Schneelöwe

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Gestern war ich nicht beim Löwen. Es ist für mich noch ziemlich neu, ihn nicht jeden Tag zu besuchen, aber ich kann langsam etwas besser damit umgehen. Ich schau normalerweise jeden Tag einmal zu ihm, das ist mir auch sehr wichtig. Ich brauche das! Aber gelegentlich kam es jetzt schon vor, dass es einfach nicht gut möglich war. Da flossen auch mal Tränen und eine große Hilflosigkeit machte sich breit.

Ich wollte aber auch nicht, dass es sich zu einem Zwang entwickelt. Ich habe mich gefragt, wie ich dem begegnen würde, wenn jemand anderes so fühlen würde. Ich würde demjenigen sagen, dass es sich gut anfühlen soll, dorthin zu gehen. Und das man es tun sollte, weil es einem gut tut und nicht weil man muß. Es wäre nicht richtig ein schlechtes Gewissen zu haben, weil man nicht dort war. Und das hatte ich. Eine Kerze neben seinem Bild hier am Tisch hat da nicht gereicht.

Das fühlte sich für mich nun nicht mehr gut an, das die Welt schier unterging, wenn ich nicht dort war. Aber es gibt einfach nunmal Siutationen, da wäre es nicht richtig, es mit Biegen und Brechen durchzusetzen, wenn es eigentlich grad gar nicht geht, wenn ich z.B. mein Mädchen extra wecken müßte um zum Friedhof zu fahren oder es arg weint, weil es jetzt einfach nicht wegfahren möchte sondern weiter spielen, wenn ich riskieren würde liegenzubleiben, weil die Straßen so schlecht sind, … .

Gestern war es der Schnee, der mich nicht hat fahren lassen. Es hat sooo viel geschneit und die Straßen waren wirklich in einem schlechten Zustand und ich habe mich nicht auf den Weg gemacht.

Heute morgen hatte ich schon arg zu kämpfen und ordentlich nasse Hosenbeine, bis ich zu seinem Grab kam. Der Schnee lag so richtig hoch und die dritte Laterne, die mit dem kleinen Babylöwen drauf, konnte ich gar nicht mehr sehen, so eingeschneit war alles.

„Kleiner Löwe, auch wenn ich Dich mal nicht besuche, ich habe Dich nicht vergessen! Aber das weißt Du… Mami liebt Dich!“

Eingeschneite Grüße

die Löwenmama

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9 Antworten to “Schneelöwe”

  1. Maren Says:

    Ich bin sicher, der kleine Löwe hat dafür Verständnis und mal ehrlich, man muss nicht Leib und Leben aufs Spiel setzen, um zum Friedhof zu kommen. Damit ist niemandem geholfen und Dein Sohn würde das sicher auch nicht wollen, wenn Du auf einmal im Schnee stecken bleibst oder so.

    Ich denke, es ist wie mit den Satz „home is, where the heart is“. Man kann ganz sicher überall trauern. Vielleicht hier oder dort besser. Jeder wird da andere Ansichten und „Vorlieben“ haben. Aber für mich waren z.B. noch nie der Friedhof und die Gräber DER Punkt, wo ich hin musste, wo es mich hintrieb.

    Insofern, hab kein schlechtes Gewissen. Das würde der Kleine sicher nicht wollen. Kann ich mir einfach nicht anders vorstellen.

  2. tjorven Says:

    Du bist immer bei ihm, ganz egal, wo du grad bist!

  3. Silke Says:

    ….Nein, kein schlechtes Gewissen!!

    Das ist Familie, Leben in einer Familie, wenn eigene Interessen und auch die Interessen der Kinder untereinander mal zurückstehen müssen. So steht der Besuch beim Kleinen Löwen mal hinter Deinem spielenden Mädchen zurück und Dein Kleines Mädchen wird dafür an einem anderen Tag für einen Besuch beim Kleinen Löwen mit irgendetwas, dass Sie vielleicht lieber täte warten oder auch auf es verzichten müssen. Ich bin mir sicher, es hält sich die Waage.
    Aber dieses ist sicherlich keine Grundlage für ein schlechtes Gewissen. Keiner sollte permanent auf der Strecke bleiben (auch Du nicht), denn dann kann der Familienverbund nicht mehr gesund funktionieren.

