Spießrutenlauf

Heute war Laternenumzug und ich bin mit meinem Mädchen hingegangen. Wie habe ich das bereut. Das war mal wieder der reinste Spießrutenlauf und ich habe gespürt, dass ich noch nicht wirklich gesellschaftstauglich bin. Am Straßenrand viele Menschen, viele, die ich kannte. Viele mitleidige Blicke aber auch alte „Bekannte“ von ehemaligen Kindergartenfreunden meines Sohnes, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe. Die haben das wohl zum Teil nicht gewußt, so wie die auf mich zugeganen sind. So fröhlich und offen, frisch, fromm, fröhlich, frei. Ich bin zur Zeit nicht gut im Smalltalken und wirke sicher einfach nur unfreundlich. Es ist mir aber wurscht. Sollen sie sich das Maul zerreissen.

Ich kann das einfach noch nicht, habe schiß davor, dass zuviel auf mich einstürmt. Schaue am liebsten nur zu Boden, nicht links, nicht rechts. Ja keinen sehen, ja keinen grüßen müssen, will nicht reden, gar nicht. Weder über den Löwen, noch wo mein Sohn ist, warum er nicht dabei ist, ob die Oma auf ihn aufpaßt (nein, der liebe Gott oder wer auch immer, verdammt nochmal!)

Alle um mich rum lachten, waren fröhlich. Ratschten und tratschten. Es war mir zuviel. Zu laut. Ich will nicht ratschen. Ich will auch nicht tratschen. Ich will meine Ruhe. Etwas viel verlangt, wenn man sich ins Getümmel stürzt…

Gestern war ich nicht beim Löwen. Ganz bewußt nicht. Nicht, weil ich es vergessen hatte oder es mir nicht gut reinpaßte. Ich wollte wissen, wie es sich für mich anfühlt, wenn ich mal nicht dort war. Es fühlte sich schrecklich an. Heut war ich wieder und hab so geheult. Der Impuls, zu ihm zu fahren, war so wahnsinnig stark. Ein Käferchen saß wieder auf den Pflanzen bei ihm, aber solche, die genau das Pendant zum Marienkäfer sind, nämlich dunkel mit roten Punkten. Ich mußte schmunzeln. Wie nett.

Eins hat mich heute noch richtig gefreut – das Mädchen-Zimmer ist endlich fertig. Bis auf die Vorhänge, die muß ich noch kürzen. Ansonsten ist es fertig entchaost, Staub gewischt, Boden gewischt und gesaugt und eingeräumt. Mein Mädchen ist ganz selig, wir haben einen Raum mehr bewohnbar. Jetzt blüht mir nur noch oben die Diele. Wenn ihr wüßtet, wie es da aussieht… für mich war das heute wieder wie Mb Krabbe ein Stück weit mehr aus dem Haus vertreiben.

Fremde Babies machen mir gerade sehr zu schaffen. Sie wirken auf mich wie Aliens. Für mich ist es inzwischen gar nicht mehr normal, dass ein Baby einen Muskeltonus hat und seinen Kopf ganz allein halten und sogar bewegen kann. Ich bin so weit weg von gesund. Ich muß sie immerzu anstarren, aber wieder wegsehen, weil es mich so irre abdriften läßt. Aber dem entkommt man kaum…

Ich bin hundemüde und laß einen lieben Gruß da von eurer zerstreuten und im (Lebens-)Chaos befindlichen

 

Löwenmama

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8 Antworten to “Spießrutenlauf”

  1. Daria Says:

    …unsere Diele könnte es bestimmt mit Eurer aufnehmen 😉
    Ich grüße Dich,
    Daria

  2. Arina Says:

    Wir waren am Sonntag am Waldrand entlang spazieren. Ich hab noch nie so viele Marienkäfer gesehen. Da schwirrten tausende in der Luft. Musste dabei an Dich denken.

