Die Ruhe in mir – wo ist sie hin?

In mir ruhend. Ich bin seit langer Zeit das Gegenteil davon. Ob ich jemals so richtig in mir ruhend war, weiß ich nicht. Ich bin sehr wuselig, aber ja, so eine innere Ruhe hatte ich mal. Und Nerven wie Drahtseile. Viel Trubel um mich rum hat mir nie viel ausgemacht.

Ich war die Mama, die zwar etwas chaotisch war, aber immer mit dem Steuer fest in der Hand. Ganz easy den Großen zum Fußball begleiten, mit dickem Bauch mein Mädchen auf dem Rücken im Tragetuch, irgendwann den Löwen vorne im Arm und mein Mädchen schlafend am Rücken, Tandemstillend, am liebsten ein Kind hinten, ein Kind vorne im Tuch. Alles immer irgendwie im Griff. Das vierte Kind nicht im Kopf, aber schon im Herzen. Schon irgendwie geplant. Ich wuppe das alles. Egal was da kommen mag, mich kriegt das nicht klein. Egal, ob ich zwei Stillkinder hatte, ob ich sie tags oder nacht am besten noch beide gleichzeitig gestillt habe – alles kein Problem.

Und dann war da der Löwe. Und das Leben hat mich …mich… kleingekriegt. Von meinem alten Ich ist kaum mehr was übrig. Ich bin ein ruheloses und kaum belastbares Etwas, das mit seinem grad pillepalle-Leben schon total überfordert ist, mal bezogen auf den Haushalt.

Irgendwann ist da dieser dumme, dumme Mb. Krabbe gekommen und hat mein Leben in eine Kiste gesteckt mit allem was dazu gehört und es ganz wild durcheinandergeschüttelt. Deckel drauf und schütteln was geht und dann den Inhalt so durcheinander wie er ist auf den Boden geworfen. Ausgekotzt vom Leben. Und jetzt macht mal.

Und mit des Löwen Tod ist nochmal alles durcheinandergeschüttelt und jetzt sollen wir schauen, was draus wird. Uns ist immer noch ganz schwindlig vom Schütteln, immer noch orientierungslos. Schutzlos kommen wir uns dabei vor. Defragmentieren ohne Programm dazu. Wie soll das gehen?

Alles durcheinander. Der Große zickt. Mein Kopf ist wirr. Mein Mädchen wild. Und der Löwe nicht mehr da. Mein ganzes Traumleben im Arsch.

Heut ist der erste Tag, wo ich den Löwen nicht besucht habe. Ich wollte mal wissen, wie ich damit zurecht komme und mir gehts ganz mies. Die Kerze von gestern brennt noch und meine Mama hat vorhin nochmal eine angezündet. Das ist mir wichtig, das Licht brennt. Aber da kann ich so viel an ihn denken, wie ich will. Ach verdammt, er fehlt mir halt so.

Es grüßt euch heut mit mieser Laune aus dem Chaos

die Löwenmama

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8 Antworten to “Die Ruhe in mir – wo ist sie hin?”

  1. Bianca Says:

    Für jemanden, der so stark ist wie Du ist die Erkenntnis von Schwäche ganz besonders schlimm. Und unerwartet. Und wirft völlig aus der Bahn. Ein Gefühl von Ausweglosigkeit und dass all das nicht mehr umkehrbar ist.

    Ich glaube aber sicher, dass es das ist. Und dass Du Deine „alte“ bzw. eine völlig neue Stärke gewinnen kannst.

    Geboren aus einer unvorstellbar schrecklichen Situation. Und trotzdem (hoffentlich) in momentan unvorstellbar weit entfernter Zeit ein Plus an Kraft. Eines, das man in der Form nie haben wollte, das man aber trotzdem hat und das für immer bleibt.

    Ich wünsche Euch so viel Kraft…

  2. aliena Says:

    Liebe Löwenmama,
    .. Du fühlst dich kleingekriegt und wirkst auf mich doch immer und immer wieder so unglaublich groß und stark. Aber das ist der Eindruck, der _bei mir_ ankommt. Für dich zählt, was _du_ fühlst. Und daran kann ich nichts ändern. So gerne ich das auch möchte.
    Eine Umarmung aus der Ferne. Und immer wieder Gedanken und gute Wünsche an dich und dein Leben. Schlaf ein bisschen gut heute Nacht.
    aliena

  3. MaLeDiSa Says:

    Liebe Bridschie,

    ein Gedanke kam mir beim Lesen.
    Für mich hat das Leben dich nicht klein gekriegt.

    Du machst weiter, du kämpfst, du lebst für deine Familie und du machst weiter, du machst weiter, jeden einzelnen Tag.
    Trotzdem hast du alles Recht der Welt dich scheiße, ausgekotzt und schutzlos zu fühlen.
    Ich hoffe für dich, für euch, dass sich bald alles besser anfühlt, nicht mehr so durcheinander, mehr sortiert, ruhiger.
    Vielleicht ist morgen ein besserer Tag.

    Ich schicke dir ganz viel Kraft.

    Maika

  4. die grüne K. Says:

    Ich mag dich einfach mal drücken!

  5. Blubbel Says:

    Liebe Löwenmama,
    Bianca oben hat im Grunde alles geschrieben, was mir auch durch den Kopf gegangen ist.
    Ich denke oft an euch, bei jedem Käferchen, das ich die letzten Tage gesehen habe und eines saß auh bei mir in den Haaren und ist draußen dann weitergeflogen :).
    Ich drück euch auch virtuell und stelle ein Lichtchen in Gedanken für den Löwen neben deines.
    Blub

  6. Mimo Says:

    Löwenmama,

    es ist dein gutes Recht dich so zu fühlen. Besteh darauf und lass es dir von niemanden nehmen. Verliere dich nicht. Deine alte Stärke steckt noch in dir, nur eben irgendwo geparkt. Du wirst sie wiederfinden. Eines Tages. Und wer weiß, vielleicht wird aus dem, was du schon im Herzen getragen hast, einmal neue Hoffnung keimen. Es würde dem Löwen wohl gefallen.

    Lieben Gruß
    Mimo

  7. impatient Says:

    ich schließe mich der grünen an und drück dich einfach mal ganz fest

  8. lotterleben Says:

    Für mich ist Stärke nicht unbedingt, einfach alles weiter zu wuppen, als wäre nichts gewesen. Ich finde es ehrlich gesagt viel stärker, sich diesem Lebens- und Gefühlschaos zu stellen, es zu artikulieren, zu sehen, zuzulassen, dazu zu stehen, daß eben nichts in Ordnung ist. Diese Seite hat Stärke meiner Meinung nach auch.

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