Johannes 2. Geburtstag – der erste ohne ihn

Heute ist Johannes 2. Geburtstag.

Happy Birthday, kleiner Löwe!

Ich muß sagen, ich hab Tag für Tag mehr Muffensausen bekommen. Schon vor längerer Zeit haben wir uns darüber Gedanken gemacht, wie wir diesen Tag gestalten wollen. Arbeiten gehen kam nicht in Frage. Freizeitpark oder irgendetwas lustiges, lebendiges war die erste Idee. Wir verwarfen aber diesen Gedanken wieder und wollten in die Berge – wie nach Johannes Tod. Das lag uns am nähesten.

Mein Bestreben war es aber inzwischen nur noch, den Tag zu überleben. Ich wollte, das es ein schöner Tag wird und es war mir wichtig, das ich für Johannes etwas mache. Aber ich wollte auch, dass er einfach nur vorbei geht.

Trotz allem, ganz wichtig war mir, das es ein Geschenk gibt, das der Löwenpapa und ich schon vor einer ganzen Weile gekauft hatten. Vorgestern packte ich es ein und es war ein wirklich dummes Gefühl, ein Geschenk für ein Sternenkind einzupacken.

Uploaded from the Photobucket iPhone App

Und dann sollte es einen Geburtstagskuchen geben. Ich habe mir ein paar Tage davor schon Gedanken gemacht, was ich für einen Kuchen backen könnte. Geburtstagskuchen für ein Kind sind immer etwas sehr besonderes. Sie dienen ja nicht nur dazu die Feiernden satt zu machen, sondern sollen Kinderaugen zum Strahlen bringen. Dieser Kuchen sollte keine Kinderaugen zum Strahlen bringen… Was für ein scheiß Gefühl. Tränenmeer.

Uploaded from the Photobucket iPhone App

Ich hatte die Tage davor meinem Mädchen eine Geschichte von „Frederick und seinen Mäusefreunden“ vorgelesen. In der ersten Geschichte geht es darum, dass Frederick und seine Mäusefreunde sich auf den kalten Winter vorbereiten und Getreide, Nüsse und Stroh sammeln und alles in ihren Unterschlupf in der Steinmauer bringen. Alle arbeiten, mühen sich ab und plagen sich um für den Winter vorzuarbeiten, nur Frederick scheinbar nicht. Die anderen Mäuse sind irgendwann recht vorwurfsvoll, denn wenn sie Frederick fragen was er macht weil er nur rumliegt, antwortet er, dass er sammelt. Worte, Sonnenstrahlen, Farben, … Die Mäuse konnten damit nichts anfangen und ärgerten sich über die vermeintliche Faulheit von Frederick. Der Winter kam, die Mäuse hatten sich gut versorgt und es war eigentlich recht gemütlich in der Steinmauer. Die Mäuse hatten es kuschlig und genug zu essen. Das sollte aber nicht immer so sein und als irgendwann eine ganz karge Zeit eintrat, wo es nicht mehr kuschlig war, das letzte Korn geknabbert war und es nichts mehr zu reden gab fiel den Mäusen ein, dass sie ja noch Fredericks „Vorräte“ hatten. Sie fragten ihn also, was mit seinen Vorräten sei und Frederick forderte sie auf, die Augen zu schließen. Er erzählte den Mäusen von den roten Mohnblumen, den blauen Kornblumen, erzählte ihnen von der wärmenden Sonne und dichtete. Die Mäuse lobten Frederick kräftig, diese „Vorräte“ hatten sie gerne.

Diese Geschichte erinnerte mich daran, dass wir in der Trauer wortlos sind, die Sonne nicht immer gut spüren können und die Welt seit Johannes Tod weniger bunt ist. Ich wollte heute das „bunt“ sammeln und ganz bewußt beachten, die Sonne tanken und Worte sammeln. Hier sind unsere bunten Schätze:

Uploaded from the Photobucket iPhone App

Frederick sollte uns begleiten, den hatte ich für Johannes gebastelt:

Uploaded from the Photobucket iPhone App

Die Wanderung war sehr schön, auch wenn etwas ungeplant chaotisch. Wir hatten die Route als leichte, familienfreundliche Tour herausgesucht, Anforderungsprofil wenig Kondition. Und wir liefen über Stock und Stein, rauf und runter und mußten am Ende umkehren, da wir den Weg mit unserer Kleinen nicht bewältigen konnten. Aber es war irgendwie wie im richtigen Leben. Man hat eine Vorstellung, plant etwas und am Ende läuft es ganz anders. Es war egal. Die Strecke sah auf dem Rückweg von der anderen Seite gleich nochmal ganz anders aus und war trotzdem sehr schön. Eine schöne Wanderung. Gut überlebt. Wir hatten wirklich schon andere Probleme als eine ungeplant verlaufende Wanderung und eine Kehrtwende zu machen.

