Posts Tagged ‘Trauer’

Fünf Sternschnuppen alt

14. August 2015

Wenn man zur Zeit nachts aufmerksam den Blick zum Himmel richtet, hat man gute Chancen, ein paar Sternschnuppen zu entdecken. Ich finde das jedes Mal wunderschön, verbindet mich mit dem Himmel doch etwas besonderes. Johannes ist heute dann wohl fünf Sternschnuppen alt. 

Ich gebe zu, ich muss auch oft Tränen abwischen, wenn ich einen wunderschönen Sternenhimmel betrachte, kommt mir doch gern „Der kleine Prinz“ in den Sinn. Wer ihn nicht gelesen hat, hat etwas versäumt und sollte es dringend nachholen. 

Die Stelle, wo der Fuchs dem kleinen Prinz erklärt, dass er ihn erst zähmen muss, ehe er mit ihm befreundet sein kann, ist besonders für mich, sind es doch auch die besonderen Begegnungen, wo wir Menschen zähmen (dürfen) oder von ihnen gezähmt werden und etwas besonders daraus entsteht.

Auch Johannes hat uns gezähmt und weil unsere Verbindung so besonders war, tut es auch besonders weh. Dieses sehr schöne Zitat stammt aus diesem Kapitel, als sie sich voneinander verabschieden müssen:

„Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache. Du allein, wirst Sterne haben, die lachen können.“ von Antoine Saint-Exupery

Wenn ich nachts in den Himmel schaue, lachen für mich zwei Sterne. Einer für Jo, der große und der kleinere daneben, für mein Elis-chen. Aber niemand hat mich jemals gefragt, ob ich lachende Sterne haben möchte, wo zwei meiner Kinder drauf wohnen. 

Traurige Grüße von eurer Löwenmama

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Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weiter gehen

1. Juni 2014

Manchmal geht es ganz gut. Sogar lange Phasen ganz gut. Und dann kommen wieder diese Situationen, wo man so durch‘ s Leben durchstolpert und sich bei jedem Mal Tränen runterschlucken oder heimlich weinen denkt: „Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weiter gehen.“

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*****

Johannes und Elisa haben nun endlich ihren wunderschönen Grabstein Gedenkstein auf’s Grab bekommen. Ich werde die nächsten Tage irgendwann Bilder davon zeigen und ein bißchen was dazu erzählen. Wie es zu diesem Stein kam, was wir alles selbst mit gestaltet haben und was uns was bedeutet.

Es grüßt euch herzlich

die Löwenmama

Worldwide Candlelighting – Ein Licht geht um die Welt 2013

8. Dezember 2013

Wie jeden zweiten Sonntag im Dezember beteiligen wir uns auch dieses Jahr am Worldwide Candlelighting – Ein Licht geht um die Welt.

Eltern, Großeltern, Onkels und Tanten, Freunde, Bekannte, … stellen heute Abend – egal wo auf der Welt – für alle zu früh gestorbenen Kinder eine Kerze ins Fenster. Einmal rund um den Erdball wechselt sich das Licht ab und brennt ununterbrochen für unsere Sternenkinder.

Wir sind sehr traurig. Wir hatten noch einmal allen Mut zusammen genommen und waren guter Hoffnung. Wir hatten alles auf eine Karte gesetzt. Leider hatte das Kleine auch Mb Krabbe und wir haben uns schweren Herzens dazu entschieden, die Schwangerschaft nicht fortzusetzen.

Unsere kleine Tochter Elisa wurde am 18.11.2013 in der 16. Schwangerschaftswoche still geboren.

Die Sehnsucht nach so einem kleinen Wunder war so groß. Unsere Hoffnung auch. Wir hatten schon angefangen zu träumen. Seit der Diagnose und der stillen Geburt fühle ich mich bodenlos. Irgendwo zwischen meinen Kindern hier unten und da oben. Auf der Suche nach neuen Wegen. Mal wieder an einer Lebenskreuzung.

Hier brennen heute zwei Kerzen. Eine für unseren Löwen Johannes und eine für unsere kleine Elisa.

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Viel mehr Worte habe ich zur Zeit nicht.

Eure Löwenmama

Johannes 3. Geburtstag

14. August 2013

Johannes wäre heute drei Jahre alt geworden. Vermutlich wäre er ein stolzes fast-Kindergartenkind. Vielleicht wäre er auch schon in die Kleinkindgruppe gegangen. Wenn man eine große Schwester hat, die jeden Tag in den Kindergarten gebracht wird, drängelt man vielleicht so lange, bis man auch endlich „darf“. Aber all das ist nur Grüblerei. Johannes ist nicht mehr da.

Der Tag heute war für mich sehr schwer und ich bin froh, dass er vorbei ist. Ich saß gestern abend noch lange bei Johannes am Grab und habe geweint. Eine fremde Frau setzte sich zu mir und tröstete mich. Das hat mich sehr berührt, denn das ist mir noch nie passiert. Es ging mir einfach so viel durch den Kopf. Drei Jahre zuvor war Johannes noch in meinem Bauch und ich so voller Vorfreude. Dem vollendeten Glück eine Geburt weit entfernt. Ohne zu wissen, was für eine Lawine da schon lange im Rollen ist.

