„Du trägst den Löwen immer in Deinem Herzen“

Dieser Spruch im Titel begleitet uns ständig. Es soll wahrscheinlich ein tröstender Gedanke sein und  bitte, wer das mal gesagt oder geschrieben hat, das ist total ok, denn ihr wolltet ja was tröstendes sagen/schreiben und das ist mehr als schwer die richtigen Worte zu finden, denn was ist schon richtig. Mir ist lieber was sagen und vielleicht für mich nicht die richtigen Worte zu finden, für wen anderes kann es ja tröstlich sein und umgekehrt, als wegzuschauen und mich stehen zu lassen. Ich wollte aber einfach generell ein paar (meine) Gedanken dazu loswerden.

Für mich ist das – zumindest für den Moment – gar kein tröstlicher Gedanke, den Löwen „für immer in meinem Herzen und bei mir“ zu tragen. Ich würde ihn x mal lieber in meinem Arm tragen und in meinem Herzen ist verdammt weit weg. In meinem Herzen tut mir gerade nur weh. Es zerreisst mich. Es soll in mir sein. An meiner tiefsten Stelle. Aber dann würde es doch nicht nur weh tun.

Unter meinem Herzen trug ich ihn 10 Mondmonate lang. Unter meinem Herzen war er ja da, ich habe ihn gespürt. Wir konnten streicheln, stupsen, uns fühlen. Er war zwar in mir drin, aber da.

Jetzt soll er in meinem Herzen sein und ich trag ihn immer bei mir? Das kann ich so nicht fühlen. Vielleicht irgenwann. Aber jetzt nicht. Er liegt in seinem kalten, dunklen Grab, das auch mal meins sein wird. Ich bin jeden Tag dort und ihm näher, obwohl so viel Erde zwischen uns liegt, als wäre er in meinem Herzen.

Ich häng grad durch. Ich höre mich lachen und weine innerlich. Ich reisse Witze, die ich gar nicht lustig finde. Ich laufe aufrecht und fühle mich innerlich so gebrochen.

Es tut so gut, dass alle für mich da sein wollen. Ich möchte mir, aber auch den anderen gerecht werden. Aber mein Leben überfordert ich. Hier sieht es aus wie Sau, soviel Unordnung der letzten Monate, der ich nur langsam beikomme. Es tut gut, rauszukommen. Aber ich hab fast zu wenig Zeit, um überall hinzukommen, wo ich hin will. Nicht hin muß, sondern hin will. Wo ich anrufen möchte. Nicht muß, sondern möchte.

Das Leben überflutet mich gerade, es reißt mich mit. Keine Rettungsweste. Sturmflut und ich mittendrin. Ich treibe immer noch in diesem Meer, aber es ist gerade ziemlich wild und ich hab keine Ahnung, wann es mich wo ausspuckt. Ich hätte gern etwas mehr Beständigkeit in meinem Leben, hab aber keine Ahnung, wie das geht.

Tausend Sachen in meinem Kopf, die ich machen möchte. Völlig überreizt. Und nicht dazu in der Lage, einem simplen Fernsehfilm zu folgen.

Ich hätte gern das neue Jahr. Neues Jahr, neues Glück. 365 neue Tage. Ich hoffe nur, dass ich bis dahin etwas mehr Struktur in mein, in unser Leben, gebracht habe. Vermutlich sollte ich aber der verstreichenden Zeit vertrauen…

Es grüßt euch aus einem völlig verrückten Durcheinander des Lebens

die Löwenmama

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12 Antworten to “„Du trägst den Löwen immer in Deinem Herzen“”

  1. "ella" Says:

    Liebe Löwenmama, ich denk an Dich und Deine Löwenfamilie!
    Die passenden Worte fehlen mir, aber meine Gedanken sind bei euch.

  2. Astarte Says:

    Liebe Löwenmama,

    stimmt, obwohl der Gedanke tröstlich sein sollte/kann, ist er doch doof. Wie viel besser, toller und verdammt nochmal gerechter wäre es wenn der Löwe in deinen Armen läge.
    Es gibt diesen Spruch von Elisabeth Stone, glaub ich:
    „Die Entscheidung ein Kind zu haben ist von großer Tragweite. Denn man beschließt für alle Zeit, dass das eigne Herz außerhalb des eigenen Körpers herumläuft.“
    Nur bei dir starb das Herz zu früh…..und jetzt ist da dieses Loch wo der Löwe mal war….sowohl in dir als auch um dich rum….
    Ich denke viel an dich und an den Löwen, bei jedem Marienkäfer muss ich lächeln und hoffe das es ihm wo auch immer er ist, gut geht.
    In Gedanken bei euch.

  3. Jasmin Says:

    Hallo Löwenmama,

    wie Astarte musste ich sofort an den Spruch denken.
    Natürlich ist der Löwe in deinem Herzen, aber eben auch ein Stück deines Herzen beim Löwen (hmm ich denke du verstehst was ich meine).

    In Gedanken oft bei dir
    Ganz liebe Grüße
    Jasmin

  4. impatient Says:

    liebe löwenmama,
    ich möchte dir einen anker schicken- den du auswerfen kannst wenn die wellen des tränenmeeres zu hoch schlagen und du nicht weißt, wo es dich ausspuckt. den anker kannst du wieder einholen wenn sich die wogen geglättet haben und du auf dem tränenmeer weitersegeln möchtest. vielleicht ist der nächste hafen gar nicht so weit und du kannst an land schöne dinge unternehmen, die dir und deiner seele guttun. und irgendwann gehst du wieder an bord und segelst weiter…
    ganz liebe grüße impatient

  5. Lilchen Says:

    Ich lasse dir einfach nur einen Gruß da. Hilft es dir, wenn ich dir schreibe, dass hier auch Chaos ist? Warum sollen andere nicht am Zustand deines zuhauses sehen, wie es in dir gerade aussieht?

