Amputierte Mamaliebe

Seit Tagen verspüre ich es – so ein großes Verlangen nach Babyduft. Nach kleinen weichen Füßchen und nach Patschehändchen. Nach so schmusigen Babybacken und duftigem, fusseligem Haar. Ein kleines Köpfchen, das an der Fontanelle so herrlich duftet.

Ich dachte, ich habe Kinderwunsch. Aber mir wurde klar, nicht nach irgendeinem Baby.

Ich will nur Johannes.

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Johannes ganz frisch geschlüpft im ersten tiefen Schlaf. Willkommen auf der Welt, kleiner Mann!

 

Ich hatte doch diese Patschehändchen – auch wen sie nie gepatscht haben. Hatte diesen Wunsch, wir beide, der Löwenpapa und ich. Haben alles auf uns genommen. 10 lange Mondmonate lang wuchs er unter meinem Herzen. Dann die Schmerzen der Geburt. Alles egal. Der Duft dieser kleinen, weichen Haut, das Bestaunen eines so kleinen, wunderbaren Wesens. Mit den Lippen ganz sanft diese schmusige Kuhle an seiner Nasenwurzel küssen. Das nicht mehr zu haben, obwohl man es hatte, alles dafür getan hat. Alles dafür getan hätte, was man nicht mehr tun konnte. Das ist amputierte Mamaliebe.

Ich würde sehr gerne irgendwann nochmal so ein kleines Wunder erleben dürfen. Aber ich bin noch nicht frei dafür. Und ich weiß nicht, ob ich es jemals werde. Frei zu sein für dieses „irgendeine Baby“, das nicht Johannes sein wird. Und ich weiß nicht, ob ich den Mut aufbringen würde.

Wie hoch ist der Preis für so eine Schwangerschaft? Es könnte wieder krank sein. Dann würde ich es nicht bekommen. Das ist eins, was ganz sicher ist. Davon würde ich mich auch von niemandem verurteilen lassen. Denn die, die den Finger ausstrecken würden, hätten es nicht erlebt. Es könnte auch alles gut gehen. Aber es wären so viele Wochen, bis man etwas wüßte. Viele, viele Wochen. Das muß man auch er-tragen können. Es würde mich ver-rückt machen. Ver-rückt vor Angst. Könnte mich nicht daran freuen. Schwanger auf Probe. Oder doch einfach nen Haken drunter machen? Es aus dem Kopf schlagen? Da steht das Mamaherz wieder im Weg.

Was ist richtig? Was ist falsch? Ich weiß nur, dass sich grad vieles falsch anfühlt. Vor allem amputierte Mamaliebe.

Es grüßt euch

die Löwenmama

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10 Antworten to “Amputierte Mamaliebe”

  1. Koala Says:

    Ich bin keine Mama, aber es zerreißt mir das Herz. Du bist so eine fühlende Frau. Du hast so vielen Menschen etwas voraus. Ich lese in dem Forum, in dem du aktiv bist, und habe eure Geschichte fast von Anfang an verfolgt. Tiefe Bewundernung.

  2. tigerundbaer Says:

    😦

  3. K. Says:

    So, so, so ungerecht 😦

  4. Nicole Says:

    Liebe Löwenmama,
    ich kann nicht beurteilen wie schlimm, wie grausam, wie gruselig es sich anfühlen muss, wenn das, das man am meisten liebt, stirbt und man vor einem grossen Loch steht.
    Wenn man sein Leben neu sortieren muss, neue Lebensentwürfe entwerfen muss und nicht nur das Kind betrauert, sondern auch ein Leben, bzw. eine Zukunftsvorstellung vom Leben das so nicht hätte verlaufen sollen……im Kopf hatte man ganz andere Vorstellungen…..
    Alles was ich schreiben kann, sind hilflose Worte, die doch nicht ganz nachvollziehen können, wie schlimm sich das alles anfühlen muss…..
    Und doch lese oder sehe ich immer wieder was, oder denke an gelesenes und muss an Dich denken.
    Denke spontan : Das passt zur Löwenmama !
    Oft lese ich hier in Deinem blog von Deinem Wunsch nach einer Grossfamilie, nach viel Kinderlachen in Deinem Zuhause.
    Und oft lese ich Deine (verständliche) Angst und Deiner Traurigkeit, weil Dir (Deine Worte) „der Genschrott“ ein Brett vor den Kopf gehauen hat.
    Du frägst Dich ob Du jemals noch mal den Mut haben wirst ein neues „Wunder“ in Deinem Leben zu zulassen.
    Ich möchte Dir heute die Geschichte vom Strassenfeger dalassen.
    Ich finde sie passt zu Dir…..

