Wut – einfach nur Wut

28. Oktober 2014

Ich war heute sehr wütend. Ich war auf der Beerdigung eines 7jährigen aus unserer Siedlung. Er kam bei einem schweren Verkehrsunfall vor einer Woche ums Leben.

Sein Tod macht mich sprachlos. Es gibt keine Worte dafür.

Als ich heute bei der Beerdigung an seinem Grab stand und eine Laterne und bunte Blumen abstellte, seine Familie, Mama, Papa, Geschwister und noch mehr Angehörige daneben stehen sah, ging mir das durch und durch.

Kinder sollten nicht sterben. Sie haben alles vor sich. Sie haben noch nicht mal richtig angefangen zu leben. Sie sollten einfach nicht sterben.

Eltern sollten nicht am Grab ihres Kindes stehen müssen und Geschwister sollten so etwas nicht aushalten müssen.

Kinder sollten verdammt noch mal lachen, spielen, rumrennen, sich am Leben freuen. Aber nicht sterben. Verdammt nochmal nicht sterben.

Meine Gedanken sind bei seiner Familie und eine Kerze brennt hier für den kleinen Martin.

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Es geschah aber auch etwas wundervolles. Ich stand schon angezogen abmarschbereit in der Tür, als ich plötzlich das Bedürfnis hatte, einen Marienkäfer auf die Laterne zu kleben. Ich war hin- und hergerissen, denn es ist _für uns_ ein Symbol. Wenn man so will, ein Zeichen. Aber der Käfer, ein klitzekleiner, mußte noch drauf. Als der Gottesdienst vorbei war, strömten so viele Menschen nach draußen. Ich öffnete die seitliche Tür der Kirche, eine Doppeltüre. Als ich den zweiten Flügel öffnete, fielen mir ganz viele Marienkäfer vor die Füße. Einfach so. Ich konnte es kaum fassen. Es hatte etwas wunder-volles an sich. Es war irgendwie tröstlich.

Dennoch sprachlose Grüße

die Löwenmama

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Gute Gedanken

25. September 2014

Danke für alle guten Gedanken und lieben Worte. Es tut gut zu wissen, nicht alleine zu sein und das unser kleiner Löwe nicht vergessen ist.

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Von Herzen
die Löwenmama

Johannes Sternenreisetag, heute vor drei Jahren

24. September 2014

Verlust bedeutet, zumindest ein klein wenig von etwas gehabt zu haben, das einem viel bedeutet hat.

Es muß sehr viel gewesen sein, selbst wenn es noch so kurze Zeit und so klein war, wenn es schlimm vermisst wird.

Johannes wird ganz schlimm vermisst und auch seine kleine Schwester Elisa, die jetzt etwa viereinhalb Monate alt wäre auf dieser Welt. Aber an Johannes möchten wir heute ganz besonders denken, da heute sein Sternenreisetag ist.

Gestern überlegten wir, was vor drei Jahren war. Johannes war krank, hatte einen Infekt und hatte am Vorabend noch Fieber. Wir machten uns große Sorgen, ob er vielleicht eine Lungenentzündung ausbrütet, was immer die große Gefahr und das Schreckgespenst war. Am Morgen seines Sternenreisetages ging es ihm besser, fieberfrei und wir freuten uns, konnten diese Sorge wieder beiseite schieben. Niemand rechnete damit, nicht an diesem Tag, dass sein kleines Herz um 14.38 Uhr aufhört zu schlagen und er seine Flügelchen bekommt.

Ich war seit der stillen Geburt der Kleinen sehr wenig am Grab. Geplagt von schlechtem Gewissen, aber es ging nicht. Die Physalis hatte sich furchtbar ausgebreitet und einen unglaublich großen und bunten Urwald gezaubert, sodass ich es kaum übers Herz brachte, sie abzuholzen.

Gestern in einer Hau-Ruck-Aktion war es aber soweit und ich hab alles wieder schön gemacht. So schön es eben Hau-Ruck-mäßig ging. Ich denke, es wird meinen Mäusen aber gerecht. Ich bin mit einem zufriedenen Gefühl wieder gegangen und mein großes Mädchen hat so fleißig geholfen. Nun haben wir viele, viele bunte Grüße von den beiden hier bei uns, die uns durch den Herbst und vielleicht auch Winter begleiten werden. Danke dafür, dass ihr die Physalis so schön habt wachsen lassen.