Mein Leben hat sich sehr verändert. Es ist völlig anders, als es mal war. Nicht alles daran ist schlecht. Sicher nicht. Nein, es gibt sogar Dinge, die sind richtig, richtig gut. Ich lerne da ganz neue Seiten an mir kennen. Aber vielleicht wäre ich lieber in meinem alten Leben ohne erweiterten Horizont, mit allen drei Kindern – gesund – geblieben. Aber die Wahl hatte ich nicht.

Wir haben heute sicher das beste aus dem Tag gemacht. Letztes Jahr haben wir uns nicht zugetraut, ihn alleine gut zu überstehen und mit Verstärkung der Verwandtschaft und engen Freunden die Wanderung gemacht. Dieses Jahr wollten wir alleine sein. Sehen, ob wir das auch alleine hinbekommen. Heute morgen saß ich da, weinte, und hielt mich an meiner Tasse Kaffee und natürlich dem Löwenpapa fest. Ich konnte mir nicht gut vorstellen, den Tag halbwegs gut hinter mich zu bringen. Jetzt ist er vorbei und ich bin froh.

Wir haben heute einen Ausflug in eine Tropsteinhöhle gemacht. Die Frau, die die Führung durch die Höhle gemacht hat, zeigte uns einen Tropfstein, der aussieht wie eine mehrstöckige Geburtstagstorte. Die habe ich für Jo fotografiert.

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Ich habe gestern aber auch einen „richtigen“ Kuchen für ihn gebacken, den wir heute Nachmittag gegessen haben.

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Johannes hatte an sienem Grab aber auch Besuch und von seinen Geschenken habe ich ein paar Bilder gemacht.

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Das hier hat er von uns bekommen. Johannes hatte ein WinniePooh-Stehaufmännchen, das klinklonk macht. Das hat er sehr gerne angeschaut. Das mochte er richtig gerne. Auf seinem Grab hat er den Esel davon als Sternenfänger mit einem Netz. Sein Geschenk haben wir in Dänemark im Urlaub gefunden und es paßt perfekt dazu.

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Kleiner Stinker, ich weiß nicht, wie man im Himmel Geburtstag feiert. Aber ich hoffe, Du hattest ein sehr schönes fest. Ich war heute sehr traurig und mir fiel es nicht leicht, den Tag gut zu überstehen. Ich hoffe, Du siehst es mir nach. Mama liebt Dich!

Es grüßt euch

die Löwenmama

Lebenszeichen – und „Neid ist nicht gleich Mißgunst“

25. Juni 2013

Hi an euch alle da draußen,

ich habe hier sehr lange nichts mehr geschrieben. Sicher nicht, weil ich nichts zu sagen gehabt hätte, aber die Themen, mit denen ich mich in den letzten Monaten rumgeschlagen habe, in meinem Kopf und meinem Herz, waren nicht für die Öffentlichkeit eines Blogs bestimmt. Ich mußte mir über manche Sachen erstmal selbst klar werden, das war für mich ein schwieriger Prozess.

Und ich war etwas gehandicapt, da mein Netbook seit dem Umzug noch nicht internettauglich war und mit den anderen Medien im Haus ist posten langwierig und nervig und nicht mal eben zu bewerkstelligen. Aber hier bin ich mal wieder und möchte ein paar Gedanken hier lassen.

Seit dem Einzug haben wir uns gut eingelebt und so langsam kennen wir hier auch die Leute rundrum und vom Kindergarten. Meine guten und schlechten Zeiten wechseln sich noch immer ab, aber ich habe jetzt bessere Zeiten, die auch gern mal länger werden. Aber die schlechten Zeiten – auch wenn sie nie allzu lang dauern – sind wirklich schlecht. Ich kann aber besser steuern, wann ich das „rauslassen“ kann. Und wenn ich dann für mich meine Ruhe habe, fließt es auch. Teils sehr heftig, aber ich fühle mich besser danach. Ich fahre dann oft zu Jo oder schaue mir zu Hause seine Bilder und Videos an, wühle in seinen Sachen, rieche daran und bin trauriger denn je, dass sie seinen Duft verloren haben. Sie riechen jetzt einfach nach uns und nicht mehr nach ihm. Mir ging damit etwas verloren. Aber es war klar, dass es irgendwann so sein wird.

Ich habe gestern eine Wortsammlung gemacht, rund um das Sterben meines Kindes. Ich fand es einfach mal wieder wertvoll, sich alle Emotionen dazu anzusehen und sie auch ohne schlechtes Gewissen zuzulassen. Auch die, die von außen sicher unverständlich sein könnten. Wie kann ich „froh“ sein? Doch, ich war es. Es war gut, das es vorbei sein durfte.