Ein paar Momente versuchte ich einzufangen…

Licht und Schatten…

Uploaded from the Photobucket iPhone App

Glockenblumen…

Uploaded from the Photobucket iPhone App

Dem Himmel so nah…

Uploaded from the Photobucket iPhone App

Diese Puschel waren so weich – sie hätten ihm sicher gut gefallen…

Uploaded from the Photobucket iPhone App

Die Farbe erinnerte mich an die Farbe seiner Löwenmähne…

Uploaded from the Photobucket iPhone App

Ganz weit oben – nochmal dem Himmel so nah…

Uploaded from the Photobucket iPhone App

Diese Zartheit. Diese Frische. Diese Reinheit, dieses schützenden Frauenmantels! Wow.

Uploaded from the Photobucket iPhone App

Nach der Wanderung stärkten wir uns zu Hause erstmal beim Löwen-Kuchen.

Abends führte uns unser Weg zum Friedhof. Es lag hier immer noch ein Geschenk. Ein Korb voller Kerzen. Unsere bunten Schätze, die wir von der Wanderung mitgebracht hatten. Und wir wollten ein paar Seifenblasen pusten, bei Johannes sein. Ihm einen ganz persönlichen Besuch abstatten. Wir waren nicht die einzigen, die Johannes besuchten. Wir sahen es an den kleinen Besonderheiten, die von seinen Besuchern mitgebracht wurden…

Ein Affe vom Bruder gebastelt:

Uploaded from the Photobucket iPhone App

Windspiel…

Uploaded from the Photobucket iPhone App

Ein „Bob der Baumeister“ für kleine Kerle:

Uploaded from the Photobucket iPhone App

Und ein sehr stolzer Löwe.

Uploaded from the Photobucket iPhone App

Eine süße kleine Holzpfeife ist links auf dem Geschenke-Bild oben im Beitrag zu sehen. Und eine schöne Rose fanden wir am Grab.

Wir sind froh, das dieser lange Tag zu Ende ist. Wir haben sicher das beste draus gemacht, was man draus machen konnte. Und wir danken allen, die uns begleitet haben, die Johannes etwas gebracht haben, die uns nahestanden. Die den Tag zu dem gemacht haben, was er war. Danke an alle, die uns -wie auch immer- nahe waren.

Es grüßt herzlich

die Löwenmama

Advertisements

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , ,

9 Antworten to “Johannes 2. Geburtstag – der erste ohne ihn”

  1. Kaltblau Says:

    Ich denke an euch, liebe Löwenfamilie und sitze hier mit einem dickem Kloß im Hals.

  2. Lilo Says:

    Ich bin ohne Worte, ich finde eure Schätze wunderschön! Ich denke an euch und wünsche euch, was ihr gerade braucht, und davon die größte Portion! Möge ein Frederick für euch da sein, wenn es kalt ist und dunkel!

  3. Gabriela Schenett Says:

    Alles liebe Johannes. Ich habe heute oft an euch gedacht. Ich freue mich, dass ihr diesen Tag gut ueberstanden habt. Wunderschöne Fotos hast du von eurer Wanderung gemacht! Liebe Grüße Gabriela

  4. Erdbeer Says:

    Lieber kleiner Löwe,
    heute hättest du 2 Jahre auf der Welt sein sollen und alle deine Liebsten hätten das mit dir feiern wollen. So schade, dass du den Tag nicht mit einem Geburtstagsbussi von deinen Eltern beginnen konntest und auch nicht mit deinen Geschwistern um die Wette Kuchen bröseln und durch die bunten Wiesen laufen konntest. „Schade“ nenne ich es, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass es auch anders schön sein kann, und dass du bestimmt auch im Himmel einen schönen Geburtstag hattest. Da hattest du ja heute viel zu schauen bei der Wanderung die deine Familie für dich und mit dir gemacht hat. Ich wünsch dir so sehr, dass es dir gut geht, dort wo du bist und liebe Löwenfamilie, euch wünsch ich, dass es euch gelingt, euch an den schönen besonderen Tag der Geburt erinnern zu können !!!

