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Schrei

21. Juni 2011

Ein Klick auf den Blog und ich sehe Dein Bild.

Deine Augen sind so schön. Oh Gott, das tut weh. Schaust mich an und doch nicht, denn Du siehst mich nicht mehr.

Ich liebe Deine kleine Schnubbel, Du hast so schöne Lippen. Ich küße sie immer wieder und versuche mir zu merken, wie schön es sich anfühlt.

Ich sage „Ich liebe Dich, kleiner Löwe“, aber Du kannst mich nicht mehr hören.

Ich lege meinen Kopf ganz vorsichtig auf Deinen Brustkorb, mache ihn nicht zu schwer und höre Dein Herz schlagen.

Der Gedanke beherrscht mich gerade so sehr, dass es irgendwann nicht mehr schlägt. Ich schau Dich an und sofort ist es in meinem Kopf.

Was passiert da? Bis auf dieses dumme, dumme Enzym kamst Du gesund aber chancenlos auf die Welt.

Die Nächte sind grad blöd, die Tage verpennst Du. Minifitzelchen Schleim machen Dir das Leben schwer. Man wünscht sich, mal eben kurz räuspern zu  können für Dich, aber mehr als klopfen, saugen, klopfen geht nicht.

Hilflos steht man daneben, ich möchte schreien, aber der Schrei ist stumm. Das Gefühl, es zerreisst einen innerlich ist übermächtig.

Wenn man Liebe stapeln könnte, würd ich ne Himmelsleiter bauen.

Mein kleiner Löwe, ich liebe Dich!

Deine über alle Maßen stolze Löwenmama

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Ich und der dunkle, fensterlose Raum

7. Mai 2011

Ich hab für mich beschlossen, dass ich morgen keinen Muttertag feiere. Ich mag den Muttertag sonst eigentlich ganz gerne – nicht wegen Geschenke, Blumen oder sonstigem Gedöns, aber irgendwie ist es ein netter Tag. Ich hab mich als Kind immer drauf gefreut, wenn Muttertag ist und hab meiner Mama den Tisch besonders schön gedeckt. Hab das sonst auch gern gemacht, aber an diesem Tag war es auch für mich etwas besonderes. 🙂

Am Muttertag selbst als Mutter war es mir an diesem Tag besonders bewußt. Ach ich weiß gar nicht genau, wie ich sagen soll. Liest sich alles bescheuert. Dieses Jahr kommt alles zusammen. Mein Großer ist bei meinem Ex. Er weiß, das Muttertag ist, aber für ihn hat er offenbar nicht diese Bedeutung. Das ist so, nicht zu werten und gut. Ich hab da etwas romantischere Vorstellungen davon, aber sowas kann man sich wünschen und wenn es nicht ist, ist es halt nicht. Mein Mädchen ist dafür noch zu klein und der Löwe sowieso und ich empfinde es als Hohn, dass ich ihn vielleicht nur diesen einen Muttertag lang in meinem Arm halten darf.

Mein Mädchen dreht grad schon wieder – warum auch immer – durch. Schmeißt alles rum, rüttelt an allem, ich weiß gar nicht, was ich machen soll, wenn sie so ist. Da fühl ich mich als absolute scheiß-Mutter.
Das Löwenbaby schaut in meine Richtung, aber durch mich durch. Ich haße mein Leben, so wie es gerade ist.

Mein Baby ist blind, es kann mich gar nicht mehr sehen. Mein Baby ist taub, es kann mich nicht mehr singen hören. Er hört das nicht mehr, was ich ihm alles von der Welt erzählen will. Irgendwann ist er nicht mehr da und ich kann ihn nicht mehr fühlen. Wenn meine beiden Großen nicht wären, würde ich, denke ich, mitgehen. Dann würden wir gemeinsam gehen, er in meinem Arm. Dann müßte ich ihn nicht allein lassen. Ganz sicher bin ich mir nicht, aber es ist auch egal, weil die Frage stellt sich ja nicht.

Ich hab seit einiger Zeit ein sehr genaues Bild von meinem Leben, wie ich es gerade empfinde, im Kopf. Es ist ein fensterloses Zimmer. Dieses Zimmer hat eine Tür. Diese Tür ist zu und ich sitz da drin. Erst wenn diese Tür aufgeht, kann ich raus aus diesem fensterlosen Zimmer. Diese Tür geht aber erst auf, wenn mein kleiner Löwe geht. Ich will da nicht drin bleiben, will aber auch nicht, dass sich die Tür öffnet. Ich weiß, dass ich da nicht für immer drin bleiben kann. Wenn ich rauskomme, ist aber nichts mehr wie vorher. Ich habe Angst davor, was außerhalb dieses Zimmers ist. Die Tür, durch die ich in dieses Zimmer kam, ist zugemauert. Es gibt kein zurück. Alles, was da draußen war, ist weg, anders, verwandelt. Ab und zu fühlt man sich in diesem Zimmer wohl. Man sitzt in der Ecke und läßt einfach den Moment verstreichen. Er ist perfekt, wie er ist. Das sind die Stunden mit dem Löwen in der Sonne unter dem Apfelbaum. In anderen Momenten aber geht man auf und ab und ist unruhig, wie ein Löwe im Käfig. Das ist das Unerträgliche. Dann wieder klopft man sachte an der Tür. Das sind die Momente, wo man ihm wünscht, dass der Schutzengel bald kommt und ihn holt, weil es ihm nicht gut geht. Dann widerum wünsche ich mir ein Loch, in das ich fallen kann. Das sind tränenreiche Tage. Aber diese Tränen müssen geweint werden.

