„Noch 3 x schlafen, dann kommt Johannes wieder!“

„Noch 3 x schlafen, dann kommt Johannes wieder!“, sagte meine bald 4jährige Tochter gerade zu mir. „Wo ist der Johannes? Ist der Johannes am Friedhof?“, fragte sie. „Mama, holen wir den Johannes morgen wieder ab? Können wir den wieder aufdecken?“

Was sagt man einem so kleinen Kind, das schon so viel und doch zu wenig versteht? Wie erklärt man so einer kleinen Maus, wieso der immer noch so sehr vermisste Bruder, den sie immer noch so präsent hat, der täglich Thema bei ihr, bei uns allen ist, dass Johannes nicht mehr kommt? Das wir ihn eben nicht morgen abholen können, wie von ihr energisch beschworen? Als würde etwas wahr, sagt man es sich nur oft genug vor. Wie erklärt man ihr, dass er von uns vergraben wurde und es so richtig war? Das er unter der Erde liegt und wir ihn nicht mehr aufdecken können.

Man vermeidet ohnehin Formulierungen wie „er schläft“ oder „er war krank“. Man sagt „er war gaaanz schlimm krank“ damit sie nicht denkt, sie stirbt wenn sie nächstes Mal krank ist. Wie erklärt man, dass ein Herz nicht mehr schlägt und eine Lunge keine Luft mehr einsaugt oder ausstößt? Wie erklärt man, was „tot sein“ bedeutet? Und warum man dann vergraben wird, warum man nicht mehr aufgedeckt werden kann und alle so sehr traurig darüber sind. Wo doch alle mal weggehen und dann bald wieder kommen.

Warum dann nicht auch Johannes?

„Mama, morgen tun wir den Johannes aufdecken!“, sagt sie und lächelt mich mit ihren großen braunen Augen erwartungsvoll an…

Wo geht`s hier raus aus dem Fragenlabyrinth ohne Antworten?

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die Löwenmama

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6 Antworten to “„Noch 3 x schlafen, dann kommt Johannes wieder!“”

  1. Nicole Says:

    Liebe Löwenmama,
    ich glaube wir Erwachsenen machen uns viel zu sehr Gedanken um Erklärungen rund um den Tod, denn ich glaube wir interpretieren unsere eigene Trauer in das Gesagte mit hinein.
    Kinder schauen ungeniert hin und fragen ungeniert.
    „Frieren die Toten in ihren Gräbern? Wenn man stirbt, wird man dann wieder geboren? Haben die toten Hunger? Haben sie Langeweile?………“
    Bei uns lösen solche Fragen blankes Entsetzen aus und machen uns betroffen, weil wir das doch alles so nicht sehen wollen.
    Kinder spekulieren wild darauf los…..
    Ich bewundere Kinder, wir sollten von ihnen lernen, nicht sie von uns. Trauer ist für sie noch ganz normal, ein Teil des Lebens, „es ist eben so“, wir Erwachsenen sind leider im Laufe der Jahre so gebrieft, dass das Sterben einfach nicht mehr zum Leben gehört(/en darf).
    Ich denke wir leben in einer Welt die alles heilen will und wenn das nicht, dann in einer Welt die alles verlängern will.
    Das ist unser westliches Denken, in anderen Kulturen gehört der Tod einfach viel selbstverständlicher zum Leben.
    Ich glaube Kinder sind friedlicher mit dem Tod, (noch) versöhnter.
    Kinder die gefragt werden was sie glauben was nach dem Tod ist, gaben solche Antworten wie (aus dem Buch: Erzähl mir was vom Sterben):
    -Man kommt dahin, wo man herkommt.
    -Ich habe Angst vor dem Tod, freue mich aber darauf, alle
    wiederzusehen.
    -Der Himmel ist weiss mit blauen Punkten.
    -Ich glaube man ist federleicht und kommt überall hin, selbst durch
    die Schlüssellöcher, durch die ich immer mal gucke.
    -Nach dem Tod kriegt jeder Mensch eine neue Seele.
    -Ich denke, meine Seele lebt in Frieden. Und ich schlafe wie ein Bär.
    Liebe Löwenmama, ich habe keine Antworten auf Deine Fragenlabyrinth Fragen.
    Ich möchte Dir auch nichts raten, denn Du weisst selbst was für Dich/Euch am Besten ist.
    Aber ich glaube, wenn man einfach ehrlich und authentisch ist, dann leiden Kinder im Alter Deiner Kleinen nicht so sehr. Denn sie sind noch so eingebettet im Guten des Lebens. Weisst Du was ich Dir sagen will?
    Hier wieder was vom kleinen Prinzen:
    „Sein Körper, der ihn auf der Erde festhält, ist tot. Er ist jetzt ohne Gewicht und kann deshalb zu seinen Stern heimkehren…..
    Der Körper ist erdgebunden. Nur als Geist kannst du so einfach von Stern zu Stern springen.“
    Ich finde den Gedanken schön, dass Kinder die gestorben sind, miteinander von Stern zu Stern springen.
    Ich grüsse Dich von Herzen ❤

  2. Muschelsucher Says:

    Die Sehnsucht ist so groß und es ist schön, daß sie da ist, wenn es auch so schmerzhaft ist.

    Da helfen auch keine „korrekten Antworten“, sie können die Sehnsucht und die Suche nach einem Ausweg nicht stoppen.

    Gegen die Sehnsucht hilft auch kein Verstehen. Das Vestehen führt doch nur dazu, daß man die Fragen nicht mehr laut ausspricht.

    Seid alle umarmt.

    Liebe Grüße

  3. "ella" Says:

    Liebe Löwenfamilie! Ich denke heute besonders fest an euch und euren Sternenjungen. Ich weiß gar nicht, was ich wünschen soll an einem solchen Tag. Was wünscht man an einem Tag, der ein sehr schöner sein sollte und doch ein trauriger ist?

    Ich wünsche euch einfach, dass heute neben den Tränen und der Trauer auch ganz viele schöne Momente in euer Bewusstsein kommen, die ihr mit eurem Jungen erlebt habt, dass ein paar Sonnenstrahlengrüße eure Herzen kurz hüpfen lassen und dass ihr euch aufgefangen fühlen dürft im Kreis von Menschen, die ihr liebt.

    Alles Liebe kleiner Löwenjunge!!

    ella

  4. Simon Says:

    Alles liebe kleiner Löwe! Hab ein Auge auf Deine Mama an diesem besonderen Tag und schick ihr mal wieder ein paar Marienkäfer oder einen Regenbogen…oder einfach beides!

  5. Sandra Says:

    Liebe Löwenmama,
    seit wenigen Monaten bin ich stille Mitleserin und tief berührt von eurer Geschichte. Heute möchte ich nicht still wieder gehen, sondern sagen, dass ich heute ganz besonders an euch denke. Ich hoffe, ihr habt aus diesem Tag totz des Schmerzes einen besonderen machen und auch die schönen Erinnerungen vielleicht ein wenig genießen können.

    Lieber Löwe,
    ich hoffe, du hattest an dem Ort, an dem du jetzt bist, einen schönen Geburtstag. Ich bin sicher, du bist heute noch näher bei deiner Familie als du sowieso immer bist. Vielleicht hast du deiner Mama ja mit ein paar warmen Windböen gegrüßt?

    Liebe Grüße

  6. Inka Says:

    Wir haben heute an euch gedacht, mit Johannes im Herzen. Eurem und unsrem. Und auch ganz besonders an dich Löwenmama.

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