Es wird schon irgendwann wieder. Aber nie mehr gut.

Ich habe schon lange nicht mehr gebloggt. Unser Leben ist zur Zeit voller Leben. Ein bißchen zu viel davon. Ich habe zu wenig Zeit für mich. Der Bau unseres Hauses beansprucht uns sehr, auch wenn wir selbst keinen Stein in die Hand nehmen. Das Drumherum ist ein mords Gerenne. Selbst der Umzug erfordert jetzt schon Vorarbeit und wenn es nur das Entrümpeln des Dachbodens und Kellers ist, um einen Makler ins Haus zu holen, ohne sich schämen zu müssen.

Obwohl alles so voll ist, die Zeit zu wenig, ist Johannes immer mit dabei. Es ist wenig Zeit für Schmerz, aber wenn dann intensiv. Er fehlt. Egal wann. Egal wo. Überall.

Immer öfter kommen Gedanken durch wie es wäre wenn er gesund wäre. Wie alt er wäre, man fängt an zu rechnen und ich ärgere mich dann darüber, dass ich es nicht präsent, sofort auf dem Schirm habe. Was er wohl tun würde. Was er mögen würde. Was sein Lieblingsspielzeug wäre. Was er für einen Spitznamen hätte. Was er am liebsten essen würde. Was er für Marotten hätte… Wer wäre er? Wie würde sich seine Stimme anhören? Wie würde sich „Mama“ oder „Papa“ aus seinem Mund anhören?

Beim Dachboden räumen falle ich immer wieder über Spielsachen, über die er sich jetzt sicher riesig freuen würde. Auch über die Stoffwindeln, die wir erstmal behalten wollen. Soll da nochmal ein Baby rein? Will ich das? Schaffe ich das? Kann ich mir das überhaupt vorstellen? Was wäre, wenn ich nicht wollen würde, ich es bereue, es aber zu spät ist? Was ist, wenn ich will und es klappt nicht? Was gebe ich auf? Was würde ich gewinnen? Ich finde Babies immer noch ziemlich komisch. Nicht böse gemeint, aber vielleicht wie kleine Aliens? Wie zum Teufel schaffen sie es, ihren Kopf zu halten? Diese Zappelei ist normal und schaut für mich so unnormal aus. Ich habe kein normales Verhältnis mehr dazu. Hätte vermutlich ständig Sorge, ob alles normal ist. Total verschroben.

Warum ist der Mensch so? Ich könnte auch sagen, meine Familie ist komplett und fertig. Warum machen Kopf und Herz da ihr eigenes Ding? Alle Denkerei ist sinnlos, so lange wir nichtmal wissen, ob wir über die Humangenetik erfolgreich sind. Ob die genetische Untersuchung bei uns überhaupt bezahlt werden wird von den Versicherungen und ob wir mit den Ergebnissen was anfangen könnten. Aber wo ist die Stopp-Taste?

Mir ist völlig abhanden gekommen, in die Zukunft zu denken. Vor Johannes hatte ich schon immer irgendwie so nen Plan von meinem Leben. Das ist jetzt ganz anders. Ich muß oft genug zum Wochenende hin ganz bewußt schauen, was nächsten Montag ist. Nächste Woche Freitag ist gefühlte Jahrhunderte weit weg. Unstrukturiert hoch 10. Inzwischen glaube ich, es wird schon irgendwann wieder werden – aber es wird nie mehr gut.

Arbeiten macht immer noch wahnsinnig viel Spaß und erfüllt mich sehr. Ich bin dort zwar immer noch nicht ich, aber egal. Das, was ich da bin, ist lustig. Zwar nicht ich und nicht authentisch, aber lustig.

Ich bin gerade warum auch immer sehr auf Krawall gebürstet und in einer fetten Anti-Stimmung. Lust auf extrem, anders sein, nicht gewöhnlich. Äußert sich in Haare immer kürzer, krasse Farben gehen leider nicht wegen meines Berufes. Und ich hab Bock auf Totenkopf-T-Shirts in fiesen Farben. Mein armer Mann. Ich glaube, das streßt ihn etwas. Aber es fällt mir so schwer, angepasst zu sein.