    -Die Strassenfeger Geschichte-

    Manchmal hat man eine sehr lange Strasse vor sich.
    Man denkt, die ist so schrecklich lang;
    das kann man niemals schaffen, denkt man.
    Und dann fängt man an, sich zu eilen.

    Und man eilt sich immer mehr.
    Jedes Mal, wenn man aufblickt,
    sieht man, dass es gar nicht weniger wird,
    was noch vor einem liegt.

    Und man strengt sich noch mehr an,
    man kriegt es mit der Angst,
    und zum Schluss ist man ganz ausser Puste
    und kann nicht mehr.

    Und die Strasse liegt immer noch vor einem.

    So darf man es nicht machen.
    Man darf nie an die ganze Strasse denken,
    verstehst du?

    Man muss nur an den nächsten Schritt denken,
    an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich.
    Und immer wieder nur an den nächsten.

    Dann macht es Freude; das ist wichtig,
    dann macht seine Sache gut.
    Und so soll es sein.

    Aus Momo von M. Ende

    Liebe Löwenmama, vllt. kannst Du, wenn einige Zeit vergangen ist auch nur den einen Besentrich nach dem anderen tun.
    Vllt. kannst Du irgendwann auch nur an den nächsten Schritt und den nächsten Atemzug denken.
    Nur das und sonst nichts.
    Die Zukunft liebe Löwenmama – was ist richtig, für heute, für morgen, für in ein paar Jahren……
    Vllt. ist das gar nicht so wichtig, das macht manchmal nur Angst……
    Der nächste Besenstrich,der nächste Schritt der nächste Atemzug…..

  5. Margit Says:

    Liebe Löwenmama,

    ich mag hier nicht einfach wieder raus gehen, ohne Dir wenigstens zu sagen, dass ich Dir von ganzem Herzen glaube, dass das alles furchtbar schwer ist.

    Ich wünsche Dir und Deiner Familie alles, alles Gute.

    P. S. Und das Foto von Johannes „im ersten tiefen Schlaf“ ist so unglaublich schön, dass es schon fast wehtut.

  6. Kerstin Says:

    Liebe Löwenmama,
    ich kann nicht viel sagen, außer das ich dich wirklich bewundere. Dir ist das Schlimmste passiert, was einer liebenden Mama nur passieren kann und trotzdem gibst Du nicht auf. Du bist eben eine echte Löwenmama.
    Das Bild vom Löwen ist unglaublich schön. Vielen Dank dafür.

    lg. Kerstin

  7. Muschelsucher Says:

    Laß Dich drücken!

    Liebe Grüße

  8. kama Says:

    Liebe Löwenmama,
    wir haben uns (hier) schon so lange nicht mehr „gemeldet“ – aber in Gedanken sind wir täglich bei dir, bei euch.
    Es ist manchmal so schwer die richtigen Worte zu finden (gibts die überhaupt???). Fühl dich einfach ganz, ganz fest gedrückt – und hier brennt auch heute wieder ein Lichtlein für Jo!
    Liebe Grüße
    kama
    P.S. Die Straßenfegergeschichte ist einfach schön………

  9. bianca Says:

    Liebe Löwenmama ,am heutigen Muttertag , denke ich ganz besonders an Dich und glaube fest daran ,das Löwenbaby sich extra viel Mühe gibt um seiner geliebten Mama Zeichen der Liebe zu schicken…………hoffentlich erkennst du sie Liebste Grüsse Bianca

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