Ich spüre zur Zeit so eine Furchtlosigkeit. Ich glaube, hätte ich jetzt Dienst und ich würde einem Schwerverbrecher gegenüberstehen der sich der Festnahme entziehen will, würde ich zu ihm sagen, dass ich nicht einen Funken Angst vor ihm habe. Das er mir mit keinen Schlägen, nicht mit Tod, nicht mit irgendwas auch nur annähernd weh tun kann. Ich hätte aber Angst, dass ich mich nicht im Griff habe und völlig ausraste. Also, arbeiten wäre jetzt gerade keine gute Idee. Steht auch nicht zur Debatte.

…grenzwertig…

28. April 2011

Heut ist ein blöder Tag. Die Nacht war schon richtig blöd, ich bin extrem unausgeglichen, unruhig, weiß gar nicht, wohin mit mir. Wir sind draußen, mein Mädchen ist total anstrengend, will alle zwei Minuten was anderes. Rauf aufs Trampolin, wieder runter, gießen, Wasser spritzen, wieder Trampolin. Schuhe an, Schuhe aus und jedes mal den kleinenLöwen hinlegen, den kleinen Löwen aufnehmen, usw. Zwischendrin versucht der Muck wieder Schleim aus der Lunge hochzuhusten, das hört sich furchtbar an, wieder hin, hochnehmen, Schleim absaugen, währenddessen trotzt mein Mädchen wieder.

Ich bin total genervt und will gar nicht genervt sein. Ich hab die Nudel doch so lieb, aber heut ists langsam grenzwertig.

Wenn er gesund wäre, würde er sich sicher kaputt lachen, wie seine Schwester im Trampolin rumkugelt und er könnte sich auch schon mindestens drehen, robben oder krabbeln, sitzen. Mein Mädchen hätte wen zum Spielen, so wie ich es mir für sie gewünscht hatte.

Und was ist? Alles scheiße. Ich hasse mein scheiß Leben. Ich will das alles nicht! Ich will mein altes Leben wieder.

Aber das ist weg.

Ich befürchte, ich bin heut nicht sehr konstruktiv.

Ich hab sonst den Frühling so sehr geliebt. Ich weiß nicht, wie ich ihn künftig erleben werde. Sonst hab ich mich immer so über die Apfelblüten gefreut. Heut hab ich meinem Löwenbaby erzählt, wie schön sie aussehen, er kann sie ja nicht mehr sehen. Ich hab ihm versprochen, ihm jedes Frühjahr welche zu bringen, wenn er nicht mehr bei mir ist.

Er ist so hübsch. So ein wunderschönes Baby. Seine Haare werden richtig schokobraun, wie meine. Er ist mir so wertvoll. Wie kann man mit einem so gebrochenen Herz weiter leben, frag ich mich immer. Die anderen schaffens irgendwie, dann ich wohl auch. Kann ja meine Lieben nicht im Stich lassen.

der Kreis schließt sich – ein Leinentuch

28. März 2011

Heute morgen blieb uns schon fast das Herz stehen. Der kleine Löwe  verschluckte sich arg und hatte eine sehr lange Atempause. Unser Kinderarzt hat uns aber darauf vorbereitet, dass das passieren kann und er u.U. nicht genug Kraft hat, abzuhusten. Wir haben schon gemerkt, dass er sich extrem leicht verschluckt und nicht kräftig abhustet. Wir haben auch den Eindruck, dass er leiser weint. Gestern hatte ich das Gefühl, er kann nicht mehr sehen. Er hat durch mich durch geschaut. Als ich schnelle Bewegungen vor seinen Augen machte, zwinkerte er nicht. Dem Klapperring schaute er nicht mehr nach. Mein Baby sieht mich nicht mehr, glaube ich. Das tut so weh. 😦

Für die Handabdrücke für die Taufe brauch ich gar kein Leinen kaufen, mir ist was viel besseres eingefallen. Als das Löwenbaby geboren wurde, hatte ich einen alten Bettbezug als Unterlage, weißer Damast mit dezentem Rosenmotiv, also so im Stoff mit eingewebt. Ich werde das aus dem Dachboden holen, in die richtige Größe schneiden und umsäumen. Darauf wurde er geboren und darauf will ich ihn mit unseren Handabdrücken betten.