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Im Himmel ist heute eine große Party. Ich bin mir sicher, dass Johannes vor drei Jahren ganz spontan auf eine Party mußte, weil ein anderes Sternenkind von einer uns ganz nahestehenden Mama Geburtstag hatte. Feiert schön Sophias Geburtstag.

Wir sind heute ein bißchen mehr traurig als sonst, vor allem wenn die Uhr 14.38 h zeigt. Aber wir sind weiter tapfer und wissen, dass es Dir da, wo Du jetzt bist, gut geht und Du keine Krampfanfälle, Spastiken und Schmerzen mehr hast. Das du dich bewegen kannst, springen, laufen, sprechen, singen, Essen was und wann du willst und trinken. Das es dir an diesem Ort an nichts mangelt und das wir uns wieder sehen werden. Johannes, Mami und Papi haben noch ihre Zeit auf dieser Welt. Da wo du bist, zählt die Zeit nichts, so wie versprochen geht es bei dir ganz schnell, bis wir uns wieder sehen.

In Liebe

die Löwenmama und der Löwenpapa

Alles liebe zum 4. Geburtstag, kleiner Löwe

14. August 2014

Ich hatte mal einen kleinen Jungen. Ich denke es mir immer wieder. Es war so besonders, ihn im Arm zu halten. Johannes war so ein unglaublich hübsches Kind. Sein mokkabraunes Haar und dazu seine seltsam schönen blauen Augen, die ganz bestimmt einmal hätten anders werden sollen, hätte sein kleiner und so kranker Körper nicht irgendwann in der Entwicklung gestoppt.

Es ist nun sein vierter, der dritte Geburtstag den wir ohne ihn feiern verbringen. Dieses Jahr gibt es keinen Kuchen und kein Geschenk. Es fühlte sich falsch an für uns. Ich konnte einfach keinen backen. Und ich bin auch an nichts rangelaufen, was ich ihm hätte schenken sollen. Für was? Er würde nie damit spielen und den Kuchen kann er auch nicht essen, denn er ist nicht mehr da.

Ich habe gerade meine vielleicht schlechteste Phase. Seit wir seine winzig kleine Schwester zu ihm gelegt haben, war ich nur noch selten am Friedhof. Ich kann einfach nicht hingehen. Es sieht dort fürchterlich aus. Die Physalis, die ich letztes Jahr wegen der hübschen roten Lampions gepflanzt habe, haben das halbe Grab in Beschlag genommen und für sich erobert. Ein richtig kleiner Dschungel. Viel zu viel. Aber in mir drin ist viel zu viel los. Ich kann einfach nicht. Bald werden sie rot, dann nehme ich sie ab, räume alles ab und mache das Grab winterfest. Vielleicht wird im neuen Jahr alles besser anders.

Die Tage erst ging ich mit meinem Mädchen an der Hand im Wald spazieren. Ich fand zwei wunderschöne, schneeweiße Schneckenhäuser mitten auf dem Waldboden vor meinen Füßen. Ein wirklich großes und ein ganz kleines. Mir war klar, das Große ist für meinen Jo und das Kleine für meine kleine Elisa. Jo wird seines heute bekommen. Und das für Elisa bringen wir auch mit. Die beiden gehören zusammen, so wie diese beiden Schneckenhäuser.

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Ich wünsche mir, dass es dort oben bei euch heute eine tolle Geburtstagsparty gibt. Wir wollten einen Ausflug machen, wie jedes Jahr. Aber der ist ins Wasser gefallen. Deswegen gehen wir mit den Kindern einfach zum Baden. Naß ist naß. Lieber wäre es mir, ich könnte mich in eines dieser Schneckenhäuser verkriechen. Das wäre eine treffendere Bezeichnung für mein Stimmungsbild heute.

Aber ihr wisst ja – hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen. Kann ich ja so gut. Mach ja nichts anderes.

