händen.

Ich liebe dieses kleine Menschenkind so sehr. Mein kleines Löwenbaby. Ich habe Angst, dass es mein Herz bricht, wenn er mich verlässt. Ich sammle seine Wimpern und Haare, die er verliert. Aber seinen Duft kann ich nicht einfangen. Ich habe Angst zu vergessen, wie sich seine feine Haut anfühlt, wie seine wunderschönen blauen Augen mir zuklimpern. Er hat so eine wunderschöne Haarfarbe, die Kombination dieser blauen Augen mit den wunderschön kaffeebraunen Haaren fand ich schon immer toll.

Ein einziges fehlendes Enzym macht alles kaputt. Ich glaub das einfach nicht und denke oft, das ist nur ein total bescheuerter Traum, vor allem wenn er gerade so süß in meinem Arm liegt und schläft.

Morbus Krabbe ist ein Schwein.

Kondolenz, Taufe und Hospiz

22. März 2011

Wir versuchen gerade es zu integrieren. Wir versuchen uns gerade etwas frei zu strampeln. Es muß hier irgendwie weitergehen. Die Zeit tickt jeden Tag gleich schnell, auch wenn sie an manchen Tagen gefühlt zu langsam verstreicht. Und wir sind im Trauerprozess jeden Tag ein Stück weiter, versuchen uns zu organisieren, uns zu strukturieren.

Alle nehmen auf ihre Art Anteil, aber die lieb gemeinten Wünsche, die restliche Zeit mit dem Löwenbaby noch zu genießen und alles mitzunehmen, die Zeit auszukosten, sind schwer auszuhalten. Das sagen alle, keine Angst, aber es ist sehr schwer auszuhalten dabei zuzusehen, wie er abbaut und das ist die Konsequenz der Krankheit. Er lacht nicht mehr, er hat seine Momente, wo er wach ist, aber er reagiert oft auch nicht mehr so, wie er es sonst gemacht hat.

Seit der Kurznarkose ist er nicht mehr der alte und ich weiß nicht, was die Tabletten ausmachen. Ich weiß nicht, ob er noch gut sehen kann, ob er mich hört, wenn ich ihm vorsinge. Ich kann das gerade nicht genießen. Er hat seine ganz wachen und aufmerksamen Momente, aber im nächsten Moment starrt er ins Leere und ich spüre, er ist schon auf seinem Weg. Wir haben immer wieder die Situation, wo er tief schläft und flach atmet und ich nicht weiß, ob heute der Tag ist, wo er aufhört zu atmen. Daran gibt es nichts zu genießen. Zumindest können wir das so nicht empfinden.

Gestern war unser Dekan da. Es war uns ein dringendes Bedürfnis, die Taufe vorzuverlegen. Sie findet nun am 03.04. statt. Wir hatten Angst, dass der kleine Löwe schon vorher einschlafen könnte, wir können das überhaupt nicht einschätzen. Deswegen hat er ihn gestern gesegnet. Das war sehr wertvoll für uns und hat uns enorm erleichtert.

Morgen kommt eine Frau vom Kinder-Hospiz. Die haben dort einen ambulanten Hospiz-Dienst, der einmal die Woche in die Familie kommt und auf ganz unterschiedliche Weise unterstützt. Nur reden, kleine Botengänge erledigen, die Kinder beaufsichtigen, beraten, bei Anträgen helfen, usw., mal ne Stunde, aber auch vier oder fünf, wenn es erforderlich ist. Wir sind dran an der Organisation eines Pflegedienstes zu meiner Entlastung. Wir haben offensichtlich Anspruch darauf.

Wir laufen ziemlich neben der Spur, ist so ein auf und ab, alles andere wäre aber vermutlich völlig unnormal.

Das Löwenjunge hat tatsächlich was gefunden, was er mittags gern essen mag. Spaghetti aus dem Glas. Klar, ich mit meinem Bio-Scheiß kann da abhauen.

Teilsieg und mal wieder ein – Termin

3. März 2011

Die Blutwerte sind alle da. Leberwerte leicht erhöht, aber (noch) kein Problem, bzw. nichts, woraus man was ableiten kann.Alles, was getestet wurde, ist ohne Befund. Das ist die gute Nachricht. leider müssen wir aber nächsten Dienstag unter Narkose eine Lumbalpunktion machen lassen, Nervenwasser entnehmen. Und nochmal Blut, um weitere Erkrankungen abzuchecken – wieder Bandbreite von harmlos bis schlimm. Ich laß jetzt einfach mal nen 😀 wegen dem Teilsieg und:-( wegen der Untersuchung da.

Mir geht die Düse wegen der Lumbalpunktion. Und dann wieder Blut nehmen, wieder warten was bei rauskommt…

Ich glaube das schlimmste ist, dass ich nicht dabei sein kann. Mir graut vor dem Moment, wo sie mein Baby mitnehmen und ich warten muß, bis ich wieder zu ihm kann. 😦

Wir hatten heute Taufgespräch und es wird wohl der 07. Mai werden – unüblicherweise ein Samstag, aber das ist wurscht. Sonst wird es zu spät… unser Dekan hat viele, viele Termine. Uff. wir hatten ursprünglich schon einen Taufspruch ausgesucht, aber das war bevor alles durcheinander war hier, bevor der Albtraum begann. Uns schien das alles nicht mehr passend und wir haben heute alles spontan ganz anders gemacht. Wir haben einen schönen Taufspruch, den gleichen wie ich damals hatte – Psalm 23.

Und dann hat er ein altes Kinderlied vorgeschlagen, das an den Psalm angelehnt ist. Als er den Titel sagte und den Text vorlas war mir klar, dass das das Lied ist, das meine Uroma früher so geliebt und immer gesummt oder gesungen hat. Meine Mutter konnte es sogar noch. 😀 Jetzt warten wir nur noch auf die Bestätigung des Termins, dann können wir die Kerze bestellen und uns nach einer Gaststätte umschauen um zu reservieren, Karten drucken lassen. Ich freue mich, wenn wir die Taufe endlich haben. Ich wollte schon lang taufen, aber irgendwie war das zeitmäßig noch nicht drin.

Der tollste Löwe aller Löwen hat heute richtig viel gestillt. Ich hab heut nur Obstmus gegeben am Nachmittag. Er verweigert glaub grad ein bißchen Brei. Solange er aber viel stillt, ist alles im grünen Bereich. Zugenommen hat er aber trotzdem noch nicht – hab ihn heute mal wieder gewogen. Ich hoffe, wir kriegen das mit dem Gewicht bald auf die Reihe und er wächst wieder.