    Ganz liebe Grüße,
    Silke

    • loewenbaby Says:

      Ich weiß das! Nach seinem Tod war es das einzige, was ich aktiv noch für ihn tun konnte. Basteln, kommen, Kerzen anzünden. Das erste Mal nicht kommen war wie ein Verrat. Aber es ist idiotisch. Nur an ihn zu denken, egal wo, ist nicht weniger wert.

  4. Silke Says:

    Nein, nicht idiotisch. Nur allzu menschlich, denke ich. Und wenn Du letzten Endes auch fühlst, dass es für Dich in Ordnung ist, an ihn zu denken, anstatt zu ihm zu fahren, dann ist das sehr gut. Andersherum verstehe ich auch das „für ihn aktiv sein wollen“ so gut. Es berührt mich halt nur so sehr, zu lesen, dass Du ein schlechtes Gewissen hast/haben könntest…..Hmm, irgendwie find ich jetzt gerade die richtigen Worte nicht mehr….ich wollte Dir auch nicht auf die Füsse treten (weil Du hinter das „Ich weiß das!“ ein ! gesetzt hast)….nur eben das schlechte Gewissen nehmen…. :-/….irgendwie…..

  5. Silke Mohr Says:

    Mir ging es genauso ich mußte auch jeden zweiten Tag auf den Friedhof zu meiner Karina es war wie ein Zwang, dann hatte ich wieder innerlich meine Ruhe 28 Jahre ists her
    uns hatte damals niemand gesagt dass wir das Grab kaufen können für immer , so wurde es nach 11 Jahren weg gemacht es war schrecklich abräumen konnte ich es damals nicht es war für mich ich trage meine Karina zum 2. mal auf den Friedhof seit dem war ich auch nicht mehr dort

  6. Gerda Hirsch Says:

    Hallo liebe Löwenmama,

    ich bin mal wieder zu Tränen gerührt, wenn ich hier deine Zeilen lese.

    Ich möchte Dir heute eines da lassen.

    Ich bewundere Dich für Dein vorwärts schreiten, in deinen Zeilen lese ich soviel Liebe, Du bist eine ganz tolle, starke und besondere Frau und Mutter.

    Alles bissel durcheinander geschrieben 🙂

    Ich sende Dir ganz herzliche Grüße

  7. Nicole Says:

    Bleiben wir doch einfach noch einmal bei Konfuzius, denn dieser hat gesagt :

    „Wohin du auch gehst, geh mit deinem ganzen Herzen“

    Ich zitiere Dich vom 12. Feb.:
    Ich lerne. Mich kennen. Zu werden. Zu sein. Der Weg ist das Ziel.

    Das Gehen aus Konfuzius Zitat kann man in meinen Augen auch als „werden“ betrachten. Und wenn man neu oder anders wird, dann bekommt man glaube ich auch neue Sichtweisen.
    Und man geht neue Wege…..und das ist gut so und hat nichts mit vergessen zu tun !

    Und Du hast am 12. Feb. geschrieben der kleine Löwe hat Dir beigebracht das Wesentliche im Blick haben.
    Ich denke ich liege nicht falsch, wenn ich sage, dass er kleine Löwen zum Wesentlichen gehört.
    Du hast ihn immer im Blick, er ist nicht weg.
    Auch wenn Du mal nicht an seinem Grab bist, so ist er da,
    eben „im Blick“ und das mit ganzem Herzen.
    Und das ist so schön und überhaupt kein Grund für ein schlechtes Gewissen.

    • loewenbaby Says:

      Liebe Nicole,

      danke für diesen sehr wertvollen Gedanken! Von der Seite habe ich es tatsächlich noch nie gesehen. Du hast absolut recht!

      Viele liebe Grüße

      die Löwenmama

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