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Interessant fand ich, dass alles immer noch so zutrifft von meinem Empfinden her. Vielleicht waren kurz nach seinem Tod manche Worte ganz dick und heute sind sie es nicht mehr und andere sind dafür dick, die ich damals etwas in den Hintergrund gestellt hätte. Aber grundsätzlich hat sich daran nichts geändert. Ich bin unserem Kinderarzt heute noch dafür sehr dankbar, dass er mir bereits im Vorfeld gestattet hat, auch erleichtert und froh sein zu dürfen. Ich hätte sonst größte Probleme damit gehabt, mir auch diese Gefühle, die so gar nicht in das Ganze passen wollen, zugestehen zu können. Ich glaube nur deswegen konnte ich es mir erlauben, einfach so auch diese Gefühle zu leben.

Ich fahre inzwischen nicht mehr täglich zu Johannes. Ich fahre, wenn ich mag und es brauche. Das kann an manchen Tagen mehr als einmal sein, dann ein paar Tage gar nicht und ich fahre nur, weil die Kerzen mal wieder brennen sollten. Ich fahre teilweise auch bewußt nicht, weil es mir nicht gut tun würde. Ich war dieses Jahr vor und nach dem Muttertag, aber nicht an diesem Tag selbst, da ich mich dieses Jahr einfach nicht damit quälen wollte. Für mich ist es, als würde man mich schlagen, am Muttertag am Grab meines kleinen Stinkers zu stehen.

Wir haben immer noch unsere kleinen, süßen Begleiter. Man glaubt es kaum. Erst die Tage war ich mit meiner Tochter auf einer Familienwanderung, die der Kindergarten veranstaltet hat. Ich sah beim Picknick in der Wiese einen Marienkäfer und zeigte ihn ihr noch und wollte ihn fotografieren. Seht, was ich dann entdeckt habe, als ich den Fotoapparat aus dem Rucksack kramen wollte?
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Er ist immer dabei!

Aber ich stehe oft im Konflikt. Im Kinderturnen, bei solchen Wanderungen, bei Festen rund um die Kinder, kürzlich auf dem großen Indoorspielplatz… eine meiner beiden Hände ist immer leer, wo ich eine zweite kleine Hand halten sollte. Das tut weh und wird mir dann jedes Mal wieder so sehr bewußt. Und da kamen auch diese Gefühle des Neides in mir auf. Vor allem, wo ich ständig Schwangere um mich rum habe und Frauen mit ganz kleinen, frischen Babies. So langsam hat sich herauskristallisiert, dass das am schwersten für mich ist. Es sind nicht die Kinder, die jetzt so alt sind wie Jo wäre. Ich muß tatsächlich immer überlegen, wie alt er jetzt gerade im Moment wäre, die Zeit verschwimmt. Und was er könnte und was er wohl machen würde. Diese Gedanken kommen komischerweise immer hoch, wenn ich ihn besuche. Wenn ich erzähle, was wir gemacht haben. Da überlege ich mir oft, wie er wohl wäre. Was er mögen und nicht mögen würde. Wie die Kleine und er wohl rumzanken würden.

Nein, es sind die ganzen Mamas mit den Tragetüchern, mit den kleinen Zwutschgis auf dem Arm oder die mit dem dicken Bauch. Die setzen mir ordentlich zu. Ich habe mir große Vorwürfe gemacht, weil ich Neid irgendwie mit Mißgunst gleichgesetzt habe. Macht man das allgemein so? Ich habe mich nun mit dem Thema Mißgunst auseinandergesetzt und für mich festgestellt, dass einem das auch suggeriert wird. Also auch andere Neid mit Mißgunst gleichsetzen. Ich bin neidisch auf die Kinderschar der anderen, also gönne ich sie ihr nicht? Nein, das ist natürlich Quatsch. Ich mußte somit nun lernen, dass man sehrwohl auf etwas neidisch sein kann und man dem anderen trotzdem sein volles Glück gönnt. Es ist kein boshafter Neid. Im Gegenteil, es ist wunderschön, dass es all diese Kinder um mich rum gibt. Aber es wäre noch schöner, würde meiner mit rumhüpfen. Es ist ein bitterer Neid.

Johannes hatte gestern Namenstag. Pünktlich dazu ist seine Rose aufgeblüht:

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Und was ich auch schon lange posten wollte – wir konnten am 18. April diesen Jahres endlich Johannes Geburtsbaum pflanzen – es wurde ein Gravensteiner Apfelbaum. Seine Plazenta liegt darunter…

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Es grüßt euch herzlich nach langer Zeit mal wieder

die Löwenmama

Johannes neuer Zaubergarten

23. März 2013

Irgendwann kommt der Zeitpunkt bei mir, da muß möglichst sofort alles vom Grab runter, der Winter weggewischt werden und der Frühling einkehren. So war ich gestern im Gartencenter und habe eingekauft. Vergissmeinnicht, orangene Ranunkeln, weil die so lustig aussehen, fast wie kleine Löwenköpfchen. Und Veilchen, weil sie so hübsche Gesichter haben und fröhlich bunt sind. Ich glaube, Johannes hätten sie gefallen. Und so puschelige Gänsebläumchen, weil die so lustig in die Höhe stehen wie kleine Lollis.