Hier im Garten blüht inzwischen Johannes Rose. Wir haben sie letztes Jahr von einer ganz lieben (Tuscany *wink*) geschenkt bekommen. Ich hatte ihr überlassen, welche Rose sie uns schickt. Wunderschön von ihr assoziiert. So klein und zart wie Jo war. Die Farben so dezent wie sein Teint. So leicht duftig wie kleine Babies. Sie bereitet uns große Freude. Die einzelne Blüte duftet eigentlich gar nicht wirklich. Wenn ich auf die Terasse komme, ist er aber da, der Duft der ganzen Rose. Eben wie ein kleines Baby, so lieblich. Die Farben erst ganz zart apricot, wechseln bis ins Weiß. Wunderschön!

Kleine Wildbienen die schon länger in unserem Garten wohnen mögen sie sehr. 🙂

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Vor kurzem freute ich mich mal wieder über ein richtiges Löwen-Geschenk für den Löwen. Danke, liebe Dani! Die Idee war wundervoll. Sehr, sehr lieb!

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Danke für`s immer wieder bei uns Reinschauen!

Viele Grüße aus dem irgendwo und nirgendwo

die Löwenmama

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7 Antworten to “Es wird schon irgendwann wieder. Aber nie mehr gut.”

  1. Jasmin Says:

    Hallo liebe Löwenmama,

    die Rose ist wirklich sehr schön.

    Heute ist Johannes Namenstag, deshalb hab ich grad hier reingeklickt, hab an euch gedacht.

    Ganz liebe Grüße
    Jasmin

    • loewenbaby Says:

      Hallo Jasmin,

      ich wußte gar nicht, dass Johannes Namenstag hatte. Danke für den Hinweis, nun steht es im Kalender. Da paßt es ja, dass er gestern eine neue, quietschegrüne Laterne mit ausgestanzten Sternchen bekommen hat.

      Alles liebe und danke fürs Reinschauen

      die Löwenmama

  2. Erdbeer Says:

    Hallo,
    ich freu mich, wieder von dir zu lesen! Habe jetzt täglich reingeklickt und mir schon Gedanken gemacht und dann einfach gehofft, dass es euch gut geht!
    Ja, heute ist Johannes‘ Namenstag! Da blüht die Rose genau zur richtigen Zeit!
    Wie macht ihr das eigentlich wenn ihr übersiedelt – dann bleibt ja der Apfelbaum zurück. Das war mein erster Gedanke gerade 😦
    Ich wünsch euch viele mit Leben er- und gefüllte Sommertage!

    • loewenbaby Says:

      Halle Erdbeere,

      dieser Apfelbaum bleibt hier. Merkwürdigerweise hängen wir nicht an genau diesem Baum. Johannes bekommt aber seinen eigenen, einen Gravensteiner Apfelbaum. Sofern wir seine Plazenta nicht für eine nachträgliche genetische Untersuchung brauchen, bekommt er sogar seinen ureigenen richtigen Geburtsbaum darauf gepflanzt. Diese Idee gefällt uns sehr viel besser.

      Danke auch an Dich fürs Reinlesen!

      die Löwenmama

      • Erdbeer Says:

        Schön 🙂
        Im Garten meiner Eltern steht auch ein uralter Graventsteiner – das sind die besten Äpfel überhaupt!!!

  3. Maren Says:

    Huhu,

    schön wieder etwas hier zu lesen. Die Rose ist bezaubernd. Die Idee mit dem Apfelbaum finde ich toll, egal ob mit oder ohne Plazenta ist es eine sehr schöne Geste.

    Und was Haare, Veränderungen und dergleichen angeht, ich glaube, das hat jeder Mensch immer mal wieder. Manchmal braucht man eben ganz krasse Veränderungen. 🙂

    Viele Grüße,
    Maren

  4. Nicole Says:

    Hallo,
    wie schön die Rose ist….wirst Du sie ausbuddeln und in Eurem neuen Garten einpflanzen?

    Zur Überschrift heute :

    „Es wird schon irgendwann wieder. Aber nie mehr gut.“

    Ich möchte Dir nicht widersprechen, denn wenn das Deine Gedanken sind, dann dürfen sie das, ohne wenn und aber, sein……
    aber vielleicht, in einiger Zeit, wird daraus mal:
    „Es wird schon irgendwann wieder. Aber nie mehr wie es war, anders halt, aber trotzdem gut.“
    Das wäre schön und das wünsche ich Euch von Herzen.
    Ich drück‘ Dich ❤
    Deine Nicole

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