Kondolenz, Taufe und Hospiz

Wir versuchen gerade es zu integrieren. Wir versuchen uns gerade etwas frei zu strampeln. Es muß hier irgendwie weitergehen. Die Zeit tickt jeden Tag gleich schnell, auch wenn sie an manchen Tagen gefühlt zu langsam verstreicht. Und wir sind im Trauerprozess jeden Tag ein Stück weiter, versuchen uns zu organisieren, uns zu strukturieren.

Alle nehmen auf ihre Art Anteil, aber die lieb gemeinten Wünsche, die restliche Zeit mit dem Löwenbaby noch zu genießen und alles mitzunehmen, die Zeit auszukosten, sind schwer auszuhalten. Das sagen alle, keine Angst, aber es ist sehr schwer auszuhalten dabei zuzusehen, wie er abbaut und das ist die Konsequenz der Krankheit. Er lacht nicht mehr, er hat seine Momente, wo er wach ist, aber er reagiert oft auch nicht mehr so, wie er es sonst gemacht hat.

Seit der Kurznarkose ist er nicht mehr der alte und ich weiß nicht, was die Tabletten ausmachen. Ich weiß nicht, ob er noch gut sehen kann, ob er mich hört, wenn ich ihm vorsinge. Ich kann das gerade nicht genießen. Er hat seine ganz wachen und aufmerksamen Momente, aber im nächsten Moment starrt er ins Leere und ich spüre, er ist schon auf seinem Weg. Wir haben immer wieder die Situation, wo er tief schläft und flach atmet und ich nicht weiß, ob heute der Tag ist, wo er aufhört zu atmen. Daran gibt es nichts zu genießen. Zumindest können wir das so nicht empfinden.

Gestern war unser Dekan da. Es war uns ein dringendes Bedürfnis, die Taufe vorzuverlegen. Sie findet nun am 03.04. statt. Wir hatten Angst, dass der kleine Löwe schon vorher einschlafen könnte, wir können das überhaupt nicht einschätzen. Deswegen hat er ihn gestern gesegnet. Das war sehr wertvoll für uns und hat uns enorm erleichtert.

Morgen kommt eine Frau vom Kinder-Hospiz. Die haben dort einen ambulanten Hospiz-Dienst, der einmal die Woche in die Familie kommt und auf ganz unterschiedliche Weise unterstützt. Nur reden, kleine Botengänge erledigen, die Kinder beaufsichtigen, beraten, bei Anträgen helfen, usw., mal ne Stunde, aber auch vier oder fünf, wenn es erforderlich ist. Wir sind dran an der Organisation eines Pflegedienstes zu meiner Entlastung. Wir haben offensichtlich Anspruch darauf.

Wir laufen ziemlich neben der Spur, ist so ein auf und ab, alles andere wäre aber vermutlich völlig unnormal.

Das Löwenjunge hat tatsächlich was gefunden, was er mittags gern essen mag. Spaghetti aus dem Glas. Klar, ich mit meinem Bio-Scheiß kann da abhauen.

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