  5. Tatti Says:

    Alles Liebe kleiner Löwe.

  6. Püppi Says:

    Liebe Löwenfamilie, Euer Tag gestern klingt sehr schön und stimmig. Ich bin mir sicher, der Löwe hat Euch lächelnd zugesehen und Euch begleitet.

  7. Kerstin Says:

    Happy Birthday kleiner Löwe!

  8. Maren Says:

    Kaum zu glaube, wie unterschiedlich ein Tag ablaufen kann. 😦 Wir hatten gestern auch einen Geburtstag zu feiern, er lief gänzlich anders ab, als bei Euch. Bei uns wurde jemand 16 und war mächtig stolz.

    Ich finde, Ihr habt den Tag sehr schön verbracht und vor allem auch wunderschöne Bilder gemacht.

    Alles Liebe,
    Maren

  9. Nicole Says:

    Ich habe an Euch gedacht und habe einfach nur gehofft, dass der Tag „irgendwie“ gut für Euch wird.
    Ich freue mich sehr zu lesen, dass er „irgendwie“ gut war.
    Du schreibst Euer Weg, war wie im wirklichen Leben.
    Ihr musstet umkehren und einen anderen Weg gehe, also nicht den, den Ihr geplant hattet.
    Und Du schreibst, auf dem Rückweg war der Weg von der „anderen Seite“ anders, aber trotzdem schön.
    Wunderbar liebe Löwenmama. Einfach schön!
    Ein Sinnbild für einen neuen Weg den Ihr gehen müsst, er wird anders, aber ganz bestimmt, auch irgendwann wieder schön.
    Habe ich Dir schon die Geschichte vom Wasserträger aufgeschrieben?
    Diese ist mir spontan eingefallen – wiedermal 🙂 ->
    – Ein indischer Wasserträger trug an einer langen Stange, die quer über seinen Nacken hing, zwei große Wasserkrüge. Einer der Krüge war perfekt und verlor nicht einen einzigen Tropfen Wasser. Der andere Krug hatte einen Sprung, und jedes Mal, wenn der Wasserträger das Haus seines Herrn erreichte, hatte er die Hälfte seines Inhalts verloren. Zwei ganze Jahre lang, Tag für Tag, lieferte der Wasserträger immer nur eineinhalb Krüge voll Wasser bei seinem Herrn ab.
    Natürlich war der perfekte Krug stolz auf seine Leistung. Der gesprungene Krug aber schämte sich seiner Unzulänglichkeit und sprach eines Tages den Wasserträger an, als sie gerade am Fluss Wasser holen wollten: „Ich schäme mich meiner selbst und möchte mich bei dir entschuldigen.“
    Der aber sagte: „Wenn wir zum Haus meines Herrn zurückgehen, möchte ich, dass du auf die wundervollen Blumen achtest, die am Weg wachsen.“
    Und tatsächlich, als sie den Hügel hinaufstiegen, sah der alte gesprungene Krug, wie die Sonne die wunderschönen wilden Blumen am Wegesrand wärmte, und er fühlte ein wenig Freude in sich.
    „Siehst du“, sagte der Wasserträger, „dass nur auf deiner Seite des Weges Blumen blühen? Ich habe Blumensamen nur dort gesät, und jeden Tag, den wir hier entlang gegangen sind, hast du sie bewässert. Zwei Jahre lang konnte ich so das Haus meines Herrn mit wunderschönen Blumen schmücken. Wärest du nicht gewesen, dann wäre meinem Herrn all diese Schönheit verborgen geblieben.“ –
    Weisst Du Löwenmama, manchmal geht man einen Weg, oder hat einen vor sich und sieht nicht viel, weil man vielleicht in einer Situation ist, in der man einfach vor sich hinwurschtelt.
    Oder die einen sehr nach innen richtet und/oder sich nicht gut fühlt. Man geht einfach.
    Und dann passiert etwas, mit dem man nicht gerechnet hat und dies eröffnet neue Sichtweisen und man sieht ganz andere Dinge, für die man vorher keinen Blick gehabt hat…..
    und DU kannst so viele wundervolle Sachen sehen!
    Herzliche Grüsse
    Nicole

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s