    LG Arina

  3. Gerda Hirsch Says:

    Liebe Löwenmama,
    ich finds sehr tapfer von Dir das du mit deinem Mädchen zum Laternenumzug gegangen bist.
    ich kanns mir gut vorstellen wie du dich gefühlt hast, ich bin ja schon im normalzustand nicht besonders alltagstauglich.vielleicht schon alltagstauglich, aber ich fühle mich einfach zu den meisten nicht zugehörig, so anders denkend.

    Schön das du deinem Mädchen das Zimmer entchaost hast, ich finde solche Aktionen tun sehr gut, auch der Seele.

    Du hast gefragt wo Deine innere Ruhe hin ist.
    Ich fände es eher beunruhigend, wenn Du nach all dem was Du mit deinem kleinen Löwen durch hast, in Dir ruhen würdest.

    Ich Grüß Dich ganz lieb,
    Gerda

  4. Mandy Lorz Says:

    Liebe Löwenmama du bist stärker als du denkst, ich bewundere dich für deine Kraft und deine Nerven, dich so einer Situation zu stellen, denn grad ein Lampionumzug ist eine starke Form von Menschenmassen ob gross, klein, jung oder alt.
    Meinen höchsten Respekt vor dir und deinem Herzen, denn nur eine Mutter hat diese Kraft weiter zu machen.

    Schön das ihr das mit dem Zimmer für dein Mädchen hinbekommen habt.

    Vielleicht ist die Diele gerade wie du, es braucht Zeit um Ordnung ins Chaos zu bekommen.

    Ich drücke dich ganz doll und schicke dir viel Herzenswärme und Sonnenstrahlen für deine Seele.

    LG LadyA.

  5. Mimo Says:

    Löwenmama,

    ich bewundere deinen Mut und deine Willensstärke. Fühlt sich an wie ein Sprung ins Haifischbecken. Auch wenn es sau schwer fällt bringt dich jeder Schritt, jeder Tag ein Stück aus dem Chaos heraus. Ich glaube, dass dein Schmerz auch ein Ausdruck deiner Liebe zum Löwen ist. Bewahre dir deine Liebe zu ihm. Verzeih mir die Frage aber warst du wegen deinem Mädchen da oder wolltest du diese Erfahrung auch herausfordern?

  6. last magister Says:

    hallo du,
    ich habe gerade deinen blog von anfang an gelesen und wollte dir nur sagen, wie leid mir das tut, was euch passiert ist. ich kann dir nur kraft wünschen und dass es irgendwann leichter wird. mach dir nicht so viel gedanken, was die anderen denken. wenn es ihnen wichtig ist, werden sie schon von jemandem erfahren, warum es dir nicht gut geht und dann alles verzeihen. auf leute, denen das egal ist, kann man verzichten. haltet zusammen und macht euer ding. und wenn ihr irgendwann laut kichernd durch die straßen lauft, dann ist das der hammer und alle sollten sich für euch freuen. es ist wie es ist schlimm genug.
    ganz viel kraft und liebe grüße

  7. Kerstin Says:

    ich find es auch toll, das Du mit deinem Mädchen dorthin gegangen bist. Lass die anderen denken was sie wollen….. Ich hatte letztens einen Marienkäfer im Auto, er blieb solange sitzen, bis ich angehalten und ihn auf eine Wiese gesetzt hab. Ich musste dabei an euch und den Löwen denken. 🙂

  8. Gerda Hirsch Says:

    Liebe Löwenmama,

    ich möchte Dir noch was kleines schreiben.
    In deinem letzten Beitrag beschreibst Du dich alls Mama wie Du warst, vor der Krankheit und vor des Löwens Tod.
    Es ist so wunderschön wie Du dich beschreibst, wie Du es gewuppt hast mit deinen Kiddies.
    Ich bin auch eine Tragetuch verliebte und Langzeitstillende.
    Ich glaube der kleine Löwe hat ganz bewusst Dich ausgesucht liebe Löwenmama.
    Die starke Löwenmama mit so viel Liebe im Herzen.

    Gerda

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