Heute sah das Wetter zuerst gar nicht danach aus, als könnte ich dort groß was machen. Es schneite sogar mal leicht. Am Nachmittag kam die Sonne raus und ich ließ alles liegen und packte die Friedhof-Sachen zusammen und los ging es.

Johannes neuer Zaubergarten für dieses Frühjahr ist fertig.

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…mit einer Dschungelecke…

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…das neue Osterhasi…

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…diesen tollen Pilz bekam Johannes von anderen Sternenkind-Eltern, deren kleiner Muckel auch Mb Krabbe hatte – noch einmal herzlichen Dank dafür…

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…ein Osterstrauß als Gruß von zu Hause, denn bei uns steht der gleiche, mit dem Osterhasi vom letzten Jahr…

Es ist immer wieder sehr widersprüchlich, einerseits so traurig vor dem Grab zu stehen und sich andererseits zu „freuen“, dass es so „schön“ geworden ist. Das ist doch idiotisch?!

Es grüßt euch herzlich

die Löwenmama

Eine Lanze für Trauernde brechen

6. Januar 2013

Ich hatte es im alten Jahr angekündigt ein wenig darüber zu schreiben, was ich letztens in einem Seminar über „sterben, Tod, Trauer“ regelrecht aufgesaugt habe. Der Referent hat absolut eine Lanze für Trauernde gebrochen und das tat mir so unsagbar gut. Ein wenig davon möchte ich zusammenschreiben – für mich, um es mir immer wieder mal durchzulesen und auch für euch, die ihr da draußen seid und auch trauert, in Trauer lebt, mit der Trauer lebt, überlebt oder wie auch immer. Und für diejenigen, die mit Trauernden umgehen. Und vielleicht auch unsicher sind, wie sie am besten mit Trauernden umgehen.

Ich schreibe völlig wertfrei. Wenn sich jemand Nichttrauernder angesprochen fühlt, meine ich das nicht persönlich. Das ist mir ganz wichtig, das zu sagen.

In der Trauer ist alles erlaubt. Von außen wird oft erwartet, das man auch sichtbar trauert, sichtbar traurig ist. Je nachdem, wo man lebt, erwartet man vielleicht sogar, das man in schwarz geht. Manche haben immer noch gedanklich ein Trauerjahr im Kopf. Und wenn dann das erste Jahr rum ist, dann könnte man ja mal wieder normal funktionieren. Trauert man dann aber immer noch oder sogar sehr stark, wird vermutet, dass man depressiv ist, dass man professionelle Hilfe braucht, besteht großes Unverständnis darüber, das man die Trauer noch nicht abgelegt hat. Das man noch nicht darüber hinweggekommen ist.

Ich weiß nicht, wie andere trauern, aber ich glaube, Trauer ist etwas sehr individuelles. Vielleicht ist es auch ein Unterschied, was man betrauert, wen man betrauert und wie alt man dabei ist. Vielleicht auch nicht. Wer weiß das schon?

Das erste Jahr: das erste Jahr war sehr komisch. Ich schreibe jetzt nur von mir. Zuerst war ich sehr betäubt. Und ich konnte das gar nicht glauben, das es wirklich passiert ist. Ich brauchte wirklich viele Wochen, bis ich das realisieren konnte. Ja, Johannes ist wirklich gestorben. Und dann kam eine Phase, wo ich das so unglaublich fand, was uns passierte und ich saß da und fragte mich: „ist uns das _wirklich_ alles passiert“ und „gab es Johannes wirklich?“. Ich ging nach oben und sah nach, ob da tatsächlich seine Sachen sind, fühlte die Kette mit seinem Fingerabdruck an meinem Hals. Und ja, es gab ihn wirklich und ja, es ist uns wirklich passiert. Es ist ihm tatsächlich passiert. Ich mußte das für mich wirklich erst realisieren.

Erst kam eine erste Nacht ohne ihn, ein erster Tag ohne ihn, dann ein erstes Sonntagsfrühstück ohne ihn. Es folgte eine erste Woche ohne ihn, der erste Monat ohne Johannes. Das erste Weihnachten – ohne ihn. Kurz darauf ein erstes Silvester ohne den kleinen Stinker. Sieht er uns von dort oben? Nochmal richtig laut knallen? „Hey, da unten sind wir!!“

Die ersten Geburtstage ohne Jo, ein Ostern ohne Osternest für unser Baby. Ein Geburtstag ohne Geburtstagskind und dann ein Todestag. Ein ganzes Jahr ohne den kleinen Schnuckmuck.