  6. Gabriela25 Says:

    Liebe Löwenmama,
    ich guck fast jeden Tag hier vorbei um deine Lebenszeichen mitzukriegen. Alleine mir vorzustellen was du gerade durchmachst tut so unglaublich weh und es laufen mir unaufhörig die Tränen. Du muss diesen Schmerz in tausendfacher Intensität spüren und bist dennoch so stark, dich um deine Familie zu kümmern und um hier deine Lebenszeichen für uns zu schreiben.
    Lass dich von der Sturmflut mitreißen, aber halte deinen Kopf über Wasser – halte durch, Du wirst wieder Boden unter den Füssen bekommen! Ich bin vom Leben überzeugt worden, dass alles so kommt wie es kommen muß!
    Und in deinem Leben, nach dem traurigen Verlust des kleinen Löwens – MUSS es nun langsam aber sicher wieder bergauf gehen!!!
    Ich wünsche es dir so sehr, dass du die Struktur im Leben bekommst die du brauchst um weiter machen zu können, bis zum Wiedersehen mit deinem tapferen Baby.
    In Gedanken sehr oft bei dir und dem Löwenbaby,
    seid lieb gegrüsst
    Gabriela25

  7. Manuela Says:

    Liebe Löwenmama,

    ich bin durch Zufall hier gelandet, bei Dir, Deiner Familie und Deinem Löwenbaby. Du hast so recht, dieser Satz ist besser, als gar keiner, als das betretene Schweigen und Wegsehen, weil niemand weiss, was er denn sagen soll. Das Leben ist ein Arschloch, wenn es das nicht wäre, hättest Du Dein Baby im Arm. So wie es sein soll, wie es sein zu hat! Es ist so falsch, dass ein Kind vor seinen Eltern stirbt, es ist das Schlimmste, was Eltern passieren kann und man würde alles, alles dafür tun, um das zu ändern.

    Man bleibt zurück mit leeren Armen, in einer Trauer, die betäubt und alles andere um einen herum völlig bedeutungslos macht. Und dann ist ja noch der Rest der Familie da, der auch traurig ist, man selbst muss funktionieren, erklären, trösten und organisieren. Platz für die eigenen Gefühle bleibt da nicht viel.

    Ich kann es Dir leider gut nachvollziehen, wie das ist, weil ich es selbst erlebt habe. Versuche jeden Tag hinter Dich zu bringen, jeder ist ein kleiner Schritt. Es ist egal, wie die Wohnung aussieht. Es ist egal ob Du alles schaffst, was Du Dir für den Tag vorgenommen hast. Versuche Dir selbst ein wenig gut zu tun und diesen Ausnahmezustand zu akzeptieren. Es wird immer weh tun, aber es wird besser werden. Das Gefühl, in einem Meer zu schwimmen, ohne ein rettendes Stückchen Land wird vergehen und Dein „Schiff“ wird zu gegebener Zeit anlegen. Der Hafen wird Dir fremd vorkommen, und doch so vertraut. Viele Dinge dort haben einen neuen Platz bekommen, Dinge die vorher wichtig waren rücken ins Abseits und andere werden ihren Platz einnehmen. Aber bis dahin wirst Du auf der rauen See treiben, über der ein dichter Nebel liegt.

    Du hast das Recht wütend zu sein, zu weinen, zu toben und zu schreien, wenn der Moment da ist und Du gerade das Bedürfnis dazu verspürst.

    Ich wünsche Dir ein Ruhe und ganz viel Kraft,

    liebe Grüsse, Manuela

  8. Maren Says:

    Liebe Löwenmama,

    die Sturmflut ist sicher irgendwann vorbei und Du fühlst wieder Land unter den Füßen. Bis dahin, lasse Dich treiben. Beständigkeit wird sicher die Zeit mit sich bringen. Kleine Alltagsroutinen sind vielleicht ein Anfang.

    Was den Film im TV angeht, hey, seit wann kommt mal wieder was gescheites, was sich auch anzusehen lohnen würde? ;o)
    Herzliche Grüße,
    Maren

  9. Engelchen Says:

    Liebe, liebe Löwenmama,

    Es macht mich hilflos und verzweifelt die Trauer in deinen Zeilen zu lesen. Ich werde nichts tröstendes sagen können – es gibt nichts. Aber ich wollte ganz bewusst nicht wegklicken, dich allein lassen- ach Mist, man will so viel sagen und kriegt es doch nicht hin.

    Fühl dich gedrückt und gehalten. Ich denke täglich an euch.

  10. C. Says:

    Liebe Löwenmama,

    durch Zufall (oder auch nicht – es gibt keine Zufälle im Leben ..) bin ich über Deinen Blog gestolpert, habe gelesen, gelesen und geweint. Auf einmal kommen einen all die Alltagsdinge,die einen ärgern, verletzen, beschäftigen, wütend machen so … banal vor. Man wird sich bewusst, wie man sich mit NEBENsächlichkeiten viel zu viel beschäftigt und dabei das Wesentliche oft aus den Augen verliert.
    Dir wünsche ich das von Herzen, ein neues Jahr mit 365 Tagen voller Hoffnung, Liebe und Zuversicht. Alles alles GUTE !

  11. Frau Fidibimm Says:

    Liebe Löwenmama,
    ich umarme dich und wünsche dir ganz viel Kraft und eine gute neue Zeit.

  12. Gerda Hirsch Says:

    Liebe Löwenmama,

    von mir gibts heute keine Worte, nur eine liebe Umarmung und ganz herzliche Grüße,Gerda

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