Es grüßt herzlich

die Löwenmama

Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weiter gehen

1. Juni 2014

Manchmal geht es ganz gut. Sogar lange Phasen ganz gut. Und dann kommen wieder diese Situationen, wo man so durch‘ s Leben durchstolpert und sich bei jedem Mal Tränen runterschlucken oder heimlich weinen denkt: „Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weiter gehen.“

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*****

Johannes und Elisa haben nun endlich ihren wunderschönen Grabstein Gedenkstein auf’s Grab bekommen. Ich werde die nächsten Tage irgendwann Bilder davon zeigen und ein bißchen was dazu erzählen. Wie es zu diesem Stein kam, was wir alles selbst mit gestaltet haben und was uns was bedeutet.

Es grüßt euch herzlich

die Löwenmama

vET

9. Mai 2014

Heut wäre er gewesen, der voraussichtliche Entbindungstermin. Traurigkeit, die so weit weg ist. 

Klein Elisa, Mama denkt sehr fest an Dich. An euch beide. Ich vermisse euch furchtbar. 

 

*1000 Küsse zu euch nach oben schicke*

Meine Lieblingsfarbe ist bunt

4. April 2014

Ich habe zwei tote Kinder und es hat sich viel verändert.

Ich mußte neuen Mut für ein neues Leben schöpfen.

Ich bin nicht mehr die Gleiche und fühle mich wie ein Schmetterling in der Metamorphose.

Auf zu neuen Ufern.

Neue Maßstäbe setzen. Prioritäten ändern sich.

Neue Träume zu träumen ist schwer.

Sie zu leben und die alten loszulassen noch viel schwerer und es schmerzt.

Meine neue Lieblingsfarbe ist bunt.

Meine Lieblingsmusik ist lebendig und laut.

Ich tanze. Ich singe. Ich lebe.

Ich bin einfach.

Und wachse.

Und ich lerne.

Ich lebe. Anders. Immer mehr anders.

Finde mich immer mehr.

Lerne achtsam mit mir umzugehen.

Achte meine Grenzen und definiere sie klar wie nie.

Ich reife und werde ruhig und gelassen.

Aber es kommt nicht nur von selbst. Ich arbeite daran und es ist mühsam. Und gelingt nicht immer.

Ich bin dankbar dafür und nehme es an.

 

Es grüßt euch herzlich 

die Löwenmama

 

Worldwide Candlelighting – Ein Licht geht um die Welt 2013

8. Dezember 2013

Wie jeden zweiten Sonntag im Dezember beteiligen wir uns auch dieses Jahr am Worldwide Candlelighting – Ein Licht geht um die Welt.

Eltern, Großeltern, Onkels und Tanten, Freunde, Bekannte, … stellen heute Abend – egal wo auf der Welt – für alle zu früh gestorbenen Kinder eine Kerze ins Fenster. Einmal rund um den Erdball wechselt sich das Licht ab und brennt ununterbrochen für unsere Sternenkinder.

Wir sind sehr traurig. Wir hatten noch einmal allen Mut zusammen genommen und waren guter Hoffnung. Wir hatten alles auf eine Karte gesetzt. Leider hatte das Kleine auch Mb Krabbe und wir haben uns schweren Herzens dazu entschieden, die Schwangerschaft nicht fortzusetzen.

Unsere kleine Tochter Elisa wurde am 18.11.2013 in der 16. Schwangerschaftswoche still geboren.

Die Sehnsucht nach so einem kleinen Wunder war so groß. Unsere Hoffnung auch. Wir hatten schon angefangen zu träumen. Seit der Diagnose und der stillen Geburt fühle ich mich bodenlos. Irgendwo zwischen meinen Kindern hier unten und da oben. Auf der Suche nach neuen Wegen. Mal wieder an einer Lebenskreuzung.

Hier brennen heute zwei Kerzen. Eine für unseren Löwen Johannes und eine für unsere kleine Elisa.

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Viel mehr Worte habe ich zur Zeit nicht.

Eure Löwenmama

14.38 h – Heute vor zwei Jahren

24. September 2013

Heute um 14.38 Uhr war es genau zwei Jahre her, dass Johannes seine Flügelchen bekam und sich auf seinen Weg machte. Weg von allen Schmerzen, einem Körper der immer mehr kaputt gegangen ist und der das Leben zur Qual macht.

Heute um 14.38 Uhr war es genau zwei Jahre her, dass alles vorbei war. Das Stille einkehrte. Stille, wo drei Kinder hätten lachen und streiten sollen, wenn… ja wenn.