Und dann war es rum. Das erste Trauerjahr. Das berühmtberüchtigte Trauerjahr. Und jetzt sollte ich darüber hinweg sein? Nein, ich war glaub noch nicht mal mittendrin.

In gängiger Trauerliteratur liest man, dass das zweite und dritte Jahr am schlimmsten sind.

Was ich erst ganz schlimm fand: zuerst war es „dieses Jahr ist unser Baby gestorben“, dann „letztes Jahr ist …“ und jetzt seit dem Jahreswechsel „vorletztes Jahr ist …“. So lang ist das schon her? Aber ich glaube, es war doch erst gestern.

Wie soll ich jemandem erklären, das ich so schrecklich traurig bin, das ich gelegentlich die ganze Welt vor Schmerz am liebsten zusammenschreien möchte, das ich am liebsten an seinem Grab stehen möchte und „Johaaannnnneeeees“ so laut schreien möchte, das es bis ans Ende der Welt zu hören ist?

Das ist verdammt nochmal nicht schon so lange her, das es vorletztes Jahr war?

„Langsam sollte sie doch jetzt drüber hinweg kommen“… munkelt man dann vielleicht?

Vielleicht komme ich nie darüber hinweg.

Kann man über so etwas hinweg kommen?

Muß man über so etwas hinweg kommen?

Nein, man muß nicht. Vielleicht kann man. Aber man muß es nicht. Und es ist normal, wenn man es nicht tut. Und es ist ein verdammtes Recht, nicht darüber hinweg zu kommen.

Und man ist nicht unnormal, wenn man nie über den Verlust eines geliebten Menschens, des gliebten Partners, des Kindes, … hinweg kommt.

Und ein Leben lang traurig ist.

Und ich wünsche allen Trauernden von Herzen, so lang traurig sein zu dürfen, wie sie es brauchen – vielleicht ein Leben lang. Aber dennoch leben und lachen und lieben. Um am Ende unterm Strich ein glückliches Leben gelebt zu haben.

Bei Angehörigen entsteht Hilflosigkeit, wenn Trauernde vermeintlich nicht über ihre Trauer hinweg kommen. Man möchte helfen und erwartet aber gleichzeitig, dass es besser wird. Das derjenige die Trauer hinter sich läßt. Aber er muß die Trauer nicht hinter sich lassen. Er darf sie weiter leben. Und auch mal nicht leben. Angehörige sind herzlich eingeladen, Trauer mit auszuhalten, anstatt sie auszumerzen, auch wenn es noch so schwer ist.

Es gilt nicht, Trauernde aus „Löchern“ zu holen. Es gilt Trauernden zuzuhören. Sich neben das Loch zu setzen. Dem Trauernden zu sagen „ich bin da, wenn ich was tun kann für Dich“, ihm Zeit zu geben. Bis er bereit ist da wieder auszukommen. Vielleicht mal zu sagen: „Hey, vergiß nicht, da draußen ist das Leben. Ich lade Dich ein, mal wieder teilzunehmen“ und irgendwann wird der Trauernde entweder einfach rauskommen oder sich raushelfen lassen.

Es tat mir so gut zu hören, das es kein richtig oder falsch trauern gibt. Das Trauer auch nach Jahren!!! nicht unnormal oder gar krankhaft ist. Das Trauer einfach ganz individuell ist.

Es ist nochmal etwas ganz anderes, wenn man seine Trauer als Recht in Worte fasst. Ich habe spontan für den Moment meine Gedanken hierzu mal zusammengetragen:

Du hast das Recht zu trauern, wie Du willst und es Dir gut tut.
Du hast das Recht zu weinen, so lange und wo Du willst ohne Dich Deiner Tränen schämen zu müssen.
Du hast das Recht auch nach Jahren traurig zu sein, als wäre es gerade eben passiert ohne Dich dafür rechtfertigen zu müssen, weil Du eigentlich schon darüber hinweg sein müßtest.
Du hast das Recht, Rücksicht zu erfahren, wenn Du nicht einfach funktionierst, nicht leisten kannst was man von Dir erwartet, weil die Trauer Dich blockiert.
Du hast das Recht, Dich für Deine Trauer nicht rechtfertigen zu müssen.
Du hast das Recht, dass man Rücksicht auf Dich und Deine Trauer nimmt.
Du hast das Recht zu leben. Dich am Leben zu erfreuen. Zu lachen. Oder auch vermeintlich nicht sichtbar zu trauern. Auch wenn Du ganz frisch Trauernder bist.
Du hast das Recht, glücklich sein zu dürfen.
Du hast das Recht Deine Trauer zu leben, wie es Dir gut tut. Du bist Du und es ist Dein Weg.
Du hast das Recht, Dir in der Trauer eine Auszeit zu nehmen, wenn Du Zeit für Dich und Deine Trauer brauchst oder die Trauer Dich lähmt.

Wenn man Probleme damit hat sich das zuzugestehen, ist das sehr wertvoll es in eigene Gedanken zu fassen.

Noch be-greif-barer wird es, wenn man es mit „Ich“ formuliert. Dann ist es nochmal viel, viel näher.

Es gibt zig Beispiele hierzu, von allen möglichen Verfassern. Im Buch, im Web, …

Hier kopiere ich etwas von einem „Unbekannten Verfasser“ rein, das ich im Netz gefunden habe. Es hat mich sehr angesprochen:

Du hast ein Recht auf deine Trauer

Du darfst dich deinen Verlusten widmen,
musst nicht verdrängen, was dich beschwert.
Du hast ein Recht, das abzutrauern,
was dich so tief enttäuscht hat
und was du nicht ändern kannst.

Du hast ein Recht auf deine Tränen,
auf dein Schweigen,
auf deine Ratlosigkeit,
auf deine innere und äußere Abwesenheit,
Du musst nicht den Glücklichen spielen,
nicht über den Dingen stehen.

Du hast ein Recht, die wegzuschicken,
die dich mit Gewalt aus deiner Trauer
herausholen wollen, weil deine Trauer
sie selbst bedroht.
Du hast ein Recht auf deine Trauerzeit.

Du hast ein Recht,
mit denen nicht reden zu wollen,
die dir ein schlechtes Gewissen machen
für deine Dunkelheit und Trauer.
Die mit Sprüchen kommen
und dich mit diesen Sprüchen
unter Druck zu setzen versuchen.
Du hast ein Recht auf deine Trauerstille.

Du hast ein Recht, dich zu wehren
gegen die, die dir sagen
was du fühlen darfst und was nicht,
die dich nicht als einzelnen,
sondern als Fall behandeln
und sich innerlich nicht wirklich
mit dir einlassen.

Vielleicht macht dich nichts so menschlich
wie deine Trauer.
Über sie kann ein Trauernder sich dir nähern
und auf Verständnis hoffen.
Trauern zu können ist eine Gabe.
Lass dir das Recht auf deine Trauer nicht nehmen
(Verfasser unbekannt)

    ***

Der Umzugsstreß ist noch nicht ganz abgefallen von uns und so ganz zu Hause fühlen wir uns hier im neuen Heim auch noch nicht. Eigentlich wollten wir nun ein wenig zur Ruhe kommen, aber das sollte nicht so sein. Der Löwenpapa hatte arge Rückenschmerzen, Arztbesuche und ein paar Untersuchungen die uns sehr an den Diagnostik-Weg mit Johannes erinnerten, was mich nervlich irgendwie ziemlich in alte Zeiten zurückgeworfen hat. Nächste Woche muß der Löwenpapa nun ins Krankenhaus und einen Eingriff über sich ergehen lassen. Das belastet mich schon sehr. Wo wir uns doch so sehr auf die Ruhe nach der Bauphase, nach dem Umzug gefreut hatten.

Ich weiß, wir haben einen ganz besonderen Schutzengel im Himmel. Und er hat ein Auge auf seinen Papa.

Hier brennt abends im Regelfall ein besonders drolliges Licht für ihn und zeigt unseren Besuchern schon von Weitem, dass hier ein Löwe wacht.

Es grüßt euch herzlich

die Löwenmama

Trauer ist auch ein Arsch

20. November 2012

Trauer ist auch ein Arsch, finde ich.

Ich fühle mich nicht so, als könnte ich Johannes Tod irgendwann überwinden. Ich fühle mich auch nicht so, als wäre es einfach unterschwellig vorhanden und ich bin zuerst traurig und dann weicht es Stück für Stück und alles ist (fast) wieder gut.

Ich habe mir nie genaue Gedanken darüber gemacht, was Trauer mit einem macht, wie sie sich anfühlt, wie man halt so trauert. Aber ich glaube, ich hatte schon irgendwie so ne Vorstellung davon. Vielleicht so in der Art, dass es erst schwer ist und dann immer leichter wird.

Aber so ist das nicht. Zumindest nicht bei mir. Mir geht`s zuerst sowas wie wirklich gut, weil ich sehr beschäftigt bin und dann fühle ich mich von meiner Trauer immer sehr distanziert. Das ist ganz praktisch, weil man leistungsfähig ist. Dann ist der Gedanke daran, dass ich mal ein Baby hatte und das jetzt tot ist, aber sehr abstrakt. Das fühlt sich an wie „nicht wahr“. Ich weiß, es ist wahr, aber es fühlt sich an wie eingebildet und nie gewesen. Seelenschontage.

Dann kommt die Phase, wo ich immer unruhiger und gereizter werde. Wo ich ein Ekel werde. Das macht mich gleichzeitig so unendlich traurig, weil ich so gar nicht sein möchte. Und dann beginne ich Johannes so unendlich schwer zu vermissen. Durchlebe manche Gefühle und Situationen nochmal.

Und dann fühle ich mich wie gelähmt. Bin nicht mehr leistungsfähig. Quäle mich durch die Tage. Habe keine Nerven. Schlage Zeit tot. Und hasse mich auch dafür.