Johannes fehlt immer noch so sehr. Es ist wirklich unglaublich, was für eine Schneise an Gefühlen der kleine Löwe in unser Leben geschlagen hat.

Heute um 14.38 Uhr war ich sehr still. Gedanklich genau dort, was vor zwei Jahren passierte. Nachfühlend was in mir vorging, als seine Seele aus meinen Armen entflog. Es tut immer noch so unglaublich weh.

Heute Vormittag habe ich für ihn gebastelt. Es war mir wichtig, etwas mit meinen Händen und Gedanken nur für ihn zu machen. Heute Abend haben wir es ihm gebracht und bringt dort an seinem Ort ein wenig Vergangenheit aus der guten Zeit zurück.

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Es grüßt euch von Herzen

die Löwenmama

Johannes 3. Geburtstag

14. August 2013

Johannes wäre heute drei Jahre alt geworden. Vermutlich wäre er ein stolzes fast-Kindergartenkind. Vielleicht wäre er auch schon in die Kleinkindgruppe gegangen. Wenn man eine große Schwester hat, die jeden Tag in den Kindergarten gebracht wird, drängelt man vielleicht so lange, bis man auch endlich „darf“. Aber all das ist nur Grüblerei. Johannes ist nicht mehr da.

Der Tag heute war für mich sehr schwer und ich bin froh, dass er vorbei ist. Ich saß gestern abend noch lange bei Johannes am Grab und habe geweint. Eine fremde Frau setzte sich zu mir und tröstete mich. Das hat mich sehr berührt, denn das ist mir noch nie passiert. Es ging mir einfach so viel durch den Kopf. Drei Jahre zuvor war Johannes noch in meinem Bauch und ich so voller Vorfreude. Dem vollendeten Glück eine Geburt weit entfernt. Ohne zu wissen, was für eine Lawine da schon lange im Rollen ist.

Mein Leben hat sich sehr verändert. Es ist völlig anders, als es mal war. Nicht alles daran ist schlecht. Sicher nicht. Nein, es gibt sogar Dinge, die sind richtig, richtig gut. Ich lerne da ganz neue Seiten an mir kennen. Aber vielleicht wäre ich lieber in meinem alten Leben ohne erweiterten Horizont, mit allen drei Kindern – gesund – geblieben. Aber die Wahl hatte ich nicht.

Wir haben heute sicher das beste aus dem Tag gemacht. Letztes Jahr haben wir uns nicht zugetraut, ihn alleine gut zu überstehen und mit Verstärkung der Verwandtschaft und engen Freunden die Wanderung gemacht. Dieses Jahr wollten wir alleine sein. Sehen, ob wir das auch alleine hinbekommen. Heute morgen saß ich da, weinte, und hielt mich an meiner Tasse Kaffee und natürlich dem Löwenpapa fest. Ich konnte mir nicht gut vorstellen, den Tag halbwegs gut hinter mich zu bringen. Jetzt ist er vorbei und ich bin froh.

Wir haben heute einen Ausflug in eine Tropsteinhöhle gemacht. Die Frau, die die Führung durch die Höhle gemacht hat, zeigte uns einen Tropfstein, der aussieht wie eine mehrstöckige Geburtstagstorte. Die habe ich für Jo fotografiert.

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Ich habe gestern aber auch einen „richtigen“ Kuchen für ihn gebacken, den wir heute Nachmittag gegessen haben.

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Johannes hatte an sienem Grab aber auch Besuch und von seinen Geschenken habe ich ein paar Bilder gemacht.

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Das hier hat er von uns bekommen. Johannes hatte ein WinniePooh-Stehaufmännchen, das klinklonk macht. Das hat er sehr gerne angeschaut. Das mochte er richtig gerne. Auf seinem Grab hat er den Esel davon als Sternenfänger mit einem Netz. Sein Geschenk haben wir in Dänemark im Urlaub gefunden und es paßt perfekt dazu.

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Kleiner Stinker, ich weiß nicht, wie man im Himmel Geburtstag feiert. Aber ich hoffe, Du hattest ein sehr schönes fest. Ich war heute sehr traurig und mir fiel es nicht leicht, den Tag gut zu überstehen. Ich hoffe, Du siehst es mir nach. Mama liebt Dich!

Es grüßt euch

die Löwenmama