Dann spüre ich nach ein paar Tagen, wie langsam sowas wie eine Last von mir abfällt und ich fange wieder an kreativ zu werden, gedanklich auch beweglicher, kann wieder etwas mehr leisten.

Bis ich dann wieder an dem Punkt bin, wo Johannes so weit weg ist, wie nie gewesen und ich mich im Hamsterlaufrad wiederfinde.

In den Leistungsphasen fühle ich mich ein amputierter Arsch, weil ich gar nicht mehr fühlen kann, dass ich den Löwen hatte. In der nächsten Phase fühle ich mich wie ein Arsch, weil ich mich wie ein Arsch aufführe. In der nächsten Phase, fühle ich mich wie ein Arsch, weil ich meinen Arsch nicht hochkriege und in der letzten Phase fühle ich mich nicht ganz so sehr wie ein Arsch, aber ich bin auf dem besten Weg dorthin.

Bin jetzt ich der Arsch, oder die Trauer?

Ich habe eben für mich beschlossen, dass die Trauer der Arsch ist.

Ich habe vorhin in einem Forum gelesen: „Mein Baby hat einen Zahn bekommen!“. Da war das alles wieder da. Mein Baby. Ja, da war doch eins. Ich hatte doch auch eins!! Und die Zähne waren eingeschossen. Aber durften nie rauswachsen. Ich hätte mich auch so sehr über einen ersten Zahn gefreut.

Stattdessen trab ich jeden Tag mit nem Arsch voll Kerzen auf den Friedhof und mach Licht. Mensch, da oben im Schlafzimmer steht ein Hochstuhl und ein Lauflernwagen. Zweiteres ein Geschenk von der Uroma und dem Uropa zum ersten Weihnachten. Heute hatte ich beim Misten für den Umzug erst die Rechnung dazu in der Hand. Der Hochstuhl ist unbenutzt. Da sollte er doch draufsitzen. Diese Bitterkeit kommt einfach immer wieder durch. Plopp. Schon ist sie da. Zuerst alles noch gut und schwupps, ein Satz, eine Bemerkung, irgendwas bestimmtes und diese Bitterkeit schmerzt im Herz, in der Magengrube.

Was ist uns da passiert? Was haben wir verdammt nochmal verloren?!

Ich vermisse diesen kleinen Stinker einfach so sehr.

Wir sind nicht alleine. Es gibt auch andere Eltern, die ihr Kind betrauern. Ein Elternpaar, das Kind hatte auch Mb Krabbe und ist vor kurzem zu den Sternen gereist, hat uns neben ein paar anderen sehr süßen Sachen ein Löwenlicht geschickt:

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Es brennt heute nicht nur für Johannes, sondern für alle kleinen Zwergennasen, die zu den Sternen gereist sind und uns Eltern, die mit dem Verlust irgendwie leben müssen.

Viele liebe Grüße

die Löwenmama

Hase Schlappohr

6. November 2012

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Da sitzt er, mit hängenden Ohren – der Hase Schlappohr.

Einsam ist er geworden. Er ist einer der wenigen, die Johannes nicht mit auf seiner Reise begleitet haben. Die Löwen haben wir ihm mitgegeben – bis auf einen kleinen, der eher immer neben ihm lag. Alle anderen Kuscheltiere waren Lagerungshilfe. Der kleine Löwe war zu klein.

Der Hase Schlappohr war auch so ein Lagerungsprofi. So kuschlig weich, schnell gewaschen und wieder da… aber halt eben kein Löwe. Irgendwann vor ein paar Monaten hab ich ihn mir geschnappt und seitdem begleitet er mich Nacht für Nacht. Die Nächte sind gerade lang… habe gerade eine blöde Phase. Ich fühle mich so verloren.

Ich hab mir kürzlich vorgestellt, wie Johannes jetzt wohl aussehen könnte. Ob er blonde oder immer noch schokobraune Haare hätte? Was für eine Frisur hätte er wohl? Und wie sich Mama und Papa aus seinem Mund anhören könnte? Ich hab mir ins Gedächtnis gerufen, was Kinder in dem Alter machen, wie groß sie sind und das tat so weh. Das tut so weh. Es hört einfach nicht auf.

Wir haben vorläufig Nachricht von der Genetik. Bei einem von uns konnte man den Defekt eindeutig „identifizieren“, also das was man fand ist in der Datenbank und was „gängiges“. Beim anderen hat man auch was gefunden, etwas das auch ins Bild paßt, aber nicht in der Datenbank ist. Jetzt müssen wir nacharbeiten. Wir haben ja die Plazenta im Gefrierschrank mit der Nabelschnur dran. Sobald wir alles haben was wir brauchen, tauen wir sie so weit auf, dass wir von der Nabelschnur ein Stück abschneiden können und dann geht`s ab damit in die Genetik. Wir brauchen nochmal eure Daumen, dass man mit dem Nabelschnurrest überhaupt noch arbeiten kann. Wir hoffen, dass Johannes sein Geheimnis doch noch preisgibt.

Mich belastet diese Warterei sehr. Und noch mehr belastet es mich, die Plazenta aufzutauen, etwas von der Nabelschnur abzuschneiden. Die Plazenta, die Nabelschnur – unsere Verbindung. Nochmal ein Teil von Johannes in Händen zu halten. Die Nabelschnur durchschneiden – das Symbol für Geburt. Aber welch Glück, sie überhaupt noch zu haben!

Ich sehne mich nach Ruhe in meinem Leben. Ich würd mich gern mal wieder langweilen. Die Seele baumeln lassen. Das tun, worauf ich Lust habe. Aber der Umzug, der Bau des Hauses, Termine, ständig irgendwas. Ich hab keine Ressourcen mehr. Meine Ohren hängen deswegen auch ein bißchen so wie die des Hasen Schlappohr. Und so verloren wie er sich fühlt, fühle ich mich auch. Teilweise hilft nur Zeit totschlagen, damit der Tag rum ist und der nächste vielleicht besser wird.

Ich hab mal ein Baby bekommen. Ganz zart war es. Und ich habe es so sehr geliebt. Es war so erwünscht. Was ist uns da nur passiert? Es paßt noch immer nicht in meinen Kopf.

Vielleicht wird es auch nie reinpassen.

Es grüßt euch herzlich

die Löwenmama

Sonne zwischen dunklen Wolken

3. Oktober 2012

Sonnenstrahlen zwischen vielen Wolken

Die Tage sah es so auf dem Heimweg aus. Und so oder so ähnlich fühlte ich mich auch. Einerseits sind da viele dunkle Wolken, die gern mal plötzlich zu regnen beginnen. Wenn man nicht damit rechnet oder es gerade gar nicht brauchen kann. Andererseits schiebt sich plötzlich wieder die Sonne dazwischen und zaubert ein wundervolles Bild und für den Moment macht sich sowas wie Hoffnung breit. Aber irgendwie sieht alles ein wenig bedrohlich und nicht sonderlich vertrauenserweckend aus.

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Ich sagte gestern Abend zum Löwenpapa, dass unser Leben einfach nicht mehr in Ordnung ist. Wie glücklich ich war, als Johannes geboren war. Die ersten Tage mit ihm. Wochenbett, meine Kinder im Arm, auf der Bettkante, der Löwenpapa daneben. Es war so etwas Vollkommenes. Vollkommenes Glück. So greifbar. So besonders.

Ich schrieb einmal, dass mit der Diagnose unser Leben in eine große Kiste geworfen wurde, Morbus Krabbe dazu, Deckel drauf und schütteln, schütteln, schütteln. Alles auf den Boden werfen und: „Jetzt macht was damit.“ Und dann sitzen gefühlt alle da und versuchen zu defragmentieren. Und man wägt ab, ob man nach Formen, oder vielleicht doch nach Farben sortiert? Und man fängt an zu sortieren, denkt so geht es, dann scheint es aber anders doch besser und man schmeißt wieder alles durcheinander und fängt von vorne an. Aber halt auf die andere Art und Weise.

Irgendwie kommt es mir so vor, als wären wir immer noch am defragmentieren. Wir saßen nun schon eine Weile am Sortieren und warfen immer wieder alles zusammen, um es anders zu machen und trotzdem paßte es irgendwann nicht und man begann von Neuem.

Werden wir es irgendwann sortiert bekommen? Bekommen wir irgendwann unser Lebens-Chaos/Chaos-Leben wieder in Ordnung?

Hechten wir noch unseren Idealen nach ohne zu überprüfen, ob es noch unsere Ideale sind? Oder die des Einzelnen?

Ich hatte früher sehr konkrete Vorstellungen von meiner Zukunft. Wünsche, auch Träume. Ich krieg das nicht mehr hin. Wenn mich früher wer gefragt hat, wo ich mich in einem halben Jahr, einem Jahr, in fünf Jahren sehe, hätte ich sofort eine Antwort parat gehabt. Fragt man mich heute, weiß ich nicht mal mehr, was nächstes Woche um diese Zeit ist. Es fällt mir so schwer, mich auf Wünsche und Träume einzulassen. Welche zu entwickeln. Darauf zu vertrauen, dass sie in Erfüllung gehen könnten!

Könnten sie tatsächlich in Erfüllung gehen? Warum sollten sie? Warum sollten sie nicht? Ja, warum sollten sie nicht? Weil ich es schwieriger finde, dass etwas klappt, als das es nicht klappt. Das etwas in die Hosen gehen kann ist viel wahrscheinlicher.

Über sowas hab ich mir früher nie Gedanken gemacht. Ich dachte immer, es wird schon irgendwie gehen. Und dann ging es nicht. Nicht mal irgendwie. Es ging einfach nichts mehr.

Nachdenkliche Grüße

die Löwenmama